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Marsberg. Haus Böttcher in Obermarsberg – Marsbergs Haus der Geschichte im ältesten Bürgerhaus der Stadt Marsberg aus dem Jahr 1589 – ist bereits von der Museumslandschaft des HSK sowie von der Museumsinitiative in OWL aufgenommen worden.

Franz-Josef Larenz (Großneffe der Bildhauer Gebrüder Larenz) und Elvira Böttcher mit einer Bergmannsfigur besiegeln die dauerhafte Übergabe der Exponate an Haus Böttcher. Im Hintergrund ist die Büste von Franz Larenz, dem Vater der Bildhauer, zu sehen.

Franz-Josef Larenz (Großneffe der Bildhauer Gebrüder Larenz) und Elvira Böttcher mit einer Bergmannsfigur besiegeln die dauerhafte Übergabe der Exponate an Haus Böttcher. Im Hintergrund ist die Büste von Franz Larenz, dem Vater der Bildhauer, zu sehen.

Jüngst wurde es samt Marsbergs 1. virtuellen Museum vom Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, anerkannt. Haus Böttcher trägt fortan die internationale Museumsnummer DE-MUS-055223. Das Museum beherbergt viele Sammlungen mit verschiedensten Exponaten, Figuren, Alltagsgegenständen, Zeitdokumenten, Fotos sowie Postkarten zur Marsberger Geschichte. Die bisher größte Sammlung erhielt Haus Böttcher nun von Elisabeth und Franz-Josef Larenz aus Niedermarsberg. Hierbei handelt es sich um sehr wertvolle und äußerst bedeutsame Unikate – nicht nur zur Marsberger Geschichte, sondern für die gesamte Region! Diese Werke sind besonders in Marsberg, Warburg, Diemelstadt, Arolsen, Brilon, im Bürener sowie Paderborner Land stadtbekannt. Aber auch noch tiefer im Sauerland, im Ruhrgebiet und sogar im Ausland sind diese Werke zu finden. Sie sind allesamt in der Werkstatt der Bildhauer „Gebrüder Larenz“ entstanden.

Ein kleiner Teil der an Haus Böttcher übergebenen Figuren, Büsten, Bildnisse und Bildstöcke.

Ein kleiner Teil der an Haus Böttcher übergebenen Figuren, Büsten, Bildnisse und Bildstöcke.

Die Gebrüder Larenz waren – neben der Giershagener Familie Papen – Marsbergs bedeutendste Bildhauer und gelten in Fachkreisen als die „Künstler des Diemeltals“. Im August 1887 machte sich der Erste der Bildhauer-Gebrüder, Franz Larenz, selbständig. Sein Vater Franz war nachweislich seit 1848 Schreinermeister in der Niedermarsberger Klosterstraße. Die Lehrjahre absolvierte der Bildhauer Franz Larenz in der großen Werkstatt von Matthäus Schiestl in Würzburg. Weitere Studien verschlugen ihn nach München. Seinen ersten Auftrag erhielt Larenz vom Niedermarsberger Propst Caspari und Baumeister Terstesse. Angefertigt wurde eine lebensgroße Josephs-Statue für 300 Mark, die zum Patronatsfest des Hl. Magnus präsentiert wurde. Dieses Werk gefiel so gut, dass weitere Aufträge nicht lange auf sich warten ließen. Franz Larenz nahm seinen jüngeren Bruder Bernard in die Lehre. Bernard Larenz besuchte später noch die Kunstschule Düsseldorf und wurde von den Professoren: den Bildhauern Clemens Buscher und Kleesattel unterrichtet.

In der damaligen Bildhauerwerkstatt Larenz – Abgebildet sind v. l. n. r. Karl Prange, Bernhard Larenz, Josef Larenz und Franz Larenz. Die Aufnahme ist aus ca. 1918.

In der damaligen Bildhauerwerkstatt Larenz – Abgebildet sind v. l. n. r. Karl Prange, Bernhard Larenz, Josef Larenz und Franz Larenz. Die Aufnahme ist aus ca. 1918.

Bernard Larenz machte sich einen bedeutenden Namen in verschiedensten Zeichentechniken. Seine Malkunst wurde mit hervorragenden religiösen Bildern in die Öffentlichkeit getragen. Die Gebrüder Larenz arbeiteten mit den Materialien: Stein (Marmor und Muschelkalk), Eichenholz sowie Bronze und Marsberger Kupfer. Sie bauten im Jahr 1900 in der Niedermarsberger Trift an der Ecke Jahnstraße ihr Wohnhaus, später noch ein eigenes Atelier.

