Print Friendly, PDF & Email

Marsberg / Padberg / Paderborn / Haifa. In Padberg steht die einzige Fachwerksynagoge Westfalens. Ihre erste urkundliche Erwähnung ist vom 09. Februar 1751. 1831 war jeder siebte Bürger im Dorf ein Jude. Zum Synagogenbezirk Padberg gehörten auch Beringhausen, Bontkirchen, Helminghausen, Messinghausen, Rösenbeck, Madfeld und Giershagen.

Nach dem I. Weltkrieg ging die Zahl der jüdischen Mitbürger soweit zurück, dass die Gemeinde aufgelöst und die restlichen Juden der Gemeinde Niedermarsberg zugeordnet wurden. 1931 verkaufte man die Synagoge an einen Handwerksmeister, der sie als Lager nutzte. Dadurch entging sie 1938 dem Novemberpogrom.

1.000 Besucher führte Ortsheimatpfleger Norbert Becker allein im letzten Jahr durch die Padberger Synagoge. Jetzt war eine Delegation aus Haifa/Israel auf Vermittlung der Stadt Paderborn zu Gast in der alten Fachwerksynagoge. In den Vitrinen der Synagoge sind alte jüdische Gebetsbücher und eine Thorarolle ausgestellt. An den Wänden hängen Fotografien, u. a. von jüdischen Friedhöfen im Marsberger Stadtgebiet, der jüdischen Synagoge Niedermarsberg oder der dortigen jüdischen Schule. „Juden haben über Jahrhunderte wie selbstverständlich zu Padberg gehört.“ Norbert Becker erzählte der jüdischen Reisegruppe, darunter auch eine arabische Christin, alles, was die jüdische Geschichte Padbergs zu bieten hat.

Gäste aus Israel waren auf Vermittlung der Stadt Paderborn zu Besuch in der Padberger Synagoge. Auf dem Foto ist die israelische Delegation mit Padbergs Ortsheimatpfleger Norbert Becker, Kreisheimatpfleger Hans-Jürgen Friedrichs und Johannes Wüllner, stv. Bürgermeister der Stadt Marsberg zu sehen. Foto: Marsberger Geschichten

Gäste aus Israel waren auf Vermittlung der Stadt Paderborn zu Besuch in der Padberger Synagoge. Auf dem Foto ist die israelische Delegation mit Padbergs Ortsheimatpfleger Norbert Becker, Kreisheimatpfleger Hans-Jürgen Friedrichs und Johannes Wüllner, stv. Bürgermeister der Stadt Marsberg zu sehen. Foto: Marsberger Geschichten

Silvi Behm aus Haifa war für die Übersetzung zuständig. Am vergangenen Montag [24. November 2014] sind die acht Frauen aus Israel im Rahmen eines Austauschprogrammes mit der Stadt Paderborn in der Domstadt eingetroffen. Sie absolvieren Weiterbildungsseminare im „Beit-Rutenberg-Institut“ in Haifa. Silvi Behm leitet dort die deutsche Abteilung. Die Frauen aus Haifa arbeiten in Kindergärten, sind als Lehrerinnen oder in der Jugendarbeit beschäftigt, einen deutschen Hintergrund haben sie nicht.

Das Austauschprogramm des Instituts mit Deutschland gibt es seit 57 Jahren. Seit 1991 begleitet und organisiert Oliver Boraucke vom Jugendamt Paderborn die Aktivitäten auf deutscher Seite. Er stellt der Gruppe Schulen und soziale Einrichtungen vorund begleitet auch die Austauschfahrten nach Israel. Natürlich ist auch Kultur wie der Abstecher nach Padberg mit im Programm.

Der stv. Bürgermeister der Stadt Marsberg, Johannes Wüllner, Kreisheimatpfleger Hans-Jürgen Friedrichs aus Nuttlar und Andreas Karl Böttcher vom Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ begrüßten die Reisegruppe im liebevoll eingerichteten Heimatstübchen des Padberger Ortsheimatpflegers, Norbert Becker. Unter den Gästen war auch die Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn, Monika Schrader-Bewermeier.

Übersetzerin Silvi Behm zeigte sich nach dem Besuch der Padberger Synagoge sehr beeindruckt. Sie will in Israel darüber berichten, wie gut die jüdische Synagoge und die jüdische Geschichte in Padberg gehütet werden. Silvi Behm: „Das hier heute ist der Höhepunkt unserer Reise.“ Die Frauen aus Haifa übergaben dem Padberger Ortsheimatpfleger zwei Schabbat-Kerzenhalter als Dankeschön. Die Schabbat-Kerzen werden traditionell am Freitagabend, etwa 18 Minuten vor Sonnenuntergang, angezündet. Sie stehen für „Schamor und Sachor“ – „Hüte und gedenke“.

Quelle: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e.V.