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Olsberg. „Es ist eine mächtige Aufgabe, die hier auf uns zukommt“, brachte es Olsbergs Bürgermeister Wolfgang Fischer auf den Punkt – gleichzeitig gebe es aber auch großes Engagement und gemeinsame Anstrengungen, um diese Aufgabe zu meistern: Die aktuelle Flüchtlingssituation der Stadt Olsberg war jetzt Thema in der Sitzung des Ausschusses für Ordnung und Soziales.

Norbert Märtin, Leiter des Fachbereichs Bürgerservice, öffentliche Ordnung, Soziales, gab einen Überblick über die derzeitige Lage – wohlweislich mit dem Hinweis, dass die weitere Entwicklung angesichts der aktuellen Geschehnisse kaum zu prognostizieren sei. 95 neue Flüchtlinge sind seit Jahresbeginn neu der Stadt Olsberg zugewiesen worden – nach den aktuellen Berechnungsmaßstäben dürfte die Zahl der Neuzuweisungen bis zum Jahresende auf rund 160 Menschen steigen. Knapp 230 Flüchtlinge und Asylbewerber insgesamt könnten dann innerhalb der Stadtgrenzen wohnen.

Die Menschen stammen aus einer ganzen Vielzahl von Herkunftsländern – rund 35 Prozent davon aus den Staaten des Westbalkans, deren Einstufung als „sichere Herkunftsländer“ aktuell in der Bundespolitik diskutiert wird. Stetig steigend ist der Anteil der Personen aus Syrien, die der Stadt Olsberg zugewiesen werden. Während der Anteil männlicher Einzelflüchtlinge früher bei über 50 Prozent lag, ist ihr Anteil aktuell im „Sinkflug“ – zugunsten von Familien, die nach Olsberg kommen.

Der stetige Zustrom verursacht auch höhere Kosten. Während die Stadt Olsberg zu Jahresbeginn noch von rund 200.000 Euro städtischem Zuschussbedarf ausging, dürfte diese Summe wohl auf rund 700.000 Euro steigen. Das Problem sei aber die mangelhafte Beteiligung von Land und Bund, betonte Norbert Märtin: „Die Erstattung ist nach wie vor völlig unzureichend.

Zu einer Herausforderung werde auch die Unterbringung des stetigen Zustroms von Menschen. Bis etwa Dezember, so schätzte Norbert Märtin, würden die aktuellen Kapazitäten noch reichen. Für die Zeit danach arbeite man an Konzepten und Möglichkeiten – allerdings zurzeit noch nicht in der Öffentlichkeit, unterstrich auch Wolfgang Fischer. Dazu werde man den Dialog mit Ortsvorstehern und Ratsmitgliedern führen. Denkbar sei es aber auch, so Norbert Märtin, dass der Stadtverwaltung auch künftig ausreichend Wohnraum zur Verfügung stehe. Zurzeit sei ein Umdenken zu beobachten: „Mehr Menschen wenden sich an uns, um aktiv Wohnungen anzubieten.“ Dies sei eine erfreuliche Tendenz – weitere Interessierte könnten sich jederzeit mit der Stadtverwaltung in Verbindung setzen – Norbert Märtin: „Da ist schon etwas in Bewegung geraten.

Und überhaupt sei eine Welle der Hilfsbereitschaft und des Engagements in der Bevölkerung zu erkennen, unterstrich auch Bürgermeister Wolfgang Fischer. Er verwies auf die gelungene Vernetzung der Gruppen, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagieren – zugleich seien viele neue Bürgerinnen und Bürger zu diesem Kreis gestoßen. Eine Gruppe aus den Ratsmitgliedern Jeanette Friedrich und Heinrich Mandel sowie dem Wiemeringhauser Ortsvorsteher Talat Durguter hat die Koordination übernommen. In verschiedensten Bereichen erfahren die Flüchtlinge hier praktische Hilfsangebote im Alltag – von Sprachunterricht über Kinderbetreuung bis hin zu Hilfe bei Behördengängen. Es mache Mut zu sehen, wie gut das funktioniere, betonte Bürgermeister Wolfgang Fischer: „Was da geleistet wird, ist enorm.

Voraussichtlich im Dezember könnte der Stadtrat auch darüber entscheiden, ob in der Stadt Olsberg eine Gesundheitskarte für Flüchtlinge eingeführt wird – entsprechend zum aktuellen Vorgehen des Landes NRW. Einen entsprechenden Antrag hatte die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen gestellt. Da die genauen Rahmenbedingungen einer solchen Gesundheitskarte aber noch nicht bekannt sind, will der Rat erst zum Jahresende entscheiden – Norbert Märtin: „Die Zeit ist wichtig, um Informationen zu sammeln.

Quelle: Stadt Olsberg