Print Friendly, PDF & Email

Marsberg / Padberg. Sie strahlt leuchtendgelb den vom Diemelsee aus kommenden Reisenden entgegen: Die Maria-Magdalena-Kirche von Padberg. Wie die Kirche zu ihrem Namen kam, belegt eine Urkunde im Archiv des Marsberger Geschichts- und Heimatvereins „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e.V.“, die kürzlich aufgestöbert wurde.

Sie beschreibt, dass schon vor über 125 Jahren die Padberger sich mit dem Bau einer neuen Kirche befasst hatten, da die alte Peterskirche mit der Zeit zu klein und auch gewissermaßen baufällig geworden war. Der Padberger Kaplan Quincke wollte die Pläne eines Neubaus einer Kirche erzwingen und übergab eigenwillig der Marsberger Bildhauerwerkstatt Larenz im Jahr 1890 mehrere Aufträge für die spätere Ausstattung eines eventuellen neuen Gotteshauses. Allerdings hatte er die „Rechnung ohne den Wirt“ und ohne die Zustimmung des Patronatsherrn Graf Droste zu Vischering gemacht.

Das Foto zeigt die Figur der Maria Magdalena in der Padberger Kirche. Dieses vom Kaplan Quincke vor 125 Jahren eigenwillig in Auftrag gegebene Werk diente der späteren Namensgebung der Kirche. Foto: © Marsberger Geschichten

Das Foto zeigt die Figur der Maria Magdalena in der Padberger Kirche. Dieses vom Kaplan Quincke vor 125 Jahren eigenwillig in Auftrag gegebene Werk diente der späteren Namensgebung der Kirche. Foto: © Marsberger Geschichten

Außerdem konnte Kaplan Quincke das eigenmächtig bestellte Kircheninventar, das zwischenzeitlich weitestgehend durch die Bildhauer fertiggestellt war, nicht bezahlen. Der bis dahin herrschende Frieden zwischen dem Patronatsherr und dem Kaplan war zerstört. Nachdem aber Graf Droste zu Vischering unter anderem die künstlerisch interessanten Figuren in Marsberg begutachtete, war er sehr angetan von der Qualität der Werke und erklärte sich sogar bereit, als Patronatsherr die Kosten zu übernehmen, so steht es in der Urkunde.

„Frieden“ kehrte wieder ein. Die Bildhauer Larenz konnten somit vor genau 125 Jahren am 01. Mai 1890 eine 1 Meter hohe Himmelskönigin für 190 Mark und eine 1,10 Meter große Maria Magdalena für 195 Mark ausliefern. Auch die Postamente und die dazugehörige Hintergrundbemalung in der Kirche schufen die Gebrüder Larenz.

Die Ansicht zeigt Padbergs neue Kirche mit dem Ehrenmal um 1950. Foto: © Marsberger Geschichten

Die Ansicht zeigt Padbergs neue Kirche mit dem Ehrenmal um 1950. Foto: © Marsberger Geschichten

Allerdings, da es immer noch keine neue Kirche in Padberg gab, stellte man die Kirchenfiguren erstmal in der alten Peterskirche auf. Feierlich eingesegnet wurde das Ganze zwei Tage später am 03. Mai 1890. Im gleichen Jahr schufen die Bildhauer Larenz noch einen Tabernakel für die Padberger Kirche. Graf Droste schätzte fortan die Fähigkeiten der Larenz-Werkstatt und bestellte für seine Padberger Schlosskapelle kurze Zeit später im Jahr 1894 einen Altar, Bänke, einen Tisch, Betschemel, Kanontafeln und die Rahmen der 14 Kreuzwegstationen.

Kaplan Quincke konnte sich aber mit seinem eigentlichen Ansinnen im Jahr 1890: dem Neubau einer Kirche in Padberg erstmal nicht durchsetzen. Es sollte 21 Jahre bis zum Jahr 1911 dauern, bis mit der Grundsteinlegung am 16. Juli der Bau der Padberger Kirche begann. Am 12. November 1912 wurde sie dann durch Dechant Brockmann eingesegnet. Neue Kirchenpatronin wurde Maria Magdalena, die als Begleiterin Jesus Christus sowie als Zeugin der Auferstehung im Neuen Testament vermerkt ist.

Und so war doch noch die Eigensinnigkeit des Kaplans Quincke im Jahr 1890 von Bedeutung. Denn seine bei der Bildhauerwerkstatt Larenz zu Erst in Auftrag gegebene Figur für eine mögliche neue Kirche war die der Maria Magdalena – der neuen Kirchenpatronin Padbergs. Die Figur steht bis heute in der „Taufbecken-Nische“ im Eingangsbereich der Kirche.

Quelle: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e.V.