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Rüthen/Nürburgring. Beim 39. ADAC 24h Rennen auf der legendären Nord- schleife, erlebte Maximilian Hackländer vom MSC Bergstadt Rüthen sein Debüt. Adrenalinschübe im Rekordtempo waren der ständige Begleiter. „Die 24 Stunden“ gelten in der internationalen Rennsportszene als das gefährlichste, anspruchsvollste und wohl bedeutendste Rennen auf der ganzen Welt.

Platz 73, 125 gefahrene Runden und 3172 km purer Wahnsinn für den jungen Rüthener. Neben Hackländer trugen sich namhafte Rennsportlegenden, wie Hans Joachim Stuck, Harald Groß, Frank Stippler, Winkelhock und noch viele internationale Rennsportler in die Ergebnislisten ein. Als Sieger stand am Ende der Manthey-Porsche ganz oben auf dem Siegerpodest.

 

Hackländer übernimmt das Steuer um 23 Uhr von Heiner Immig. Foto: MSC Bergstadt Rüthen

Das Rennen war von Dramatik kaum zu überbieten. Regen und Kälte im Qualifikations-training. Hitze zum Schluss des Rennens. Mit einem 73. Gesamtplatz und Platz acht in der Klasse SP 3 T war das Team mehr als zufrieden. Neben Hackländer fuhren noch weitere Fahrer auf dem SEAT Leon Supercopa, der von Düchting Motorsport aus Pader- born eingesetzt wurde. Fahrzeugbesitzer Heiner Immig, die beiden Neuseeländischen Rennfahrer Maurice o’Reilly und Wayne Moore komplettierten das Team. Es war eine strategische Entscheidung vom Teamchef Michael Düchting, Maximilian Hackländer den heiklen Start fahren zu lassen. Hackländer verfügt mittlerweile über eine große Erfahr- ung im Langstreckenpokal. Außerdem war es sein Wetter, welches in der Startphase den über 200 Teilnehmern bot.

Regen und Nebel zogen sich über die 25 km lange Strecke und verwandelten die Nord- schleife in die wahre grüne Hölle. Die Dramatik des Rennens erlebte das Team bereits unmittelbar vor dem Start. Bevor sich die Teams in der Startaufstellung positionieren, brach an dem Seat Leon Supercopa der Kontakt der Schaltwippe. Hektisch reparierten die Mechaniker in Windeseile die Schaltung. Hackländer lies sich dadurch überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Die Startphase begann für ihn normal. Wie die meisten der über 200 Teams startete auch Düchting Motorsport auf Regenreifen. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse erlebte er ein geordnetes und vor allem ein diszipliniertes Feld.

 

Maximilian Hackländer im Tiefflug über die Nordschleife. Foto: MSC Bergstadt Rüthen

Geschickt hielt er sich aus allen Rangeleien raus. Die Devise war ankommen um jeden Preis. Das forderte nicht nur Hackländer und seinen Teamkollegen alles ab. Auch die Boxencrew musste permanent zur Verfügung stehen. Die ersten Runden verliefen absolut problemlos. Die Telemetriedaten gaben keinen Grund zur Beunruhigung. Mit Rundenzeiten von ca. 10 Min konnte man in der Klasse SP 3T gut mithalten. Dennoch mussten die Fahrer ständig in den Rückspiegel schauen. Die schnellsten der 30 Fahrer im Qualifying wurden mit einem sogenannten „Flashligth“ ausgestattet. Daran konnte man die Spitzengruppe ständig erkennen. „Es geht rasendschnell“, betonte Hackländer nach dem ersten Boxenstopp mit Fahrerwechsel. „Wenn ein Manthey- Porsche und spätere Sieger sich im Bereich Pflanzgarten förmlich an ihm vorbeifliegt.

