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Medebach: „Dreislar? … ach ja, das liegt doch irgendwo hinter Winterberg in der Pampa“ – Diese Aussage hört man oft, wenn man über die kleinen Orte am östlichen Rande des Sauerlandes spricht. Aber vielleicht war es ja gerade diese Weltabgeschiedenheit, die den Charakter der Menschen geformt, ihre Eigenart geprägt und das Engagement, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen befördert hat.

Und vielleicht war es auch die exponierte Lange, weit weg von den Ballungszentren die dazu beigetragen hat, die offene Kulturlandschaft zu erhalten und zu pflegen. Heute bewirtschaften 6 Vollzeit- und ebenso viele Teilzeitlandwirte die Dreislarer Flur, überwiegend als Grünlandwirtschaft. Hinzu kommen noch 2 Hühnerfarmen die ihre Produkte regional vermarkten. Aber das war nicht immer so.

Dreschen vor der Zehntscheune. Foto: Pressefoto Förderverein Dreislar e.V.

Dreschen vor der Zehntscheune. Foto: Pressefoto Förderverein Dreislar e.V.

Es gab Zeiten, da konnte das Dorf seine Kinder nicht ernähren und man war gezwungen, neue Betätigungsfelder zu erschließen. Die nachgeborenen Söhne der größeren Bauern gingen als Wanderhändler auf den alten Straßen der Hanse bis ins Baltikum, um mit dem Handel von Stoffen, Ton- und Stahlwaren den Lebensunterhalt zu sichern. Die Bauern der kleineren Höfe gingen im Herbst, wenn die Feldarbeit getan war als „Hacker“ auf die Walz. Ein- oder zwei der älteren Söhne gingen mit, denn die Erträge der Landwirtschaft reichten nicht aus, um ein Dutzend hungriger Mäuler durch den Winter zu bringen. Mit ihrer Hacklade verdingten sie sich für Tage bei größeren Bauern, um Häcksel als Raufutter für die Tiere zu schneiden. Ihr Lohn: Der Schlafplatz und freies Essen. So zogen sie über Wittgenstein, das Siegtal hinunter bis weit in Rheinland.

Fuhrwerk vor der Schmiede. Foto: Pressefoto Förderverein Dreislar e.V.

Fuhrwerk vor der Schmiede. Foto: Pressefoto Förderverein Dreislar e.V.

Andere gingen in die Welt und erlernten ein Handwerk um später in der alten Heimat eine Existenz zu haben. Inzwischen sind viele der alten Berufe ausgestorben. Den Schneider, den Schuster, der Anstreicher und den Stellmacher gibt es heute nicht mehr und auch das Schmiedefeuer ist schon lange erloschen. Aber es haben in diesem kleinen Dorf recht viele Betriebe den Sprung in die Neuzeit geschafft und sichern die dörflichen Arbeitsplätze und so könnten rein statistisch mehr als 10% der Einwohner im eigenen Dorf einen Arbeitsplatz finden. Das Lebensmittelgeschäft mit Bäckerei und vier Gasthöfe sichern die dörfliche Nahversorgung und bieten dem Feriengast kurze Wege.

Beim Straßenfest am Sonntag [25. August 2013] zum 625-ten Dorfgeburtstag präsentieren die Dreislarer Betriebe und Vereine ihre Leistungsfähigkeit auf kleinen Ständen, auf der Aktionsbühne oder beim Tag der offenen Tür. Mit dem MedeBus werden Besucher zu festgelegten Zeiten in die Außenbereiche gefahren um bei dem Landschafts- und Gartenbauer, dem Milchviehbetrieb, dem Ziegenhof und einer Drechslerei hinter die Kulissen zu schauen. Auf der Aktionsbühne läuft von 10 bis 17 Uhr ein buntes Rahmenprogramm und für das leibliche Wohl ist natürlich auch gesorgt.

Heuernte anno 1928. Foto: Pressefoto Förderverein Dreislar e.V.

Heuernte anno 1928. Foto: Pressefoto Förderverein Dreislar e.V.

Wenn Petrus mitspielt, und davon geht man in Dreislar aus, ist doch der Reinerlös für die Kirchenrenovierung, wird das bestimmt ein erlebnisreicher Sonntag für die ganze Familie. Rund um das Schwerspatmuseum ist die 5. Mineralien- und Fossilienbörse, so kann man sicher sein, dass keine Langeweile aufkommt. Für weitere Infos: www.dreislar.com und www.facebook.com/schwerspatmuseum.dreislar.

Quelle: Förderverein Dreislar e.V.