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Willingen. TD ist die Abkürzung für Technischer Delegierter. Jeder, der sich im Skispringen etwas auskennt, weiß um die Wichtigkeit eines TD. Denn der sagt bei nationalen und internationalen Wettkämpfen an den Schanzen, wo es lang geht.

Volkmar Hirsch, Sportwart des Ski-Clubs Willingen, hat sich seit Jahren auf dieses große Ziel vorbereitet. Nun wurde es in Courchevel ernst, denn dort absolvierte der ehemalige deutsche Meister im Skilanglauf und mehrfache Rennleiter bei Weltcup-Skispringen an der Mühlenkopfschanze seine praktische Prüfung – mit Erfolg. Doch der Reihe nach.

Um für ein anstrengendes Wochenende 1000 Kilometer mit Zug und Bahn hin und 1000 Kilometer wieder zurückzureisen, da muss man schon durch und durch ein Idealist sein. Mitten in der Nacht ging die strapaziöse Reise in Willingen los, nach über 13 Stunden kam Volkmar Hirsch über die Stationen Kassel und Basel in der Skisport-hochburg im Departement Savoie in den französischen Alpen an. Neben dem Skisport ist der Ort auch als Etappenziel der Tour de France bekannt geworden. Nach der Mannschaftsführersitzung am ersten Abend ging es müde in die Federn.

Sandro Pertile aus Italien nahm Volkmar Hirsch (rechts) in Courchevel die praktische Prüfung zum Technischen Delegierten (TD) im Skispringen ab. Der Willinger meisterte den Härtetest in den französischen Alpen mir Bravour. Foto: SC Willingen

Am nächsten Morgen nahm Hirsch zeitig seine Position auf dem Trainerpodest ein. Ständig stand er im Funkkontakt mit dem italienischen TD Sandro Pertile und Rennleiter Pascal Malec aus Frankreich, um Juryentscheidungen zu beschließen. Im Anschluss an das Training begann die praktische Prüfung. Der Willinger wurde auf Herz und Nieren geprüft. Alles, was ein TD an der Schanze messen muss, wurde abgefragt. Spurbreite und –tiefe, Anzahl und Abstand der Gates, Schanzentischneigung, Neigung, Breite und Länge des Aufsprunghanges und des Auslaufs, Bandensicherheit und etliches mehr. Viele unterschiedliche Zahlen und Daten wurden ausgetauscht, die ein TD auf keinen Fall durcheinanderbringen darf.

Am Abend stand der angehende TD Hirsch, der auch Kampfrichter beim Skispringen ist, beim Wettkampf mit einem Probe- und zwei Wertungsdurchgängen in der Pflicht. Er machte seine Sache gut. Abschluss eines langen Tages bildete die „Manöverkritik“ von Horst Thielmann, der beim Internationalen Skiverband (FIS) als Koordinator für die reibungslose Abwicklung der Continentalcups verantwortlich ist.

Am Abreisetag ging es wiederum früh an die Schanzenanlage Le Praz in Courchevel, wo bereits seit 1997 hochkarätige Wettkämpfe im Rahmen des Sommer-Grand-Prix der Skispringer durchgeführt werden. Die Experten befanden die Schanze für „in Ordnung“, so dass einem weiteren Springen unter fairen Wettkampfbedingungen für alle Springer nichts im Wege stand. Gegen Mittag wurden die Berichte verfasst, und mit der Abschlussbesprechung endete ein unvergessliches Skisprungwochenende für Volkmar Hirsch. Seine Familie holte ihn in Gießen ab. Nach mehr als 65 Stunden im ehren-amtlichen Dienst für den Sport war der Willinger wieder daheim.

Nach all den Reisestrapazen ein wenig geschafft und müde, aber glücklich, denn die praktische Prüfung zum TD hat der 47-jährige Skisprung-Fachmann mit Bravour bestanden. Auch der Ski-Club Willingen ist stolz auf seinen Sportwart und freut sich mit ihm, denn Volkmar Hirsch ist der erste Technische Delegierte in Reihen des über 100 Jahre alten Traditionsvereins. In Zukunft darf sich „TD Hirsch“ auf internationale Einsätze an den verschiedensten Orten in Europa und in Übersee freuen, um den besten Skispringern der Welt in Zusammenarbeit mit FIS-Renndirektor Dr. Walter Hofer und den Veranstaltern optimale Wettkampfbedingungen zu garantieren.

Quelle: SC Willingen