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Schmallenberg/Sauerland. Sie strampeln mit Schweiß auf der Stirn die Berge hinauf, wagen sich auf abschüssigen Trails die Hänge hinab oder rollen gemächlich an den Seen und Flüssen entlang. Und gelegentlich überholt gar ein E-Biker einen Rennradfahrer an einem steilen Anstieg. Zahlreiche Radfahrer jeder Couleur sind der Beweis: Das Sauerland ist eine Zweirad-Region. Und der Radtourismus ist hier ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor – das belegen jetzt die Ergebnisse einer Studie, die die Sauerland-Radwelt in Auftrag gegeben hat.

Die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Einstieg: 3,7 Millionen Tagesausflüge unternehmen Radfahrer ins oder im Sauerland pro Jahr, 0,4 Millionen Rad fahrende Übernachtungsgäste zählt die Region jährlich. Die größte Gruppe auf zwei Rädern sind die Tourenradfahrer. Die Radfahrer geben als Ausflügler pro Kopf und Tag 8,40 Euro aus, wenn sie übernachten sind es 87,40 Euro. Hochgerechnet bedeutet dies für das Jahr 2013 einen Bruttoumsatz von 66,1 Millionen Euro, die Einkommenseffekte belaufen sich auf 30,5 Millionen Euro und das Steuereinkommen hieraus beträgt 7,2 Millionen Euro. Und auch der Beschäftigungseffekt lässt sich berechnen: Mehr als 1.200 Menschen im Sauerland könnten ihren Lebensunterhalt mit einem durchschnittlichen Primärein-kommen pro Kopf und Jahr durch den Radtourismus bestreiten.

Diese Zahlen zum Radtourismus als Wirtschaftsfaktor im Sauerland hat die dwif- Consulting GmbH aus München erhoben, die als Beratungsunternehmen in der Tourismus- und Freizeitbranche renommiert ist. Auftraggeber der Studie ist die Sauerland-Radwelt, der Verein zur Förderung des heimischen Radtourismus. „Mit der Studie wollten wir erstmals beziffern, welche Bedeutung das Radfahren ökonomisch für uns hat“, erklärt Daniel Wegerich, Projektleiter der Sauerland-Radwelt. „Denn augen-scheinlich nehmen wir ja alle wahr, wie das Radfahren in der Region boomt. Wer hatte früher vom bergigen Sauerland gedacht, dass dieses Thema hier so erfolgreich werden würde? Die Studie liefert uns nun fassbare Angaben, die dieses gute Erfolgsgefühl fundieren.“

Trend: Genussvoll radeln, gerade auch auf E-Bikes

Neben den reinen Zahlen, erfasst die Studie auch Trends zum Radtourismus in der Region. Jene Befragten, die Radausflüge ins Sauerland unternehmen, fahren am liebsten mit dem Tourenrad im Sauerland (60 Prozent), gefolgt vom Mountainbike (29 Prozent). Das E-Bike (8 Prozent) rangiert noch vor dem Rennrad (2 Prozent). Zu 54 Prozent sind ihre Ausfahrten genussorientiert, 46 Prozent entfallen auf die sportliche Motivation. Gründe für einen Ausflug ins Sauerland sind die Landschaft und die Natur (68 Prozent geben diesen Grund an, Mehrfachantworten sind möglich), die gute Luft und das Klima (49 Prozent), aber auch die Ruhe (34 Prozent).

Ein Trendthema im Sauerland ist das E-Bike, wie Angaben der Fahrradhändler und -verleiher belegen. Sie geben an, dass 39 Prozent der verliehenen Räder E-Bikes sind, gefolgt von 28 Prozent Mountainbikes. Dabei sind ihre Kunden zu 81 Prozent Touristen. Und die Verleiher bestätigen zudem ein gestiegenes Interesse an Fahrrädern mit Motorunterstützung. 87 Prozent der befragten Betriebe geben an, dass die Nachfrage nach E-Bikes in den vergangenen drei Jahren zugenommen hat. Damit sogar noch deutlicher als der Fahrradverleih insgesamt, der ebenfalls an Aufschwung gewinnt. „In diesem Bereich ist das Sauerland bereits exzellent aufgestellt“, betont Daniel Wegerich. „Wir bieten den Fans von E-Bikes schon seit einigen Jahren ein umfangreiches Netz an Verleih- und Ladestationen sowie viele Tourentipps, die speziell auf diese Räder abgestimmt sind.

