Print Friendly

Marsberg / Giershagen. Voller einmaliger Überraschungen ist die Weihnachtszeit in Marsberg. „Eine besonderes Relikt der Geschichte aus Giershagen stimmt regelrecht als Zeichen der Geburt Christi am Heilig Abend auf diese stimmungsvolle Weihnachtszeit ein!“, so Pastor Dieter Moors aus Giershagen und Andreas Karl Böttcher, Vorsitzender der „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“.

Dieses besondere Zeichen ist eine Brotmadonna aus der Zeit des 30-jährigen Krieges. Sie wurde aus Giershagener Privatbesitz an den Marsberger Geschichts- und Heimatverein für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ übergeben. Die Nachricht über die Authentizität der Brotmadonna überbrachten jetzt am Anfang der Adventszeit die kundigen Fachleute des LWLs mit Sitz in Münster.

In Westfalen sind aus dieser Zeit lediglich drei Exemplare einer Brotmadonna aus dieser Zeit bekannt. Eine davon befindet sich im alten Wallfahrtsort in Werl. Die Giershagener Brotmadonna wird durch die Jahreszahl 1637 geziert. Das Madonnenbildnis (Bildnis Marias mit dem Jesuskind) ist seit dem 3. Jahrhundert bekannt und ist der häufigste Gegenstand der christlichen Kunst. „Diese ausdrucksstarke Verehrung Marias war gerade zu Zeiten des wütenden Krieges von 1618 bis 1648 mit Pest, Elend und Hunger ein bedeutendes Bildnis des Glaubens und der Volksfrömmigkeit in den katholischen Gebieten Westfalens“, so die LWL-Experten.

Pastor Dieter Moors und Andreas Karl Böttcher präsentieren vor der Giershagener Kirche das Relikt der ländlichen Volksfrömmigkeit, eine originale Brotmadonna aus Giershagen aus dem Jahr 1637. Foto: © Antillu - Marc Schnittker

Pastor Dieter Moors und Andreas Karl Böttcher präsentieren vor der Giershagener Kirche das Relikt der ländlichen Volksfrömmigkeit, eine originale Brotmadonna aus Giershagen aus dem Jahr 1637. Foto: © Antillu – Marc Schnittker

Im barocken Stil mit leichten „Tupfern“ der Hochrenaissance versehen, ist diese Madonna einmalig im Sauerland. Mit Sagen umwoben, sollen Brotmadonnen, dort wo sie aufgestellt sind und sich befinden, ein Garant dafür sein, dass es nie an Brot mangelt. Das typische Bildnis der Zeit des 30-jährigen Krieges wurde immer neben einer Schatulle mit Essen aufbewahrt. Urkundliche Belege und szenische Darstellungen aus Soest zeigen, dass die Brotmadonna immer auch bei Brotsegnungen stand. Danach wurde das Brot an die hungernde Bevölkerung und die Armen verteilt.

Für den Giershagener Pastor hat eine Madonna allgemein darüber hinaus eine besondere Bedeutung nicht nur im Wallfahrtswesen mit der Maria-Litanei: „Maria ist im Wesentlichen der Dreh- und Angelpunkt. Sie ist die Mutter der Glaubenden und natürlich die Mutter Jesus. Das gesamte Kirchenjahr weist zahlreiche Marienfeste auf. Hier sind nur die Monate Mai (Marienmonat) oder Oktober (Rosenkranz) genannt. Passend zum in der nächsten Woche anstehenden 08. Dezember, dem Tag des Festes „Maria unbefleckte Empfängnis“ in der Weihnachtszeit oder dem Oktavtag, dem Neujahrstag (Fest Mutter Maria), steht Maria und natürlich ihr Sohn: Jesu praktisch im „Rampenlicht“, dem Mittelpunkt unseres Glaubens und Lebens und das nicht nur in der katholischen Kirche, sondern beispielsweise auch mit besonderer Unterstreichung und Bedeutung in der orthodoxen Kirche.“ Moors weiter: „Maria steht aber auch zu allen anderen Zeiten, also jederzeit, ihrem Sohn Jesus besonders nahe und bietet Hilfe und Fürsprache. Ähnlich wie bei der Darstellung dieses Bildnisses der Brotmadonna.

Westfälisch schlicht schauen Moors und Böttcher auf die vor sich befindliche Brotmadonna Giershagens. Alle Fakten, Daten und die Echtheit der Brotmadonna passend zum Jahr 1637 wurden zusammen mit den Fachleuten des LWLs geklärt. Einzig und alleine die Frage nach dem Künstler, also dem Bildhauer, konnte nicht geklärt werden. Denn aus der bedeutenden Giershagener Bildhauerfamilie stammt die Brotmadonna nicht. Die Bildhauerwerkstatt der Papen war nämlich erst nach dem 30-jährigen Krieg aktiv und schuf ab diesem Zeitpunkt ihre überregional bekannten Werke. Dieses Geheimnis wird wohl nicht mehr zu lüften sein. Nähere Informationen unter www.marsberger-geschichte.de.

Quelle: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e.V.
Foto: © Antillu – Marc Schnittker