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Meschede. Sie sind Zeugen von örtlicher Geschichte und dem Leben vergangener Jahrhunderte – und oftmals eine bauliche sowie wirtschaftliche Herausforderung für ihre Eigentümer: Baudenkmäler befinden sich in einem Spannungsfeld von historischer Bedeutung, gesetzlichen Vorgaben und der Notwendigkeit, ihren Erhalt auch wirtschaftlich tragen zu können. Im vergangenen Jahr sind im Mescheder Rathaus Abbruchanträge für drei Baudenkmäler in der Kernstadt eingegangen. Nach umfangreichen Untersuchungen muss nun der Stadtrat über sie entscheiden.

Gemeinsam mit Fachleuten des Landeamtes für Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur hat die Stadtverwaltung die Fachwerkgebäude Steinstraße 10, Gutenbergstraße 6 und Stiftsplatz 12 unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Bei den ersten beiden Gebäuden schlägt die Stadtverwaltung vor, die Abbruchanträge erst einmal auszusetzen, um neue Vermarktungsmöglichkeiten für die Immobilien zu prüfen. Beim Haus Stiftsplatz 12 empfiehlt die Verwaltung, einem Abriss zuzustimmen, wenn die Eigentümer nachweisen können, dass eine Instandsetzung wirtschaftlich nicht zumutbar ist.

Unbestritten ist bei allen drei Gebäuden, dass sie wichtige Zeugen der Mescheder Geschichte sind. Das Fachwerkgebäude Steinstraße 10 – besser bekannt als Bierhaus Koch – wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet und ist eines der ältesten noch existierenden Fachwerkhäuser im Bereich der Mescheder Altstadt. Insbesondere seine Fassadenverschieferung aus dem Jahr 1925 ist von Bedeutung.

Zwar habe das Gebäude durch die Neubauvorhaben im Umfeld erheblich an Wirtschaftsleistung eingebüßt, so das Fazit der Fachleute nach einem Ortstermin. Dennoch sei ein vorliegendes Nutzungskonzept schlüssig. Falls der Eigentümer dieses Konzept nicht selbst verfolgen möchte, sollte versucht werden, das Gebäude einem Denkmalinteressierten zu überlassen – „im Interesse des Denkmalschutzes“, wie Wilhelm Bödefeld, zuständiger Mitarbeiter der Mescheder Stadtverwaltung, betont. Das Haus solle deshalb am Markt platziert und der Abbruchantrag solange ausgesetzt werden, so der Beschlussvorschlag.

Zu einem ähnlichen Fazit kommen die Fachleute beim Fachwerkhaus Gutenbergstraße 6. Das kurz nach 1827 errichtete Gebäude ist ein Zeitzeugnis der neuen Impulse, die mit der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Gesicht des bis dahin rein ländlichen Meschedes veränderten. Bereits während des Ortstermins im Herbst 2015 hatten die Eigentümer zugestimmt, dass vor einem Abbruch unbedingt versucht werden müsse, für das Gebäude einen eventuellen Interessenten zu finden. Deshalb soll das Haus auf dem Immobilienmarkt angeboten werden – auch hier könnte der Abbruchantrag solange ausgesetzt werden, so der Vorschlag der Verwaltung.

Anders verhält es sich dagegen beim Fachwerkgebäude Stiftsplatz 12. Das in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entstandene Haus gehört zu den wenigen Resten der Bausubstanz aus vorindustrieller Zeit. Allerdings: Erhalt und sinnvolle Nutzung der Immobilie sind durch die damalige Entscheidung, im Westen direkt an das Fachwerkhaus anschließend einen Neubau zu errichten, deutlich erschwert worden. Folge: Es fehlen Belichtungsflächen und auch das Ladenlokal im Erdgeschoss ist eine nicht denkmalgerechte Veränderung.

Die Fehler sind in der Vergangenheit gemacht worden“, so Klaus Wahle, Leiter des Fachbereichs Planung und Bauordnung. Eine Zwangsversteigerung des Gebäudes hat zu keinem Ergebnis geführt; ein erneuter Versuch einer Vermarktung sei aussichtslos. Deshalb, und weil die Nutzung durch den Anbau erheblich eingeschränkt ist, empfiehlt die Verwaltung, dem Abbruchantrag stattzugeben – unter der Voraussetzung, dass die Eigentümer nachweisen, dass eine weitere Nutzung wirtschaftlich nicht zumutbar ist.

Thema sind die Abbruchanträge zunächst in der Sitzung des Ausschusses Stadtentwicklung am Donnerstag [25. Februar 2016] bevor der Stadtrat am Donnerstag [03. März 2016] voraussichtlich endgültig entscheidet.

Quelle: Stadt Meschede