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Meschede. Friedhöfe sind ein Ort der Ruhe, des Innehaltens. Vielen Angehörigen ist es wichtig, dass nicht nur die Gräber, sondern auch die Umgebung gepflegt ist, dass die Wege von Löwenzahn und Co befreit sind. Das konnte der Integrierte Baubetriebshof (IBB) in diesem Jahr nur begrenzt leisten. Leiter Marc Böhm erläutert: „Wir dürfen keine glyphosathaltigen Mittel mehr verwenden. Dauerhaft wirksame Alternativen sind schwierig zu finden“, wirbt er um Verständnis bei den Bürgerinnen und Bürgern.

Ein Erlass des Landesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz verbietet den Einsatz von Glyphosat. Etwa 20 Liter des Mittels wurde in den gesamten gärtnerischen Anlagen der Stadt pro Jahr eingesetzt. Macht bei 177 Hektar städtischen Grün 0,11 Liter Herbizid pro Hektar, rechnet Marc Böhm vor. Landwirte dürfen das Mittel weiterhin großflächig spritzen – etwa im Maisanbau, wo pro Jahr und Hektar im Schnitt etwa vier Liter ausgebracht werden.

Erst im August 2015 bekam der Bauhofeine Ausnahmegenehmigung für einen anderen Wirkstoff: Pelargonsäure darf künftig verwendet werden. Zu spät, um das Mittel noch in diesem Jahr zum Einsatz zu bringen. Derzeit kann man laut Marc Böhm noch nicht sagen, ob das Mittel wirksam ist und die Wege frei von unerwünschten Pflanzen hält: „Diese Erfahrung können wir erst 2016 sammeln.“

Nicht so gepflegt wie gewohnt waren in diesem Jahr - wie hier auf dem Südfriedhof - die Wege auf städtischen Friedhöfen. Grund ist ein Glyphosat-Verbot des Landes NRW für städtische Grünflächen. Foto: © Stadt Meschede

Nicht so gepflegt wie gewohnt waren in diesem Jahr – wie hier auf dem Südfriedhof – die Wege auf städtischen Friedhöfen. Grund ist ein Glyphosat-Verbot des Landes NRW für städtische Grünflächen. Foto: © Stadt Meschede

Der Unterschied zwischen beiden Herbiziden: Glyphosathaltige Mittel werden mit einem Streichstab auf die Blätter aufgebracht, der Wirkstoff dringt bis in die Wurzeln hinein, die Pflanze stirbt komplett ab. Pelargonsäure durchdringt ebenfalls die Blätter, die Pflanze vertrocknet, jedoch bleibt die Wurzel erhalten. Die Folge: Die Pflanze wächst erneut. Die Behandlung muss etwa alle vier Wochen wiederholt werden – statt wie bisher zwei Mal im Jahr. Daraus erwächst dem Bauhof dann ein Personalproblem: „Im Mai/Juni in der Hauptvegetationsphase sind teilweise sechs Mitarbeiter nur mit solchen Arbeiten beschäftigt. Die fehlen dann in anderen Bereichen“, schildert der IBB-Leiter.

Für gepflasterte Wege oder die Ränder asphaltierter Wege hat der Baubetriebshof bereits eine Wildkrautbürste für die Kehrmaschine angeschafft. Auf Schotterwegen hingegen lässt sich damit nicht arbeiten. Ganz auf Herbizide zu verzichten, Löwenzahn und Co. von Hand zu entfernen, sei „zeit- und personalmäßig überhaupt nicht möglich“, betont Böhm: „Dann könnte ich hier die Tore schließen und alle 38 Mitarbeiter müssten nur noch die Hacke nehmen.

Ein besonderes Problem stellt die Bekämpfung von Herkulesstaude und Staudenknöterich dar, die besonders entlang von Ruhr, Wenne und den Nebenflüssen zahlreich vorkommen. Pelargonsäure-Mittel sind dafür ungeeignet. Marc Böhm sieht in diesem Bereich noch keine Lösung: „Derer wird man so nicht Herr.“ Bisher habe man mit dem „ganz gezielten Einsatz“ von Glyphosat mit Hilfe eines Streichstabes, mit dem nur die Blätter benetzt wurden, die Vorkommen im Zaum halten können. „Da werden wir eine wirksame Bekämpfung künftig nicht leisten können“, fürchtet er.

Der Rat der Stadt Meschede wurde bereits im Mai frühzeitig über die Probleme informiert. Marc Böhm und seinen Mitarbeitern bleibt derzeit nur eins: „Wir hoffen, dass mir mit Pelargonsäure ein Mittel haben, das zumindest auf den Wegen auf Friedhöfen und auf Tennenplätzen hilft.

Quelle: Stadt Meschede