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Meschede. „Wir öffnen nicht nur die Henne“, brachte es Hartmut Köllner auf den Punkt, „wir öffnen uns auch für faire weltweite Beziehungen in einer globalisierten Welt. Wir geben der Stadt ein neues, offenes Gesicht.“ – Seit Wochenbeginn ist Meschede die 279. Fairtrade-Stadt in Deutschland – und spielt damit in der „Champions League“ des fairen Handels, gemeinsam mit London, Manchester, Rom, Paris oder Madrid. In einer Feierstunde nahm Bürgermeister Uli Hess aus der Hand von Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz das Fairtrade-Siegel entgegen.

Viel wichtiger – auch das betonte Hartmut Köllner, Sprecher des Steuerungskreises „Faire Stadt Meschede“ – sei aber, dass der Gedanke des fairen Handels in der Kreis- und Hochschulstadt auch tatsächlich gelebt werde. Und das hat Meschede nun schriftlich: Im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens musste nachgewiesen werden, dass Meschede eine ganze Reihe von Kriterien erfüllt, die dem fairen Handel Platz im öffentlichen Leben einräumen. Im Rahmen der Mescheder Stadtgespräche hatte es im März 2013 den ersten Impuls gegeben. Im November vergangenen Jahres wandte sich die neu gebildete Projektwerkstatt „Faire Stadt Meschede“ an den Stadtrat mit der Bitte, sich um den Titel zu bewerben. Im Februar 2014 schließlich hat die Bürgervertretung einstimmig die Bewerbung beschlossen.

Aus der Hand von Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz (3.v.li.) erhielten Bürgermeister Uli Hess und die Mitglieder der Steuerungsgruppe das Fairtrade-Siegel. Foto: Stadt Meschede

Aus der Hand von Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz (3.v.li.) erhielten Bürgermeister Uli Hess und die Mitglieder der Steuerungsgruppe das Fairtrade-Siegel. Foto: Stadt Meschede

Wichtig sei, unterstrich Bürgermeister Uli Hess, dass die Fairtrade-Kriterien auf eine breite Verankerung in der Kommune setzen. Neben der Unterstützung aus Politik und Medien gehört es zur Zertifizierung, dass fair gehandelte Produkte in einer festgelegten Zahl von Geschäften und Gastronomiebetrieben angeboten werden. Ebenso gehören Bildungsaktivitäten dazu – Hartmut Köllner: „Es tut dem Image einer Stadt gut, wenn sie sich so öffnet.“ Mitmachen sei wichtig – als Anbieter fair gehandelter Produkte, aber auch als Konsument: „Politik mit dem Einkaufskorb ist unsere Chance.

Denn es komme auf die ganz persönliche Verhaltensänderung an, so auch Manfred Holz, Ehrenbotschafter des Fairtrade Deutschland e.V., in seinem leidenschaftlichen Plädoyer für fairen Handel. Bestimmt seien 99 Prozent aller Konsumenten Gegner von ausbeuterischer Kinderarbeit und mittelalterlichen Arbeitsverhältnissen – „gleichzeitig sind wir gerne auch Schnäppchenjäger.“ Eine Milliarde Menschen auf der Welt kämpfe gegen Übergewicht, eine andere Milliarde Menschen habe nicht genug zu essen: „Wenn auf der Welt so viel geteilt würde wie bei Facebook, gäbe es keine Armut mehr.“ „Bestes Öl für das Auto, billiges Öl für den Salat“ könne deshalb nicht die Devise sein – Manfred Holz: „Fairtrade muss aus der exotischen Nische heraus und zur Bürgerbewegung werden.

Und deshalb kann sich die Kreis- und Hochschulstadt Meschede auch nicht auf den „neu gewonnenen Lorbeeren“ ausruhen: Der Titel Fairtrade-Stadt ist zunächst auf zwei Jahre verliehen – danach muss nachgewiesen werden, dass weiterhin alle Kriterien erfüllt sind. Manfred Holz: „Die Auszeichnung ist nicht allein das Ziel, sondern Anfang und Auftrag für weitere Aktivitäten.“ Die haben in Meschede bereits begonnen – und zwar mit Veranstaltungen im Rahmen der bundesweiten „Fairen Woche“ noch bis zum 26. September 2014 stattfinden. Weitere Informationen zur Fairtrade-Stadt und zur „Fairen Woche“ finden Interessierte zudem unter www.weltladen-meschede.de im Internet.

Quelle: Stadt Meschede