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Meschede. Er ist Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, wichtiger Wasserspeicher, ein abwechslungsreicher Erholungsort und zudem – wirtschaftlich gesehen – die „Spardose“ für die Stadt Meschede: Der Wald ist ein enorm vielseitiges Ökosystem mit zahlreichen Aufgaben. Allerdings: Der Klimawandel mit steigenden Temperaturen und immer häufigeren extremen Wetterereignissen stellt auch den heimischen Wald vor große Herausforderungen. Können Baumarten aus anderen Herkunftsregionen – so genannte „Fremdländer“ – für den Mescheder Stadtforst eine Perspektive sein? – Mit dieser Frage beschäftigten sich jetzt Stadtförster Roland Wiese und Mitglieder des Stadtrates.

Alle zwei Jahre nehmen Politik und Verwaltung beim Waldbegang den Stadtforst „unter die Lupe“. Dabei machten Roland Wiese und Forstwirtschaftsmeister Oliver Lempa diesmal deutlich, dass die „Fremdländer“ im Mescheder Stadtforst eigentlich kein neues Thema sind – Oliver Lempa: „Damit ist man hier bereits seit Jahrzehnten unterwegs.“ Zum Beispiel im Bereich „Im Kamp“ nordöstlich von Eversberg. Vor rund 80 Jahren hat man hier Douglasien und die Große Küstentanne angepflanzt – damals allerdings nicht mit Blick auf einen drohenden Klimawandel, weiß Roland Wiese: „Man hat einfach experimentiert und ausprobiert.

Die Ergebnisse kann man heute sehen: Mehrere Exemplare der eigentlich aus Nordamerika stammenden Baumarten haben sich prächtig entwickelt. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht seien diese Baumarten interessant, so Stadtförster Wiese: „Man erzielt gute Erträge damit.“ Allerdings: Um solche Bestände erntereif werden zu lassen, ist auch die Arbeit der Forstwirte gefragt: Damit sich die besten Bäume gut entwickeln können, habe man bereits früher andere Exemplare aus dem Bestand genommen.

Stadtförster Roland Wiese präsentiert den Ratsmitgliedern eine „Große Küstentanne“ - bei der es allerdings noch Jahrzehnte dauern wird, bis das Attribut „Groß“ tatsächlich zutrifft. Die wissenschaftlich als „Abies grandis“ bezeichnete Baumart ist einer von so genannten „Fremdländern“ im Mescheder Stadtforst. Foto: © Stadt Meschede

Stadtförster Roland Wiese präsentiert den Ratsmitgliedern eine „Große Küstentanne“ – bei der es allerdings noch Jahrzehnte dauern wird, bis das Attribut „Groß“ tatsächlich zutrifft. Die wissenschaftlich als „Abies grandis“ bezeichnete Baumart ist einer von so genannten „Fremdländern“ im Mescheder Stadtforst. Foto: © Stadt Meschede

Zudem müsse man auch immer im Auge behalten, wie man nach der Ernte einen Forstbestand weiterentwickeln wolle und frühzeitig steuern. Zur Küstentanne und Douglasie passe zum Beispiel der Ahorn, erläutert Roland Wiese: „Diese Arten brauchen ähnliche Standortbedingungen.“ Aufgabe der Forstwirte sei es, solche Pflanzen über die Zeit gezielt zu fördern. Dabei müssen die entsprechenden Baumarten noch nicht einmal eigens angepflanzt werden: Die so genannte „Naturverjüngung“, die natürliche Aussaat durch Bäume in der Umgebung, sorgt dafür, dass sich die Bäume an ihrem passenden Standort durchsetzen – Roland Wiese: „Und das ist auch noch kostenlos zu haben.

An anderen Standorten im Stadtforst finden sich zudem die japanische Lärche, Hemlocktanne oder auch die Scheinzypresse. Letztlich gebe es kein „Patentrezept“ für die forstliche Entwicklung, betont Roland Wiese: „Es kommt darauf an, an den jeweiligen Standorten für die richtige Mischung zu sorgen.“ Dann sei es zudem ausgeschlossen, dass die „Fremdländer“ einheimische Arten verdrängen. Denn diese seien auch in Zukunft unerlässlich – zum einen für ein funktionierendes Ökosystem, zum anderen auch für die Wirtschaftlichkeit. Die Fichte zum Beispiel ist und bleibe der „Brotbaum“ im Sauerland – auch im Mescheder Stadtforst. Rund 500.000 Euro an Erträgen aus dem Stadtforst fließen im Schnitt jährlich in den städtischen Haushalt.

Ziel sei es, auf Dauer einen Anteil von zwei Dritteln Nadelholz und einem Drittel Laubholz im Stadtforst zu schaffen, erläutert Roland Wiese – mit Bäumen von hoher Qualität: „Dann kommt man weiter.“ Eine sinnvolle Durchmischung sorge auch für ökologische Vielfalt, robusten Bestand und einen dauerhaften Ertrag. Dies aber gelte für eine nachhaltige Forstwirtschaft nicht erst seit heute, unterstreicht Oliver Lempa: „Wir leben gut damit, wir leben gut davon – und das schon seit 200 Jahren.

Quelle: Stadt Meschede
Foto: © Stadt Meschede