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Willingen. So ein Pressesprecher ist vor sportlichen Großereignissen sehr im Stress. Das gilt insbesondere für Ralph Eder, der die Pressearbeit für den Deutschen Skiverband (DSV) koordiniert und auch beim FIS Skisprung Weltcup des Ski-Clubs Willingen verantwortlich ist. „Vor Sotschi komme ich gerade zu nichts, weißt du noch einen Friseur für mich in Willingen?“, lautete die Frage von Eder auf der Anreise nach Willingen an SCW-Pressesprecher Dieter Schütz.

Der musste nicht lange überlegen, denn Schanzenchef Wolfgang Schlüter hatte in seiner Jugend das Friseurhandwerk erlernt. Was lag näher, als ein Treffen im Salon Kesper in Willingen zu organisieren. Dort hatte Schlüter seinerzeit die Lehre absolviert und war neben schnittigen Männerhaarschnitten insbesondere für seine glatten Rasuren mit dem Messer bekannt.

Nun legte er nach vielen Jahren nochmals gemeinsam mit seinem damaligen Chef, Friseurmeister Friedhelm Tenbusch, gekonnt Hand an, um den DSV-Pressechef den richtigen sportlichen Schnitt für den Kult-Weltcup in Willingen und die Olympischen Winterspiele in Sotschi zu verpassen. Eder und Tenbusch waren sich auf Anhieb sympathisch und kamen sofort ins Gespräch über Gott und die Welt. Natürlich sprachen beide über das große Skisprungwochenende an der Willinger Mühlenkopfschanze und analysierten die Lage vor Olympia in Russland sportlich und politisch.

Haarschnitt für den DSV-Pressesprecher. Foto: (c) SCW

Haarschnitt für den DSV-Pressesprecher. Foto: (c) SCW

Tenbusch ist schon seit 57 Jahren Friseur („Ich mache meinen Beruf immer noch gerne“). Mit seiner Frau Lieschen leitet er seit 43 Jahren das 1929 gegründete familiengeführte Friseurgeschäft für Damen und Herren. Durch seine Kundschaft erfährt er immer, was so im Ort gerade los ist und sagt mit einem Schmunzeln: „Das ist ja der Grund, warum ich nicht aufhöre.“ Auch dem Ski-Club Willingen ist das Vereinsmitglied Tenbusch seit Urzeiten treu verbunden.

Seit über 50 Jahren hilft er als Kassiere bei den großen Skisportveranstaltungen an der Schanze und ist seit Jahrzehnten echter Fan der Willinger Fußballer. Auch der Weltcup 2014 findet nicht ohne Friedhelm Tenbusch statt, der an einer der Kassen zur Mühlenkopfschanze bei Wind und Wetter seinen Mann steht. Da er auch beim Haareschneiden den ganzen Tag auf den Beinen ist, macht ihm das rein gar nichts aus. Eine Bezahlung von Ralph Eder wollte er nicht annehmen. Der bestand aber drauf, einen Schein für die Enkelkinder der Tenbuschs ins Sparschwein zu stecken.

Eine Bitte hatte der Willinger Weltcup-Friseur an den Medienmann dann aber doch: „Schicken Sie mir doch mal eine Ansichtskarte aus Sotschi, darüber würde ich mich sehr freuen.“ Das ist für Ralph Eder Ehrensache. Die Visitenkarte von Tenbusch hat er sich gleich eingesteckt und bei der herzlichen Verabschiedung gelobt und gescherzt: „Super, Willingen ist viel mehr als Skispringen. Hier gibt es einen fantastischen Rundumservice. Ich komme jetzt immer zum Haareschneiden nach Willingen.“ Dafür könnte der Weg aus München dann aber vielleicht doch etwas zu weit sein.

Quelle: Ski-Club Willingen