Der Vorstand der Sauerland-Radwelt mit einem Vertreter der dwif-Consulting GmbH. Foto: Sauerland-Tourismus e.V.

Der Vorstand der Sauerland-Radwelt mit einem Vertreter der dwif-Consulting GmbH. Foto: Sauerland-Tourismus e.V.

Auch die Bekanntheit der Radwege wurde abgefragt. Hierbei ergibt sich bei den Radausflüglern eine Top3-Liste aus SauerlandRadring, MöhnetalRadweg und Ruhrtal Radweg. Der MöhnetalRadweg hat es sozusagen aus dem Stand heraus hoch auf die Bekanntheitsskala geschafft, denn erst im April 2013 wurde er offiziell eröffnet. Und doch gaben 39 Prozent der befragten Radausflügler an, dass sie ihn bereits befahren haben. „Es freut uns wirklich sehr, dass der MöhnetalRadweg so gut einschlägt“, betont auch Thomas Weber, Geschäftsführer des Sauerland-Tourismus, der als Regional-verband den MöhnetalRadweg vermarktet. „Wir waren ja schon kurz nach seiner Eröffnung von dem enormen Interesse positiv überrascht, seit April haben wir gut 12.000 Flyer verteilt.

Dauer-Arbeitsauftrag: Radnetz ausbauen und verbessern

Natürlich wurden bei der Untersuchung auch Fragen nach Kritikpunkten rund ums Radfahren im Sauerland gestellt – offen und ohne Antwortvorgaben. 39 Prozent der Radausflügler gaben hierzu Auskunft. 39 Prozent kritisieren schlechte Fahrbahnen, Streckenschäden und einen gefährlichen Routenverlauf, 17 Prozent eine fehlende Vermarktung oder zu wenige Veranstaltungen. Auf Platz sechs der Angaben rangiert mit 12 Prozent die Kritik an der Beschilderung. „Die Antworten bestätigen die Prioritäten-liste, die auch wir uns gesetzt haben“, sagt Wegerich. „Einzelne Routen und das gesamte Radwegenetz zu optimieren und die Beschilderung zu verbessern, das ist ein Dauer-Arbeitsauftrag.“ Dessen nimmt sich bereits ein Regionale-Projekt konkret an: das Radnetz Südwestfalen, an dem die fünf Kreise, der Sauerland-Tourismus, die Sauerland-Radwelt und der Touristikverband Siegerland-Wittgenstein beteiligt sind. Ziel ist es, ein Radnetz in den Regionen zu knüpfen, das eine Gesamtlänge von 2.750 Kilometern umfasst. Es soll nach einem Knotenpunktsystem ausgeschildert werden, das in den Benelux-Staaten schon seit vielen Jahren im Einsatz ist. Bereits bestehende Radrouten werden lückenlos in das neue System eingebaut.

Hintergrund: Methodik der Studie

Der Studie liegt zum einen eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zugrunde. In Telefoninterviews befragten die dwif-Fachleute insgesamt 1.500 Menschen rund um ihr Radfahrinteresse, davon 750 im gesamten Sauerland und 750 in einem Umkreis von 50 Kilometern um die Region. Das Feld wurde nach Westen hin gezielt erweitert, um die Ballungszentren an Rhein und Ruhr zu erfassen, aus denen zahlreiche Sauerland-Gäste kommen. In dem abgesteckten Befragungsgebiet leben 11,7 Millionen Menschen über 18 Jahre, daraus wurde eine Stichprobe nach dem Zufallsprinzip gezogen. Diese Personen wurden danach befragt, ob sie gelegentlich Fahrrad fahren (41 Prozent sagen Ja) und – falls ja – ob sie in den vergangenen 12 Monaten einen Radausflug ins Sauerland unternommen haben (14 Prozent hiervon haben das getan). Die sich dadurch ergebende Gruppe der Radausflüger wurde dann weiter zu Vorlieben, Kenntnissen, Motivation und Kritikpunkten rund um das Thema befragt.

Zum anderen wurden Gastgeber und Fahrradhändler befragt, 272 lieferten ihre Antworten zu. Auch Fahrradhändler und -verleihe wurden befragt, insgesamt 46 Betriebe aus diesem Segment. Insgesamt lief die Erhebung für die Studie von Juli bis Oktober 2013.

Quelle: Sauerland-Tourismus e.V.