Meschede. Donnerstags wird es voll beim Fachbereich Soziales im Mescheder Rathaus. Von 14 bis 17 Uhr ist Sprechstunde speziell für Asylbewerber – unterstützt von zwei Dolmetschern, die Arabisch und Kurdisch sprechen. Möglich macht dieses Angebot eine seit gut einem Jahr vereinbarte Zusammenarbeit der Diakonie Ruhr-Hellweg mit der Stadt Meschede. Davon profitieren Asylbewerber und Stadt gleichermaßen.

Wer in ein fremdes Land kommt, die Sprache nicht kennt, tut sich erst einmal schwer mit Alltag, aber auch im Umgang mit Behörden und Anträgen. Auf der anderen Seite kämpft man auch im Fachbereich Soziales zunehmend mit Sprachbarrieren. Und auch beim ganz normalen Leben in der Stadt Meschede benötigen viele Neuankömmlinge Betreuung und Unterstützung. Genau da setzt die Kooperation an.

Beispiel Donnerstagssprechstunde: „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, sagt Annegret Rasch von der Flüchtlingsberatung der Diakonie Ruhr-Hellweg. Sie weist inzwischen ausdrücklich auf die Sprechstunde hin. Die Folge: „Der Donnerstag ist inzwischen der Tag, an dem die meisten Asylbewerber kommen“, bestätigt Ulrich Schürmann, Fachbereichsleiter Soziales bei der Stadt Meschede. Vorteil für die Stadt: „Die Kollegin könnte sich mit den Leuten sonst kaum verständigen.“ Da wird manche Hürde dank der Dolmetscher aus dem Weg geräumt.

Gestartet wurde mit einem Übersetzer. Auf Grund der erhöhten Zuweisungen wurde die Betreuung im Novmeber aufgestockt – somit sind nun zwei Dolmetscher im Einsatz. Die Kosten trägt die Stadt Meschede. Annegret Rasch betont: „Diese Art und dieser Umfang der Kooperation sind einzigartig im Hochsauerlandkreis.

1 Jahr Kooperation der Stadt Meschede mit der Diakonie Rihr-Hellweg in Flüchtlingsbetreuung. Foto: © Stadt Meschede

1 Jahr Kooperation der Stadt Meschede mit der Diakonie Rihr-Hellweg in Flüchtlingsbetreuung. Foto: © Stadt Meschede

Doch nicht nur donnerstags sind Übersetzer gefragt: „Die beiden Dolmetscher besuchen die Übergangswohnheime und schauen, was da los ist. Sie stehen zum Beispiel auch den Hausmeistern bei Problemen zur Verfügung.“ Zum Beispiel bei der Belegung der Zimmer oder Wohnungen wird gemeinsam überlegt, welche Religionszugehörigkeiten berücksichtigt werden müssen, damit Probleme erst gar nicht entstehen. Und wenn es doch einmal Konflikte geben sollte: „Durch die Besuche der Dolmetscher vor Ort wissen wir sehr früh, wo es Schwierigkeiten geben könnte“, betont Ulrich Schürmann.

Im Alltag ist die Betreuung mit sprachlicher Unterstützung ebenfalls gefragt: „Wenn etwa ein Konto eröffnet werden soll, begleiten die Dolmetscher die Flüchtlinge auch zur Bank“, berichtet Annegret Rasch.

Es geht nicht nur ums Übersetzen: Stadt und Diakonie sind gemeinsam auch Ansprechpartner für ehrenamtliche Helfer, die sich über die Stadtgespräche gefunden haben. In mehreren Untergruppen werden Themenschwerpunkte wie Arbeit oder Kinder gesetzt. Die Bevölkerung reagiere „offen und positiv“ auf die Flüchtlinge, bisher habe sie „noch nichts Negatives gehört“, erklärt die Diakonie-Mitarbeiterin. Im Gegenteil: Die Hilfsbereitschaft sei groß. Und das spiegelt sich auch im Kreis der Ehrenamtlichen bei den Stadtgesprächen wider. „Wir haben doch alle dieselbe Intention“, betont Ulrich Schürmann, „und diese gemeinsame Arbeit muss koordiniert werden.

Nach gut einem Jahr Zusammenarbeit ziehen die Flüchtlingsberaterin und der Leiter des Fachbereichs Soziales eine positive Bilanz: „Durch die guten Absprachen wird vieles möglich“, freut sich Annegret Rasch, „wir haben noch immer eine Lösung gefunden.“ Und auch Ulrich Schürmann sagt: „Der Dialog läuft wirklich gut. Und die Kooperation wird weiter laufen. Wir haben sie ja gerade erst aufgestockt.

Zur Information:

Menschen aus 26 Nationen leben derzeit als Asylbewerber in Meschede. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Serbien, Syrien und Eritrea.

Die Statistik zeigt einen deutlichen Anstieg: 2011 waren 53 Asylbewerber registriert, 2012 waren es 57, 2013 dann 95. 2014 stieg die Zahl auf 141. Aktuell sind 160 Asylbewerber in der Stadt Meschede. Allein seit Jahresanfang wurden 25 neu zu gewiesen.

Untergebracht sind die Menschen in drei Übergangsheimen in Calle, Freienohl und Berge sowie in den Obdachlosenunterkünften. Die Stadt hat einige eigene Wohnungen sowie weitere Privatwohnungen angemietet. Da mit weiteren Zuweisungen zu rechnen sei, so Ulrich Schürmann und Wolfgang Sträter, wird auch weiterhin nach Wohnraum für Flüchtlinge gesucht. Nähere Informationen dazu: unter www.meschede.de.

Quelle: Stadt Meschede