Winterberg: Knisternde Spannung vor WM-Auftakt

Deutsche Dominanz weiter sichtbar, aber Welt-Elite ist enger zusammengerückt

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Winterberg (ske). Wenn FIL-Präsident Josef Fendt am Donnerstag [24. Januar 2019] bei der mit großer Freude erwarteten Eröffnungsfeier um 19.19 Uhr die 48. Rennrodel-WM für eröffnet erklärt, dann steht Winterberg im Mittelpunkt einer nicht nur hochkarätigen Sport-Veranstaltung mit einem entsprechenden spektakulären Rahmenprogramm, sondern einer Weltmeisterschaft mit knisternder Spannung.

Medaillenprognosen sind angesichts der zusammengerückten Weltspitze sehr schwer, die Rennen in der VELTINS-EisArena dürften eng werden. Die deutsche Rennrodel-Dominanz ist zwar weiter sichtbar und drückt sich nach sechs Weltcup-Stationen (einschließlich zwei Sprintwettbewerben) auch im Weltcup-Gesamtklassement aus, doch Nationen vor allem wie Österreich und Russland sind in Rennen und Ranglisten ebenfalls auf vorderen Plätzen zu
finden.

Für mich vermeintlich verdächtige Nationen sind Österreich mit drei Olympischen Medaillen sowie bei den Doppelsitzern vor allem die Italiener, aber auch Russland mit einer starken Männerriege, die bei Olympia weiter unter Wert geschlagen wurde“, antwortete der deutsche Cheftrainer Norbert Loch im offiziellen WM-Magazin auf die Frage nach den größten Konkurrenten. „Besonders bei den Einsitzern der Herren tut sich was“, sagt Josef Fendt, der Präsident des Internationalen Rennrodel-Verbandes (FIL).

Nur ein Blick auf die bisherige Weltcup-Gesamtwertung der Einsitzer der Männer zeigt, wie eng es zugeht. Unter den besten acht Rennrodler sind mit Johannes Ludwig (1.) und Felix Loch (3.) zwei deutsche Vertreter dabei. Österreich hat mit Wolfgang Kindl (2.), Reinhard Egger (4.) sowie Olympiasieger David Gleirscher (7.) drei Athleten im vorderen Ranking, Russland mit Semen Pavlichenko (5.) und Roman Repilov (8.) zwei sowie Italien mit Dominik Fischnaller (6.) einen Rennrodler. Den Führenden (Ludwig) und den Achten (Repilov) trennen mal gerade 60 Punkte. Für einen Weltcupsieg gibt es 100 Punkte.

Bei den Frauen sieht es aus deutscher Sicht „entspannter“ aus. Natalie Geisenberger bewies mit vier Siegen ihre Dominanz und führt auch im Weltcup (697) vor der aufstrebenden Julia Taubitz (zwei Siege/634). Dajana Eitberger (ein Sieg/390) liegt auf Rang fünf, Tatjana Hüfner (349), die nach dieser Saison ihre Karriere beendet, ist Sechste.

Bei den Doppelsitzern ziehen Toni Eggert und Sascha Benecken mit insgesamt bereits fünf Siegen einsam ihre Kufenkreise (725). Die Olympiasieger Tobias Wendl / Tobias Arlt (ein Sieg/576) sind Zweite vor den beiden Österreichern Thomas Steu und Lorenz Koller, die „liebend gern auf deutschen Bahnen aufs Podium“ wollen. Die Winterberger Robin Geueke und David Gamm (364/Rang 7) sind auf der Suche nach Konstanz, wollen aber auf ihrer Heimbahn „alles raushauen“. Im Teamwettbewerb ist Deutschland mit zwei Siegen in vier Rennen erwartungsgemäß vorn, gefolgt von Russland und dem lettischen Team, das den letzten Wettbewerb auf der Heimbahn in Sigulda gewonnen hat.

Offizielles Logo der Rodel-WM 2019. Grafik: © VELTINS-EisArena Winterberg
Offizielles Logo der Rodel-WM 2019. Grafik: © VELTINS-EisArena Winterberg

Freuen dürfen sich die Zuschauer auch auf die „knackigen“ Sprintwettbewerbe, die am Freitag [25. Januar 2019], dem ersten WM-Renntag, auf dem Programm stehen. Bei fliegendem Start mit einem Lauf gehen in den drei Disziplinen jeweils die besten 15 Sportlerinnen und Sportler an den Start. „Der Sprint ist ein spannender und knackiger Wettkampf“, betont FIL-Chef Josef Fendt. „Wir müssen aber noch an einigen Stellschrauben arbeiten, damit er besser rüberkommt.“ Der Sprint stand erstmals bei der WM 2016 am Königssee auf dem Programm und ist auf dem Weg der „Emanzipation und Reife“. Bei der WM werden auch die U23-Weltmeister ermittelt und zwar in „Race in Race“-Rennen.