Das Ehepaar Holtermann bewohnt heute das Larenz-Wohnhaus in der Trift, das in die Denkmalliste der Stadt Marsberg unter der laufenden Nummer 27 am 23.11.1987 eingetragen wurde. Sicherlich kann das Leben und Schaffen der Gebrüder Larenz hier nur umrissen werden. In aller Kürze sollen einige wenige Werke wiedergegeben werden, um einen kleinen Überblick zu erlangen: Kriegerehrenmäler z. B. in Obermarsberg, Erlinghausen, Oesdorf, Westheim, Rhoden, Hesperinghausen, Rarbach, Oberhenneborn. Auenhausen, Helbra und Rösenbeck sowie Altäre z. B. in Meerhof, Scherfede, Rimbeck, Kiederich und Leitmar sind heute noch Sinnbild für die wahre Kunst der Bildhauer Larenz.

Weitere hunderte von Aufträgen, wie z. B. Ehrengeschenke und Aufträge für den Fürsten von Waldeck sowie den Grafen zu Stolberg und Droste zu Vischering, Grabdenkmäler, Truhen und Schränke für u. a. die Familien Dalberg, Jesper und Boxberger zeugen von ihrer gesamten Schaffenskraft. Einen ganz besonderen Auftrag erhielten die Gebr. Larenz von der Bonaventura-Gemeinde aus Philadelphia (USA) in 1907. Die Figuren vom Hl. Heinrich und Hl. Bonaventura sowie einen Kreuzweg für die dortige Kirche wurden angefertigt und persönlich aufgestellt, was in der Zeitung „Philadelphia Demokrat“ am 03.06.1907 zu lesen war. Auch als Restauratoren haben sich die Gebrüder Larenz verdient gemacht, so wurden u. a. der Altar und Figuren der Kluskapelle, der Thoraschrein der Niedermarsberger Synagoge, der Essenthoer Altar, der Warburger Dominikaner-Klosteraltar oder die Sakristei in der Stiftskirche Obermarsberg detailgetreu renoviert bzw. neugestaltet.

Das Bauernhaus Bickmann in der Oesterstraße in Niedermarsberg und das Bauernhaus Buse in Obermarsberg (Schwesternhaus) wurden teils für neue Zwecke hergerichtet. Nicht nur als Künstler, sondern auch als Lehrer haben die beiden Bildhauer Larenz ihr reiches Können und Wissen in rund 40 Jahren Unterricht an der gewerblichen Berufsschule zu Niedermarsberg den jungen Handwerkssöhnen vermittelt. Schüler waren z. B. der spätere Obermarsberger Schreinermeister Heinrich Jeken oder der spätere Niedermarsberger Malermeister Josef Roland. Zighunderte Zeichnungen und Pläne der Gebrüder Bildhauer Larenz wurden jetzt durch die Eheleute Elisabeth und Franz-Josef Larenz an Haus Böttcher in Obermarsberg übergeben. Ferner fanden im dortigen Museum 27 überwiegend kirchliche Figuren, Büsten und Modelle eine dauerhafte Bleibe. Die Sammlung wird komplettiert durch 4 Gussformen, 10 weltliche und kirchliche Bildnisse, davon 1 großes Petrus-Gemälde eines Altars, sowie 3 Kreuzwegstationen. Da die Gebrüder Larenz schon sehr früh eine eigene Kamera besaßen, liegen weitere hunderte, historische Fotos von Aufträgen und Werken kurz nach ihrer Fertigstellung vor. Die Auftragsbücher spiegeln diese wider und beziffern deren Erstellungskosten sowie Verkaufspreise.

Die „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ bitten die Bevölkerung, die Kirchengemeinden, die Schützenvereine und Ortschaften der Region um Mithilfe, Hinweise und aktuelle Bildnisse zu „Larenz-Werken“, da bei weitem noch nicht alle Original-Zeichnungen und -Fotos zugeordnet werden konnten: Telefon 02992-1465, info@Marsberger-Geschichten.de oder www.Marsberger-Geschichten.de.

Quelle: Stadt Marsberg