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Südwestfalen. Vor gut einem Jahr endete die „Regionale 2013“, das Strukturförderprogramm, durch das rund 300 Millionen Euro in Südwestfalen investiert wurden. Die Arbeit der Südwestfalen Agentur, die sechs Jahre den intensiven Prozess gesteuert und begleitet hat, ist damit aber nicht beendet. Hubertus Winterberg, Geschäftsführer der in Olpe ansässigen GmbH, blickt auf das „Jahr eins“ nach der Regionale zurück und erläutert die neue Struktur und die Bedeutung der regionalen Entwicklungsagentur für Südwestfalen.

Frage: Wie fühlt sich das erste Jahr nach der Regionale 2013 an?

Hubertus Winterberg: Es fühlt sich gut an, denn es war ein intensives Jahr, in dem wir viel Vertrauen und Bestätigung bei der Neuausrichtung unserer Arbeit erfahren durften. Die vergangenen Monate haben Klarheit über die Rolle die Agentur als Netzwerkzentrale und Impulsgeber bei der Weiterentwicklung Südwestfalens gebracht.

Frage: Wie meinen Sie das konkret?

Hubertus Winterberg: Wir arbeiten nun in vier Geschäftsfeldern. Erstens: Im Handlungsfeld Netzwerk – mit der klaren Zielsetzung, südwestfälische Beschlüsse, getragen von Wirtschaft und Politik, auf den Weg zu bringen.

Zweitens: Interessensvertretung. Wir sehen uns hier als Teil einer parteiübergreifenden Allianz mit dem Auftrag einer starken, klaren Positionierung Südwestfalens in Land, Bund und EU. Diese Geschlossenheit war schon einer der Erfolgsfaktoren in der Regionalen 2013. Sie hat sich als unschätzbarer Wert erwiesen.

Und drittens: Wir müssen auch nach der Regionale Triebfeder in wesentlichen Fragen der Regionalen Entwicklung bleiben. Die Zukunftsfragen des ländlichen Raumes sind daher unverzichtbarer Teil unserer Arbeit geblieben.

Das vierte Geschäftsfeld ist das Regionalmarketing: Wir dürfen nicht nachlassen über die Region sprechen – sowohl nach innen als auch nach außen -, um das Bild der starken Wirtschaftsregion mit hoher Freizeit- und Lebensqualität zu festigen. Wir bieten dabei den Unternehmen, die sich als Mitgliedsunternehmen des Vereins „Wirtschaft für Südwestfalen“ engagieren konkrete Mehrwerte bei der Personalakquise – durch gemeinsame Messeauftritte, Material zur Werbung für den Standort und vieles mehr.

Frage: Wie sieht die Arbeit der Südwestfalen Agentur in der Praxis aus?

Hubertus Winterberg: Ein Schwerpunkt in diesem Jahr war der Aufbau des Austausches mit der Jugend Südwestfalens, das erste junge Forum „Utopia“, das wir gemeinsam mit den Sparkassen in Südwestfalen durchgeführt haben. Es war zu spüren, dass sich die jungen Leute einbringen möchten und anpacken wollen. Sie haben ganz konkrete Vorstellungen davon, wie ihre Region in Zukunft aussehen kann. Ich persönlich glaube, diese Haltung der Menschen in Südwestfalen ist der eigentliche Schatz unserer Region. Das haben wir schon in der „Regionale“ auf vielfältige Weise gespürt.

Hubertus Winterberg. Foto: © Michael Bahr, www.sichtbahr.de

Hubertus Winterberg. Foto: © Michael Bahr, www.sichtbahr.de

Im Bereich Regionalmarketing und insbesondere im Rahmen der „Alles echt“-Kampagne heben wir die wirtschaftliche Kompetenz der Region und ihrer Unternehmen in Form von unterschiedlichsten Maßnahmen hervor. Mit Werbung auf Lkw zum Beispiel, die als rollende Botschafter in Deutschland und Europa unterwegs sind. Flankierend platzieren wir uns in überregionalen Medien – etwa mit einer Sonderbeilage in der Welt am Sonntag. Das schafft Akzeptanz – auch im politischen Raum. Denn wir öffnen damit ein Stück die Türen, die notwendig sind, um Akzeptanz für die berechtigten Ansprüche aus Südwestfalen zum Ausbau von Straße, Schiene oder Breitband zu finden.

