Meschede. Sie drückt die Schulbank mit 26 anderen Auszubildenden – ein „bunt gemischter Haufen“, in dem die Jüngste 16 Jahre alt ist, die Älteste 45. Elena Habibullin ist 32, vierfache Mutter. Und sie absolviert ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Meschede in Teilzeit. Eine Premiere auch für die Stadtverwaltung.

Nach dem Realschulabschluss ist die Freienohlerin ins Fachabitur gestartet – doch dann kam die Familienphase dazwischen. Hochzeit mit 19, vier Kinder kamen zur Welt. 12, 11, 6 und 3 Jahre alt sind sie inzwischen. Berufstätig war Elena Habibullin dazwischen immer: Sie arbeitete in der Altenpflege, zuletzt dann in der Gastronomie. Doch ihr war immer klar: „Es ist nicht einfach im Leben ohne eine Ausbildung.“ Eine Mitarbeiterin der Stadt Meschede machte ihr Mut: Sie selbst habe die Ausbildung mit 30 begonnen – und es habe gut geklappt.

Sieben Bewerbungen schickte die vierfache Mutter an Verwaltungen – und wies gleich darauf hin, dass sie ihre Ausbildung nur in Teilzeit machen könne: „Anders würde ich es nicht schaffen.“ Die Stadt Meschede lud sie erst zum Einstellungstest, dann zum Vorstellungsgespräch ein. Die 32-Jährige durchlief so das ganz normale Bewerbungsverfahren. Gegen 50 Mitbewerber setzte sich Elena Habibullin durch, erklärt Ausbildungsleiter Dirk Hillebrand: „Sie bestand erfolgreich den Einstellungstest und präsentierte sich im Vorstellungsgespräch hochmotiviert, das hat uns überzeugt.“ Erst danach habe man überlegt, ob und wie eine Ausbildung in Teilzeit möglich sei.

Elena Habibullin durchläuft wie alle anderen Auszubildenden mehrere Stationen im Rathaus. Derzeit arbeitet sie im Standesamt. Mit im Bild: Ausbildungsleiter Dirk Hillebrand (li.) und Personalchef Jürgen Bartholme. Foto: © Stadt Meschede

Elena Habibullin durchläuft wie alle anderen Auszubildenden mehrere Stationen im Rathaus. Derzeit arbeitet sie im Standesamt. Mit im Bild: Ausbildungsleiter Dirk Hillebrand (li.) und Personalchef Jürgen Bartholme. Foto: © Stadt Meschede

Seit dem 01. August 2017 wird die 32-Jährige zur Verwaltungsfachangestellten ausgebildet. 30 statt 39 Wochenstunden absolviert sie. Die Berufsschule besucht sie wie alle anderen Auszubildenden. Lediglich ihre Präsenz im Ausbildungsbetrieb wird verkürzt. Für Jürgen Bartholmé, Fachbereichsleiter Personal im Rathaus, ist die Teilzeitausbildung eine zeitgemäße Möglichkeit, hochmotiviertes Personal zu bekommen: „Als Stadt sollte man den Titel ,Familienfreundliches Unternehmen‘ nicht nur im Logo stehen haben, sondern auch mit Leben füllen.

Das Leben von Familie Habibullin ist gut organisiert, seit Mutter Elena ihre Ausbildung angetreten hat. Der Elfjährige kommt um 13 Uhr zum Rathaus, wenn Mama Feierabend hat, unterwegs sammeln sie den Zwölfjährigen ein. Das Mittagessen hat sie schon am Vorabend vorbereitet. Ehemann Oleg stellt in seiner Mittagspause schon mal den Ofen an, zu viert wird dann gegessen. Die beiden kleinen Kinder holt Elena Habibullin danach ab: den Dreijährigen im Kindergarten und die Sechsjährige, die gerade eingeschult worden ist, im offenen Ganztag der Grundschule.

Das ist schon alles eng getaktet“, lächelt die 32-Jährige. Das Leben sei strukturierter – vor allem im Vergleich zu der Zeit, in der sie in der Gastronomie vornehmlich an den Wochenenden arbeitete: „Wir haben die Nachmittage und Abende für uns. Das ist schon schöner als vorher. Man hat einfach mehr Zeit füreinander.“ Die vier Kinder freuen sich: „Die finden das total gut.“ Besonders lustig ist es für sie, „dass Mama jetzt auch zur Schule geht – und auch noch Sportunterricht hat“. Englisch, sagt sie, wolle man nun gemeinsam lernen.

Anderen Frauen möchte Elena Habibullin Mut machen, ihre Chance zu ergreifen: „Ans Aufgeben denke ich überhaupt nicht. Mit Sicherheit ist es jetzt anders. Mit 19 fiel das Lernen vielleicht leichter. Aber jetzt ist die Motivation größer.“ Dirk Hillebrand bestätigt das: „Sie ist zuverlässig, pünktlich und hochmotiviert. Durch das Alter hat man eine ganz andere Einstellung zur Ausbildung. Und natürlich ist sie auch ein Vorbild für ihre eigenen Kinder, dass es möglich ist, Familie und Beruf in Einklang zu bringen.“ Und auch Jürgen Bartholme ist voll des Lobes: „Sie ist eine offene, motivierte, junge Frau – das ist doch auch eine Werbung für die Stadt.

Quelle: Stadt Meschede
Foto: © Stadt Meschede