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Winterberg. Schnee ist ein wertvoller Rohstoff. Weißes Gold für hochgradigen Pistenspaß. Mutter Natur allein genügt den Ansprüchen heute nicht mehr. Nicht nur in den Mittelgebirgen, auch in den Alpen setzen Liftbetreiber inzwischen auf Unterstützung durch ausgeklügelte Technik. Und das nicht erst in den zurückliegenden zehn Jahren. Die Wintersport-Arena Sauerland blickt zurück und fasst die Entwicklung der technischen Schneeproduktion von den 60er Jahren bis in die Gegenwart zusammen.

Die Skigebiete tun viel, um Frau Holle nicht in Rente, doch hin und wieder mal in Urlaub schicken zu können. Rund 90 Prozent der Pisten im Kerngebiet der Wintersport-Arena Sauerland sind beschneit. Rund 450 konventionelle Schnee-Erzeuger sorgen in der Region für Pistenspaß, auch wenn die Flocken nicht so reichlich vom Himmel fallen. „Ziel ist dabei nicht, die Natur zu überlisten, oder gegen den Klimawandel anzukämpfen, sondern eine relative Planbarkeit der Winterangebote – für unsere touristischen Betriebe, aber auch unsere Gäste“, betont Wintersport-Arena-Vorsitzender Michael Beckmann.

Erfunden hat die Schneekanone in den 40er Jahren in Kanada. Forscher wollten herausfinden, wie gefährlich die Eisbildung am Rand eines Flugzeug-Triebwerks ist. Sie schütteten bei frostigen Temperaturen unter anderem Wasser in die Turbine. Heraus kam unerwarteter Weise Schnee. Erst in den 60er Jahren wurde der potenzielle Nutzen des damals eher lästigen Nebeneffekts erkannt. In den USA tauchten die ersten Hochdruck-Schneemaschinen mit Propeller-Antrieb auf.

Der deutsche Erfinder Fritz Jakob holte das Prinzip nach Europa, genauer gesagt zum Ammersee und experimentierte weiter. 1964 brachte schließlich die deutsche Firma Linde seine Weiterentwicklung, auf den Markt. Bis heute funktioniert ein Großteil der Schnee-Erzeuger nach diesem Prinzip der feinen Wasserzerstäubung durch eine Propellerkanone.
Von einer kompletten Beschneiungsanlage auf der Basis eines Schneilanzen-Systems wird erstmals in den 70er Jahren in den USA berichtet.

Beschneiung am Sürenberg in Winterberg. Foto: Wintersport-Arena Sauerland/ Siegerland-Wittgenstein e. V.

Beschneiung am Sürenberg in Winterberg. Foto: Wintersport-Arena Sauerland / Siegerland-Wittgenstein e. V.

Auch in der Wintersport-Arena Sauerland gab es erste Tests zur künstlichen Schneeerzeugung Ende der 60er Jahre. Damit gehört die Region zu den ersten in Deutschland, die sich mit der technischen Beschneiung befasst haben. Später gab es erneute Versuche in den 80er Jahren. Allerdings handelte es sich dabei noch um selbst gebaute Anlagen, die mit denen von heute ins keiner Weise zu vergleichen sind.

In den 90er Jahren haben die Liftbetreiber erste Erfahrungen mit industriell hergestellten Schnee-Erzeugern gesammelt. Die erste durch einen professionellen Hersteller vertriebene Schneekanone der Wintersport-Arena Sauerland stand im Winter 1994/1995 im Skigebiet Ruhrquelle. Aufgrund der damals noch deutlich geringeren Effizienz kamen sie zunächst nur beim Beschneien von Liftspuren oder punktuell an Stellen mit sehr dünner Schneeauflage zum Einsatz.

Beschneiung war teuer und ineffizient. Damals waren noch Temperaturen von Minus fünf Grad erforderlich, um Schnee in ordentlicher Qualität zu produzieren. Doch die technische Entwicklung schritt schnell voran. Die Erfahrung der schneearmen 90er Jahre gab in der Wintersport-Arena Sauerland den Anlass, den Wintersport über großflächige Beschneiungskonzepte zu sichern – die Grundlage des Masterplans Wintersport-Arena. Dieses Förderkonzept gilt bis heute als eines der erfolgreichsten der Landesregierung. Das zeigt die Relation der Fördergelder zu den Folgeinvestitionen.

Anfang des Jahrtausends, auf der Basis des Masterplans, begann die Beschneiung mittels leistungsstarker Beschneiungsanlagen in größerem Umfang mit dem Pilotprojet 2002 in Neuastenberg, das bewies, dass Skibetrieb mit Unterstützung durch technische Beschneiung auf wirtschaftlicher Basis nicht nur in den Alpen, sondern auch im Mittelgebirge möglich ist. Dabei setzten und setzen die Liftbetreiber auf zwei unterschiedliche Systeme, die energiesparenden Niederdruck-Propellerkanonen sowie Schneelanzen, die noch weniger Energie benötigen. Sie alle brauchen eine Umgebungstemperatur von mindestens minus zwei Grad in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit, um Schnee aus reinem, klarem Wasser produzieren zu können.