Mit Projekten wie „Heimvorteil“ setzen wir darauf, jungen Menschen ihre berufliche Perspektive in der Region aufzuzeigen.

Frage: Ein komplexes Programm. Schaffen Sie das alleine?

Hubertus Winterberg: Alleine geht nur wenig. Unsere Arbeit als Südwestfalen Agentur gelingt nur durch ein konsequentes Denken und Handeln in Partnerschaften. Das beginnt bei unseren Gesellschaftern, den Kreisen und den Unternehmen im ‚Wirtschaft für Südwestfalen e.V.’ und bindet – etwa beim Regionalmarketing – auch die Touristiker von Sauerland Tourismus und dem Touristikverband Siegerland-Wittgenstein ein.

Im Bereich Stadt- und Dorfentwicklung setzen wir auf das immer stärkere Miteinander der Kommunen. Die Kooperation mit den elf LEADER-Regionen in Südwestfalen bietet dazu eine große Chance. Impulse zu den Themen Gesundheitsversorgung und Fachkräftesicherung wird auch das Modellvorhaben „LandAufSchwung“ im Hochsauerlandkreis bringen.

Zusammengefasst heißt das: Wir haben so starke Kooperations-Strukturen wie nie zuvor. Mit dem LEADER-Gesamtbudgets von insgesamt 28,5 Mio. Euro haben wir nun die wohl einmalige Gelegenheit, unsere ländlich geprägte Region durch kluge Zusammenarbeit und Arbeitsteilung nach vorne zu bringen.

Frage: Wie wird Ihre Arbeit im Jahr 2016 aussehen?

Hubertus Winterberg: In den vergangenen Monaten waren wir intensiv mit der Neuausrichtung der Agentur beschäftigt – in 2016 können wir nun in allen Geschäftsfeldern Gas geben. Einige Projekt-Highlights unserer Arbeit im kommenden Jahr: Die Fortsetzung der Jugendkonferenz „Utopia“, die Umsetzung einer „Qualitätsoffensive der Willkommenskultur in Südwestfalen“ oder auch eine Werbe-Kampagne, die sich an den Mittelstand der Region wendet. Aber auch die Fortsetzung unseres „Tages der Dörfer in Südwestfalen“ und des „Südwestfalen-Forums“ – wichtige Vernetzungs-Formate der Region.

Dabei geht es auch viel um die strategische Weiterentwicklung der Region. Nach der Regionale 2013 braucht die Region eine Überprüfung der eigenen Vision: Wo soll die Reise der Region hingehen? Mein Ziel ist es, dass wir uns in der Region darauf verständigen, welches die wesentlichen Zukunftsthemen sind, Herausforderungen und Chancen beschreiben und uns auf gemeinsame Ziele und Vorgehensweisen verständigen. Zentrale Fragen sind etwa: Was brauchen Unternehmen, um erfolgreich zu sein und wie schaffen sie es, dauerhaft berufliche Perspektiven zu sichern? Wie halten wir unsere Städte und Dörfer trotz aller Einflüsse und Veränderungen lebenswert?

Wir werden uns zudem in die Diskussion auf Landesebene einbringen, ob Nordrhein-Westfalen nur noch über die zwei Metropolregionen Rheinland und Ruhrgebiet definiert werden will. Ich schließe mich da der kritischen Haltung des Regionalrates an und bin überzeugt: Auch hier müssen wir in Allianzen agieren. Von unserer Seite werden wir – so ist es vereinbart – die Zusammenarbeit mit Ostwestfalen-Lippe und dem Münsterland ausbauen. Wir werden herausarbeiten, was diese vom Mittelstand geprägten Regionen ausmacht und welchen Stellenwert sie in NRW verdient haben. Es darf in Düsseldorf nicht der Eindruck entstehen, dass hinter Dortmund nur noch Wald, Wiese und Wintersport zu finden ist.

Quelle: Südwestfalen Agentur GmbH