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Meschede / Schüren. Am ersten Oktoberwochenende waren die Finalläufe zur Deutschen Rennslalom Meisterschaft angesagt. Die Landesgruppe Westfalen des Deutschen Motorsportverbandes (DMV) betrat als Veranstalterin Neuland, als sie sich um die Ausrichtung der Endläufe zum höchsten deutschen Slalomprädikat für das Jahr 2014 beworben hatte.

Kein Neuland waren Parcours und das Gelände, die 900 Meter lange und 30 Meter breite Start-und Landesbahn des Flugplatzes Meschede-Schüren. Hier zeichnete sich deutlich die Handschrift des Sportleiters des AMC Velmede Thorsten Brüggemann ab. Der bekannt schnelle Parcours wurde etwas modifiziert und war selbst für die Deutsche Slalomelite eine Herausforderung. Dem Slalomsport auf höchstem Niveau war die Grundlage bereitet.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Leider hatte das diesjährige DRSM-Reglement mit drei Streichergebnissen dazu geführt, dass Mike Röder aus Fürth bereits vor den beiden Endläufen als der Deutsche Rennsport Meister feststand; ebenso schienen der Vizemeister Robert Firsching und der Gersfelder Roland Wallrab auf dem dritten Treppchenplatz sicher zu sein. Deshalb blieb ca. die Hälfte der eingeschriebenen Bewerber den Endläufen fern. Allein von den 10 Bestplatzierten der Meisterschaft fehlten vier.

Immerhin waren noch 25 Fahrer der 1 Bundesliga des Slalomsports am Start. Einzig Dieter Meckel aus Mainz hatte vorher den Rechenschieber bemüht und sich noch eine realistische Chance auf den Vizemeister ausgerechnet – zumal der Zweitplatzierte Robert Firsching nicht am Start war.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Allein durch die zusätzlichen Starter des ebenfalls ausgeschriebenen regionalen Sauerlandcups der Südwestfalentrohy war es dem Rennleiter Norbert Wied möglich, die Veranstaltungen durchzuführen; 74 bzw. 75 Teilnehmern hatten genannt. Die geplanten abendlichen gemeinsamen Aktivitäten mussten mangels Masse jedoch abgesagt werden.

Wegen möglicher, und für Schüren nicht seltener Nebeleinbrüche, hatte der Veranstalter morgens zeitig die gesamte Gruppe G mit den Divisionen I und II zum zu einer Startgruppe aufgerufen. Deshalb waren im Vorfeld mit den Sportkommissaren bereits mögliche organisatorische und streckentechnische Alternativen festgelegt worden. Aber allen Unkenrufen zum Trotz gab es am Samstag Sonnenschein pur; am Sonntag war es zwar bewölkt aber den ganzen Tag trocken. Plan B und C konnten daher getrost in der Schublade verschwinden.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Nun zum sportlichen Teil

Die Klasse G 6 sicherte sich an beiden Tagen souverän der Polofahrer Tobias Kluge vom AMC Bad Berleburg, gefolgt vom Schmallenberger Rene Zuncke und Teamkollege Norbert Schnöde vom AMC Velmede. In der G 5 ein ähnliches Bild. Manfred Bläsius aus Kinheim vor Bernhard Siebers aus Steinheim dominierten die Siegerlisten. In der G 4 siegte an beiden Tagen Hans-Dieter Meckel aus Geisenheim, samstags vor dem Nürnberger Bernd Eder und sonntags vor Nils Völker aus Löhne.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Zum Divisionssieg reicht es Hans Dieter Meckel nur am Sonntag mit einer Endzeit von 3:52,27. Um eine Zehntel Sekunde verwies ihn Manfred Bläsius Dieter am Samstag mit einer Zeit von 3:58,02 auf Platz zwei in der Division. Damit war auch der Traum von einer Platzierung auf dem Siegertreppchen in der DRSM 2014 geplatzt.

Die Division II war an Ende eine klare Sache für Roland Wallrab auf dem BMW M3 CSL. Mit 3:33,30 und 3:28,89 konnte er Hans Köhnle auf seinem Porsche in der G 1 auf Platz zwei verweisen. Hans standen am Samstag obendrein auch noch 2 Pylonen im Weg. Ebenso eindeutig das Ergebnis in der G 3. Markus Hirrig aus Dülmen platzierte seinen BMW 318iS an beiden Tagen vor dem Mazda MX 5 von Jan Hoffmann aus Olsberg und seinem Teamkollegen Mario Nowczyck.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

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In der Division III ein ähnliches Bild. Martin Lösch aus Lampertheim dominierte mit seinem Polo die F 8 nach Belieben. Der Lupo von Tony Tute aus Wedemark schlug sich achtbar und kam jeweils auf Platz zwei ein. In der F 9 zeigte der neue Deutsche Rennslalommeister Mike Röder, warum ihm in diesem Jahr die Meisterehre gebührt. Trotz jeweils einer Pylone
an beiden Tage gehörte ihm Platz 1. Die am Samstag ebenfalls mit Pylonenfehler belasteten Thorsten Kanis und Klaus Hens aus Berlin vervollständigten das Treppchen. Die Siege in der Division gingen aber an beiden Tagen an den von der Papierform schwächeren Martin Lösch mit 3:36,07 und 3:30,01.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Nach den Streckenbesichtigungen rollte die Division IV an den Start. Ralf Orth aus Bergweiler pilotierte seinen BMW 320iS an beiden Tagen in der F 10 zum Klassensieg. Reinhard Mücke aus Marktleuthen musste sich jeweils mit dem zweiten Platz begnügen. Ebenso deutlich, die Klassensiege von Lars Bröker auf dem Mitsubishi Lancer in der F 11. Da seinem Teamkollegen Thomas Weber am Sonntag 3 Pylonen vor das Auto sprangen, konnte sich der BMW M3 Treter Reiner Krug aus Niedernhausen mit Platz zwei schadlos halten. Kurt Schlupp erbte den dritten Platz. Die Divisionssiege gingen aber deutlich mit 3:27,70 und 3:20,74 an Lars Bröker.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