Der Masterplan Wintersport-Arena leitete eine Entwicklung ein hin zur bedeutendsten Wintersportregion nördlich der Alpen. Dabei bewiesen die Liftbetreiber im Sauerland Innovationsgeist und Mut zu Investitionen. Innerhalb von elf Jahren investierten sie rund 95 Millionen Euro in den direkten Wintersport, Folgeinvestitionen artverwandter Branchen noch nicht mit eingerechnet. ein Großteil davon entfiel auf die Steigerung der Schneesicherheit. Die Förderungen des Landes NRW beliefen sich in einer Gesamthöhe von 4,3 Millionen Euro.

Und schon wieder nimmt eine Innovation ihren Lauf. Bis auf sehr wenige Skigebiete in Österreich und in der Schweiz gibt es im deutschsprachigen Raum keine Beschneiungsanlage die unabhängig von der Außentemperatur arbeitet. Vor circa zwei Wochen hat das Skigebiet Ruhrquelle die neue Snowfactory von TechnoAlpin installiert. Seitdem arbeitet die Scherbeneisanlage erfolgreich im Testbetrieb. Sie ist die einzige Anlage ihrer Art in ganz Europa. Das an der Ruhrquelle eingesetzte Modell erzeugt 230 Kubikmeter Schnee pro Tag.

Das Prinzip ist simpel, ähnlich dem eines Kühlschranks. Mittels Kühltechnik wird das Wasser in einem effizienten Wärmeaustauscher bis zum Gefrierpunkt gekühlt. Die Kälte wird dabei durch spezielle Kompressoren und ein Kühlmittel erzeugt. Das Kühlmittel wird in einem geschlossenen Kreislauf verwendet. Das Wasser gefriert allein durch die erzeugte Kälte. Ein Schaber trägt es in hauchdünnen Eisblättchen ab, die verteilt auf de Piste eine Art Firnschnee ergeben.

Die neue Technologie soll ein Ersatz sein für die klassische Beschneiung, sondern eine Ergänzung. Auch an der Ruhrquelle ist die Anlage ist nicht für die flächendeckende Beschneiung gedacht, sondern für den gezielten, punktuellen Einsatz. Zum Beispiel für das Ausbessern stark beanspruchter Bereiche an den Lift ein- und –ausstiegen. Flächendeckende Beschneiung ist nicht nur aufgrund der Leistungsmerkmale der Anlage kaum möglich, sondern auch aus ökonomischen Gründen.

Durch Unterstützung durch diese Technologie hat das Skigebiet Ruhrquelle bereits am 15. November 2014 einen ersten Wintersporttag auf einer kleinen Kunstschneepiste angeboten. Regulär läuft die Wintersaison in der Region allerdings von Dezember bis März. Es ist auch nicht geplant, den Saisonstart in größerem Umfang vorzuziehen.

Eine weitere Anlage ist in der Winterberger Remmeswiese in Planung, allerdings noch nicht einsatzbereit. Der All Weather Snow Maker produziert bis zu 200 Kubikmeter Schnee pro Tag. Die Technologie basiert auf dem physikalischen Prinzip, wonach Wasser, das im Vakuum eingebracht wird, sofort zu einem gewissen Teil verdunstet. Durch die freigesetzte Verdunstungsenergie kühlt ein Teil des Wassers ab und kristallisiert. Die Schneekristalle werden vom Wasser getrennt und auf die Piste befördert. Im schweizerischen Zermatt haben Investoren für den Theodulgletscher nahe dem Kleinmatterhorn eine solche Maschine gebaut. Zeitgleich mit Zermatt haben Initiatoren 2008 am Tiroler Pitztalgletscher eine ähnliche Anlage installiert. In Deutschland ist solch eine Anlage bislang noch nicht im Einsatz.

Hintergrund Beschneiung

Grundsätzlich sind noch weitere Geräte zur Schneeproduktion auf dem Markt, die aber in der Region nicht eingesetzt werden: Eiskanonen und Druckluftkanonen mit hohem Energiebedarf sowie Kryo-Kanonen. Prinzipiell ist noch die Arbeit mit einem bakteriellen Zusatz zu nennen, dessen Eiweiße in geringen Mengen die Eiskristallbildung katalysieren und es ermöglichen, bei leichten Plusgraden Schnee zu machen. In Deutschland ist dieses Verfahren jedoch verboten. In der Wintersport-Arena Sauerland wird es zudem aus Überzeugung nicht eingesetzt.

Quelle: Wintersport-Arena Sauerland / Siegerland-Wittgenstein e. V.