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Sundern. Sie ist in Deutschland eine eher in Vergessenheit geratene Persönlichkeit des vergangenen Jahrhunderts. In England hingegen wird sie bis heute als Heldin verehrt und genießt größtes Ansehen. Edith Louisa Cavell – eine in Belgien tätige englische Krankenschwester, die während der Besatzungszeit im Ersten Weltkrieg wegen Fluchthilfe für alliierte Soldaten durch ein deutsches Kriegsgericht zum Tode verurteilt und schließlich hingerichtet wurde.

In ihrem Gedenken lud der „Geschichtsklub Vier-91“ zu einer Vortragsveranstaltung über die englische „Märtyrerin“ nach Sundern ein. Als Präsident des Vereins begrüßte Patric Cremer vor wenigen Tagen erneut den Hobbyhistoriker Leonard Docker, der im vergangenen Jahr bereits einen Vortrag über den NS-Widerstandskämpfer Erich Maydir gehalten hatte.

Edith Cavell beendete 1895 ihre Ausbildung zur Krankenschwester in London und wurde 1907 zur Oberin im Berkendael Medical Institute in Brüssel. Sie war von dem späteren Kriegsopfer Marie Depage nach Belgien gerufen worden, deren Ehemann den belgischen Zweig des Roten Kreuzes gegründet hatte. Cavell soll in ihrer Zeit als Krankenschwester während der deutschen Besatzung in Belgien einer Untergrundorganisation beigetreten sein und etwa 200 britischen, französischen und belgischen Kriegsgefangenen geholfen haben, durch die neutralen Niederlande in ihre Heimatländer zu fliehen.

Daraufhin wurde sie am 05. August 1915 von den Deutschen verhaftet und wegen „Verbrechens zum Schaden für die deutschen Streitkräfte“ sowie wegen „Zuführung von Mannschaften an den Feind“ angeklagt und zum Tode verurteilt. Der Papst und die internationale Gemeinschaft hatten sich für eine Begnadigung von Edith Cavell eingesetzt, jedoch ohne Erfolg. Bereits am 12. Oktober 1915 wurde sie durch Erschießung hingerichtet.

Das Gerichturteil ist bis heute umstritten. Der damalige Generalgouverneur von Belgien, General Traugott von Sauberzweig, wurde nach der Hinrichtung Cavells seines Postens entbunden. Zu hoch waren die Wellen nach der standrechtlichen Erschießung geschlagen. Kaiser Wilhelm II. verbot im Januar 1916 schließlich die Todesstrafe gegenüber Frauen zu vollstrecken, ohne seine ausdrückliche Erlaubnis.

In der Nacht vor der Exekution soll Cavell mit Ihrem anglikanischen Beichtvater gesprochen haben und die nachfolgenden Worte für die Nachwelt hinterlassen haben: „Ich habe erkannt, dass Patriotismus nicht genug ist. Ich darf weder Haß noch Bitterkeit gegenüber irgend jemand empfinden.“ Diese Worte stehen noch heute als Mahnung für die Nachwelt auf einem Denkmal in London in der Nähe des Trafalgar Square.

Leonard Docker unterstrich, daß die Verurteilung Cavells zwar dem damaligen Recht entsprochen habe, jedoch eine lebenslange Haft angemessener gewesen sei. Die öffentliche Empörung sei propagandistisch eine Katastrophe für die deutsche Kriegsführung gewesen. Man war angesichts der harten Strafe auch nicht in der Lage, der internationalen Kritik publizistisch entgegenzutreten. Die Krankenschwester symbolisiere die „Selbstlosigkeit einer Frau in Kriegszeiten“ und sei für die Engländer, Franzosen und Briten zurecht eine Heldin ihrer Zeit gewesen, so Docker weiter.

Zum Schluß überreichte Cremer dem Gastredner Leonard Docker als Dank für seinen Vortrag ein kleines Präsent.

Quelle: Geschichtsklub „Vier-91“