103 Schlitten aus 23 Nationen gemeldet

Für die WM in der VELTINS-Eisarena sind 103 Schlitten aus 23 Nationen gemeldet. Über 100 Sportler werden am Start sein. Insgesamt werden 15.000 Zuschauer an den drei Wettkampftagen erwartet. Der Vorverkauf lief bisher glänzend.

Das deutsche WM-Aufgebot

Cheftrainer Norbert Loch hat folgendes deutsches Aufgebot nominiert:
Damen:

  • Natalie Geisenberger (SV Miesbach),
  • Tatjana Hüfner (RC Blankenburg),
  • Dajana Eitberger (RC Ilmenau),
  • Julia Taubitz (WSC Erzgebirger Oberwiesenthal).

Herren:

  • Felix Loch (RC Berchtesgaden),
  • Johannes Ludwig (WSV Oberhof),
  • Chris Eißler (ESV Lok Zwickau),
  • Sebastian Bley (RT Suhl).

Doppelsitzer:

  • Toni Eggert / Sascha Benecken (BRC Ilsenburg / RT Suhl),
  • Tobias Wendl / Tobias Arlt (RC Berchtesgaden / WSV Königssee).

Wolfgang Kindl großer Triumphator in Igls 2017

Der Österreicher Wolfgang Kindl gewann bei der letzten WM 2017 auf seiner Heimbahn in Igls den Einsitzer und Sprintwettbewerb. Johannes Ludwig und Felix Loch belegten im Einsitzer-Wettbewerb die Ränge vier und sechs. Bei den Damen siegte Tatjana Hüfner. Natalie Geisenberger wurde Sechste, Julia Taubitz kam auf Rang acht ins Ziel. Bei den Doppelsitzern gab es einen dreifachen deutschen Triumph: Toni Eggert / Sascha Benecken siegten vor Tobias Wendl / Tobias Arlt und Geueke / Gamm. Deutschland (Tatjana Hüfner, Johannes Ludwig sowie Toni Eggert / Sascha Benecken) gewann die Teamstaffel vor Russland und den USA.

Im Sprint erreichte der inzwischen zurückgetretene Andi Langenhan den sechsten und Felix Loch den zehnten Rang. Bei den Damen (Erin Hamlin / USA gewann den Titel) belegten Tatjana Hüfner und Dajana Eitberger die Plätze drei und fünf. Julia Taubitz fuhr auf den 12. Platz, Natalie Geisenberger wurde Letzte (15.). Bei den Doppelsitzern gewannen Tobias Wendl und Tobias Arlt den Sprint-WM-Titel, Toni Eggert / Sascha Benecken sicherten sich WM-Bronze, Robin Geueke und David Gamm wurden Fünfte.

Die Bahnrekorde der VELTINS-EisArena

Die Freude war groß, als Felix Loch bei den Deutschen Meisterschaften (DM) am 18. November 2018 – bei Kaiserwetter – mit 51,654 Sekunden einen neuen Bahnrekord aufstellte und als Dank der Winterberger Bahn-Crew einen Kasten mit leckerem Gerstensaft kredenzte. Johannes Ludwig hatte bei der DM mit 3,765 einen neuen Startrekord aufgestellt. Seit gut acht Jahren hält Natalie Geisenberger mit 4,903 bzw. 55,323 Sekunden beide Rekorde in Winterberg. Am 26. November 2016 stellten Toni Eggert / Sascha Benecken mit 2,983 und 42,943 Sekunden die Bestzeiten bei den Doppelsitzern auf.

Vier Medienvertreter schon 1989 in Winterberg dabei

Vor 30 Jahren waren sie als Berichterstatter bei der FIL-WM 1989 in Winterberg dabei, auch bei der WM 2019 kommen sie wieder ins Sauerland und freuen sich auf dieses Top-Ereignis. Der frühere ZDF-Reporter und -Redakteur Klaus Angermann, der Fotoreporter Siegfried Kachel aus Bühl / Baden, der Sportjournalist Wolfgang Harder (damals sid / heute Pressechef der FIL) aus Lindau am Bodensee und der WDR-Fernsehreporter Peter Grube aus Aachen. Alle haben die damaligen Wettkämpfe noch in bester Erinnerung. „Es war eine wunderbare WM“, meint Siegfried Kachel. „Winterberg hat es drauf und kann solche Veranstaltungen bestens organisieren. Das wird auch in diesem Jahr der Fall sein.

Quelle: VELTINS-EisArena Winterberg
Grafik: © VELTINS-EisArena Winterberg

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