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Olsberg. Stück für Stück „verschwindet“ das wuchtige schwarze Abwasserrohr unter dem Gierskoppbach – um ein ganzes Ende weiter an der Olsberger Kampstraße wieder „aufzutauchen“. In nur wenigen Stunden sind so rund 140 Meter Kanalrohr erneuert – eine Arbeit, die noch vor wenigen Jahren mehrere Wochen in Anspruch genommen hätte. Dafür verwendet die Hochsauerlandwasser GmbH (HSW) – sie ist Betriebsführerin des Abwasserwerks der Stadt Olsberg – eine neue Technik: „Berstlining“. Der Vorteil: „Man spart Zeit und jede Menge Aufwand für Erdarbeiten“, erläutert HSW-Mitarbeiter Michael Kappen.

Das Grundprinzip: Mit Hilfe eines speziellen Bohrkopfes wird ein bestehendes, defektes Kanalrohr zertrümmert und ins umliegende Erdreich verdrängt. Unmittelbar mit dem Berstprozess wird das Neurohr in gleicher oder sogar größerer Dimension eingezogen. So auch in Olsberg zwischen dem Betriebsgelände der Firma Olsberg und der Kampstraße. Aus den 1950-er Jahren stammte hier die Kanalisation. Michael Kappen: „Sie war komplett baufällig.“ Da das Abwasserrohr unter dem Gierskoppbach hindurch sowie durch Privatgrundstücke führte, suchte die HSW nach Alternativen zur herkömmlichen, so genannten „offenen Bauweise“ – HSW-Mitarbeiter Detlef Graw: „Sonst wären große Mengen an Erdarbeiten nötig geworden – und natürlich auch ein dementsprechender Abtransport.

Die HSW-Mitarbeiter Detlef Graw (li.) und Michael Kappen überwachen, wie das neue Kanalrohr unter dem Gierskoppbach hindurch eingezogen wird. Foto: Hochsauerlandwasser GmbH

Die HSW-Mitarbeiter Detlef Graw (li.) und Michael Kappen überwachen, wie das neue Kanalrohr unter dem Gierskoppbach hindurch eingezogen wird. Foto: Hochsauerlandwasser GmbH

Das im heimischen Bereich erstmals angewandte „Berstlining“-Verfahren bot die Lösung: Mit Hilfe eines Klinkengestänges und einer Zugmaschine wird das neue Kanalrohr eingezogen – mit einer Zugkraft von bis zu 190 Tonnen. Vorteil: „Berstlining“ hilft auch dort, wo andere Verfahren an ihre Grenzen kommen – zum Beispiel, ein neues Rohr in eine bestehende Abwasserleitung einzuziehen. „Für so etwas hätten wir die Kanalisation hier wegen starker Wurzeleinwüchse mit einem Roboter erst freifräsen müssen“, erläutert Michael Kappen. Bereits zuvor wurden vor Ort die neuen Polyethylen-Rohre aus sechs Meter langen Stücken zu einem 140 Meter langen „Schlauch“ aneinandergeschweißt – Detlef Graw: „Den Platz, um so etwas zu lagern, braucht man natürlich.“ Das neue Material sei extrem langlebig, weiß Michael Kappen: „100 Jahre wird es nun schon halten.

Durch den Verzicht auf die offene Bauweise konnte der Transport von rund 130 Lkw-Ladungen zu je 15 Tonnen für Erdmaterial und Grabenverfüllung vermieden werden, rechnet Michael Kappen vor. Lediglich im Bereich der Hausanschlüsse seien im geringen Umfang Erdarbeiten notwendig, so der HSW-Fachmann.

Die Hochsauerlandwasser GmbH erneuert auf einer Länge von rund 350 Metern die Kanalisation zwischen dem Betriebsgelände der Firma Olsberg und der Kampstraße. Der Kanalsammler transportiert das Abwasser aus Bruchhausen und Elleringhausen zur Kläranlage des Ruhrverbands in Velmede. „In diesem Bereich hat es starke Wurzel-einwüchse und Fremdwassereintritt in den Kanal gegeben“, erklärt Detlef Graw. Eine Sanierung sei nicht mehr in Frage gekommen: „Aufgrund des Alters des Kanals und der Lage im Grundwasser ist hier ein Neubau die bessere Lösung.“ Insgesamt investiert das Abwasserwerk der Stadt Olsberg gut eine Viertelmillion Euro in den Abschnitt – davon rund 90.000 Euro für die 140 Meter im „Berstlining“-Verfahren. Damit ist das „Berstlining“ im Vergleich zur offenen Bauweise kostennneutral – der geringere Bau-Aufwand und der schnellere Ablauf sind die großen Pluspunkte. Michael Kappen: „Weniger Maschinen- und Materialeinsatz sind auch ein Beitrag zur Schonung von natürlichen Ressourcen.

Quelle: Hochsauerlandwasser GmbH