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Meschede. Braucht Meschede eine Notfalldienstpraxis am St.-Walburga-Krankenhaus? – Über diese Frage diskutierte jetzt ein Runder Tisch aus Vertretern aus Rat und Verwaltung der Stadt Meschede, der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und der Mescheder Ärzteschaft. Eine Annäherung in Sachfragen gab es dabei – trotz zweistündiger intensiver Diskussionen – nicht, wohl aber die Bereitschaft, im Gespräch zu bleiben.

Man wolle eine Diskussion anstoßen, so Bürgermeister Uli Hess, der den „Runden Tisch“ auch moderierte, und Standpunkte austauschen. Eben das taten die Mediziner in aller Deutlichkeit. Schon jetzt gebe es im Hochsauerlandkreis „eine nahezu optimale medizinische Versorgung“, so Dr. Hans Heiner Decker, Bezirksstellenleiter der KVWL. Meschede profitiere von der Zahl der Notfallpraxen im Umland: „Wir haben den Raum stark machen wollen, nicht die Zentrale.“ Viele niedergelassene Ärzte seien bereits 50 Jahre und älter – Decker: „Wir wollen Strukturen, die auch in zehn oder 20 Jahren noch tragfähig sind.“

Das betonte ebenso Dr. Friedhelm Schmitten, Vorsitzender des Mescheder Ärztevereins. Schon jetzt finanziere jeder niedergelassene Arzt den Notfalldienst mit 135 Euro pro Monat: „Die Bereitschaft, diese Zahlung zu erhöhen, ist nicht groß.“ Die Kosten einer Notfallambulanz lägen bei „locker 100.000 Euro im Jahr“„wenn in Meschede so etwas entstehen soll, muss anderswo etwas eingespart werden.“ Dazu forderte Friedhelm Schmitten eine intelligentere Steuerung der Notfalldienste: „Ist es zum Beispiel notwendig, dass am Wochenende eine Praxis 14 Stunden besetzt ist – ginge es nicht vielleicht auch mit einer Terminvereinbarung?“ Für die KV machte Hans Heiner Decker dagegen die Rechnung auf, dass mit einem Wegfall der Praxis in Sundern zugunsten einer Ambulanz in Meschede sich für die Mescheder zwar die Erreichbarkeit verbessere, in der Region insgesamt aber mehr gefahren werden müsse: „Deshalb sehe ich da keinen Gewinn.“

Auf die Frage der Politik, wo die Mescheder Bevölkerung „hin gehe“ fand Anja Rapos, Geschäftsführerin des Mescheder St.-Walburga-Krankenhauses, eine Antwort: Eine Zunahme von rund 15 Prozent bei den Notfallaufnahmen gebe es seit der Neuregelung. Eine Notfalldienstpraxis am Krankenhaus sei sinnvoll: „Wir hätten dann eine Art Filterfunktion“ – Patienten könnten je nach Art der Erkrankung an die Praxis oder an das Krankenhaus weiterverwiesen werden. Dass viele Kranke das Krankenhaus aufsuchen, räumte auch Hans Heiner Decker ein: „Sie sind auch schon früher den Weg an das Krankenhaus gegangen.“ Das werde auch so bleiben: „Die ,Trampelpfade‘ sind so.“

„Wenn wir die Patienten nicht vom Krankenhaus weg halten können – warum gehen wir dann nicht mit einer Praxis ins Krankenhaus?“, folgerte Dr. Christian Schneider aus Meschede. Das Fehlen einer übergreifenden Zusammenarbeit von niedergelassenen und Krankenhaus-Ärzten sei der entscheidende „Webfehler“ des jetzigen Systems. „Warum zählt nicht, was der Patient will?“, fragte auch Bürgermeister Uli Hess. Dazu lieferte er gleich die Einschränkung mit: „Am Ende sagt die Kassenärztliche Vereinigung, was gemacht wird.“

Und für die bleibe die Angelegenheit eine „Gespensterdiskussion“, so Hans Heiner Decker: „Wir müssen auch in den Randlagen eine ausreichende Versorgung sicherstellen – mich darf nicht nur Meschede interessieren.“ Er sagte zu, den KV-Notfalldienstausschuss über die Ideen in Meschede zu informieren – „persönlich halte ich sie aber nicht für richtig.“ Dr. Burkhard Müller aus Meschede mochte sich damit nicht zufrieden geben: „Sie haben ein selbstlernendes System angekündigt – und das verweigern Sie jetzt“, sagte er an die Adresse Deckers. Auch Uli Hess hofft auf die Bereitschaft zur Diskussion in der KV: „Wenn die Leute die 112 anrufen, wird es für das System noch teurer – und das kann nicht im Sinne der KV sein.“

Quelle: Stadt Meschede