Selbst am Limit in diesem Streckenabschnitt unterwegs, erzielen die Spitzenteams mit ihren Rennwagen noch höhere Geschwindigkeiten. Eine Unachtsamkeit könnte das aus für beide Teams bedeuten. Doch die Crew von Düchting Motorsport produzierten nur wenige Schrecksekunden. Nach dem Boxenstopp übernahm Heiner Immig aus Paderborn das Steuer des SEAT Leon. Erst da bemerkte die Boxencrew, dass Maxi’s Reifen so dermaßen runter gefahren waren, dass sie wohl keine weitere Runde gehalten hätten. Randvoll getankt und mit neuen Slikreifen ging es weiter auf der Nordschleife. Doch auch dem Routinier im Team erwischte es fast im Streckenabschnitt Hatzenbach. Nach der Einmündung in die Nordschleife kollidierte er mit einem Mini und das Heck brach aus. Gekonnt hielt Immig das Fahrzeug auf der Strecke und konnte ohne größerem Schaden weiterfahren.

 

Hektik beim Boxenstop. Foto: MSC Bergstadt Rüthen

Immig konnte an die Rundenzeiten von Hackländer anknüpfen. Nach 10 Runden war aber auch Heiner Immig mit seinem Stint fertig und wurde vom Neuseeländer Wayne Moore abgelöst. Auch bei Moore funktionierte das Auto nahezu perfekt. Gegen 23 Uhr bereitete Hackländer sich wieder auf seinen Einsatz vor. In der Dunkelheit die Nord- schleife zu fahren war für ihn etwas Neues. „Du musst höllisch aufpassen in der Dunkelheit, aber die Faszination und Atmosphäre der Fans ist schier unglaublich. Bei Temperaturen von 40 Grad und mehr im Cockpit eine Gänsehaut zu bekommen, geht nur bei diesem Rennen“ so Hackländer. Nun übernahm Heiner Immig das Steuer.

Seine 10 Runden spulte er souverän ab. Maurice O’Reilly und Wayne Moore teilten sich dann die Fahrten bis in den Morgen hinein. Immer mehr Kampfspuren waren an dem Auto zu entdecken. Ein Porsche und ein Ferrari P4/5 Copmetizione waren erbitterte Gegner auf der Nordschleife, die ihre Spuren am SEAT verewigten. Gegen Sieben Uhr musste der junge Rüthener wieder das Steuer übernehmen. Nachdem die Bremsen erneuert wurden, konnte Hackländer seine persönlichen Bestzeiten nochmals unter- bieten. Mit konstanten Rundenzeiten von 10 Minuten konnten sie sich in der Klasse weit nach vorne fahren und eine große Distanz zu den übrigen Fahrern herausfahren. Es waren nur noch vier Stunden bis zur Zielflagge als Hackländer über heftige Vibrationen im Auto verspürte.

 

Maximilian Hackländer in der Konzentrationsphase. Ein Fehler bedeutet das Aus für das Team. Foto: MSC Bergstadt Rüthen

Sofort in der Box angekommen, arbeitete die Boxencrew mit Hochdruck an der Ursache. Beide Antriebswellen quittierten ihren Dienst. Ebenfalls hatten die Fahrer die hintere Bremse bis aufs Metall runtergebremst. Wertvolle Zeit verstrich. Den letzten Stint sollte aber dem Besitzer des Autos gehören. Heiner Immig übernahm das Steuer, wollte losfahren, aber das Getriebe wollte einfach nicht schalten. Wieder verlor die Crew wertvolle Zeit. Eine Sicherung war die Ursache. Das Auto konnte für die letzten Stunden aus der Box entlassen werden. Gerade im Schlussspurt hört man jede Schraube klappern. Bangen und Hoffen machten sich an der Boxenmauer breit. Um vier Uhr wurde aber das Team mit Schlussfahrer Heiner Immig zusammen mit dem Sieger aus dem Hause Manthey auf der Start und Zielgeraden abgewunken.

 

Hackländer weist seinen Teamkollegen in der Boxengasse ein. Foto: MSC Bergstadt Rüthen

Die Dramatik, aber auch die Erleichterung konnte man bei jedem Teammitglied deutlich sehen. Gefeiert wurde der 73. Gesamtplatz allerdings wie ein Sieg. Fortsetzung folgt in 2012 beim 40. ADAC Zürich 24 Stundenrennen vom Nürburgring. Weitere Infos unter: www.Maximilian-Hacklaender.de.

Quelle: MSC Bergstadt Rüthen e.V. im ADAC