In der Division V stritten die beiden Clubkollegen Jens Müller aus Siegen auf seinem VW Polo aus der H 12 und Kadettfahrer Andre Remy Verryser aus der H 13 um den Divisionssieg. Hatte Andre` samstags mit einer Zeit von 3:57,56 noch die Nase vorn, verwehrten ihm sonntags 3 Pylonen die Wiederholung. 2 x Klassensieg H 12 für Jens Müller jeweils vor seinem Markengefährten Carsten Steinweg aus Iserlohn und Sieg in der Division am Sonntag mit 3:32,91.

Den Klassensieg in der H 13 konnte Andre trotz der Pylonenfehler wiederholen. Auf Platz zwei kam Samstag auf dem MX 5 Jan Walther aus Oberwiesenthal ein und Sonntag der Schwerter Golffahrer Lars Strobänder.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Abschluss eines Slalomtages bildete wie immer die Division VI. Hier waren in der H 14 die verbesserten Fahrzeuge bis 2.000 ccm und in der H 15 die Hubraumgrößen über 2.000 ccm am Start. Die H 14 dominierte der Langenbacher Lars Heisel auf seinem Opel Kadett und sicherte sich die Klassensiege; samstags auch noch mit 3:19,18 die Division. Den zweiten Platz erkämpfte sich am Samstag trotz 1 PN der Detmolder Dirk Schäfertöns vor Christian Kramer aus Bad Laasphe. Am Sonntag pollerte Dirk Schäfertöns erneut und wurde hinter dem Golf GTI Treter Philipp Hartkämper Dritter.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Die Klasse der Überliterfahrzeuge entschied am Samstag der frisch gekürte Deutsche Slalom Meister Florian Boden aus Heuchelheim auf seinem BMW 328 i für sich. Hans-Martin Gass aus Kösching auf dem Audi A3 TFSI und der Herdecker Andre Jeuschede auf dem BMW M3 wurden auf die Plätze verwiesen. Sonntag leisteten sich alle drei jeweils einen Pylonen – die Reihenfolge blieb wie am Vortag. Hätte da nicht Mario Fuchs aus Grafschaft mit seinem Mitsubishi Lancer das ganze Paket um einen Platz nach hinten verschoben und sich den Klassensieg gesichert.

Da er am Samstag durch eine Beerdigung in Berlin am Start gehindert war, hielt er sich zum Abschluss des Slalomwochenendes schadlos und gewann neben der Klasse auch die Division in 3:15,71 und war mit dieser Zeit auch Tagesschnellster.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Die Fahrer auf den Treppchenplätzen erhielten von Rennleiter Norbert Wied, dem Vorsitzenden der Landesgruppe Henning Siebel sowie dem Sportpräsidenten den DMV Dr. Gunther David neben den Siegerpokalen noch Biergetränke aus dem Hause Krombacher, die dem Veranstalter freundlicher Weise zur Verfügung gestellt wurden. Ferner gab es an beiden Tagen Ehrenpreis aus Glas für die Gruppensieger und die besten Damen jeder Wertungsgruppe. Der Tagesschnellste Lars Heisel durfte am Samstag ein Fässchen Pils mit nach Bayern nehmen – am Sonntag galt dieser Lohn Mario Fuchs.

Foto: Landesgruppe Westfalen

Foto: Landesgruppe Westfalen

Zum Abschluss ein für Schüren typisches Kuriosum – die Wanderpylone

Die Literatur kennt die Wanderhure, die Wüste die Wanderdüne und der Flugplatz Schüren die Wanderpylone. Tatsache ist, dass in den sehr schnellen Passagen des Parcours sich einige Pylonen von schnellen Slalomfahrzeugen magisch angezogen fühlen.

Durchfahrtsgeschwindigkeiten oberhalb von 130 km/h veranlassen die Wanderung dieser als Aufgabenbestandteil eines Parcours zwingend notwendigen weiß roten Gesellen; auch ohne Berührung mit dem Wettbewerbsfahrzeug – nur vom Fahrtwind. Kadetten und BMW sind ihre liebsten Spielgenossen. Ohne ständige Eingriffe der Streckenposten sind sie nach spätestens drei bis vier Fahrzeugen außerhalb ihres mit Kreide festgelegten Zuständigkeitsbereichs – ihrem Garten. Die Folge: Wenn es der Streckenposten feststellt, drei Sekunden Strafzeit für den letzten Fahrer in der Kette.

Foto: Landesgruppe Westfalen

Foto: Landesgruppe Westfalen

Strafzeiten, die es durch intensive Kontrollen zu verhindern gilt. Die Korrektur von leicht verrutschen Pylonen verursacht, um im Sprachgebrauch zu bleiben, eine Völkerwanderung der Streckenposten. Posten auf der Slalomstrecke sind nicht gern gesehen, da sie fast immer mit Pylonenfehlern in Verbindung gebracht werden. Anders in Schüren, hier bleiben die Streckenposten in Bewegung und machen dennoch „nur“ ihren Job.

Meistens müssen die Wandergesellen nur zurückgerückt werden – im Einzelfall lernen sie aber auch das Fliegen. Der Slogan des Wochenendes „Racing meets Flying“ galt daher in doppeltem Sinn.

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Foto: Werner Wegener (AMC Velmede)

Text: Norbert Schnöde
Fotos: Werner Wegener, AMC Velmede