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Marsberg. Am 10. November 2014 war es 200 Jahre her, dass das damalige Landeshospital in Niedermarsberg, die heutige LWL-Klinik Marsberg, eröffnet wurde. Am 14. November 2014 findet in der LWL-Klinik Marsberg hierzu ein Festakt statt. Die Klinik gilt somit als erste und älteste Einrichtung dieser Art in Westfalen. Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ hat sich zu diesem Anlass auf eine geschichtliche Spurensuche begeben und die ehemalige Kloster- und Kirchengeschichte durchleuchtet.

An Stelle der LWL-Klinik Marsberg befand sich ursprünglich ein Kapuzinerkloster. Am 29. November 1744 kamen die ersten Kapuziner aus dem Kloster Paderborn in Niedermarsberg an. Es war Pater Bonifatius Raesfeld mit dem Laienbruder Pazifikus aus Drewer. Sie wohnten anfangs in „Hillekens Haus“, das in der Nähe des heutigen Klinikgeländes im Weist stand. Auf der Tenne dieses Hauses hielten sie den Gottesdienst und spendeten die hl. Sakramente. Das Haus war aber, wie sich bald zeigte, auf die Dauer für den Gottesdienst wenig geeignet. Sie mussten deshalb an den Bau eines Klosters und einer Kirche denken. Da kam den Patres zur rechten Zeit Hilfe. Der „Hüttenfaktor“ Anton Wilhelm Todt schenkte ihnen einen geeigneten Bauplatz. Auf diesem Platz begannen die Kapuziner im Jahr 1750 mit dem Klosterbau. Am 30. Juli 1752 konnten die Patres das „Hillekensche Haus“, worin sie rund 7,5 Jahre gewohnt hatten, verlassen, um in das neue Kloster einzuziehen.

Das „Irrenhaus“ zu Niedermarsberg, vormals Kapuzinerkloster. Dieses Bildnis ist aus der Zeit vor 1829. Die Stiftskirche von Obermarsberg auf dem Eresberg besitzt noch den barocken Zwiebelturm. Foto: Marsberger Geschichten

Das „Irrenhaus“ zu Niedermarsberg, vormals Kapuzinerkloster. Dieses Bildnis ist aus der Zeit vor 1829. Die Stiftskirche von Obermarsberg auf dem Eresberg besitzt noch den barocken Zwiebelturm. Foto: Marsberger Geschichten

Ein Jahr später, am 17. Juli 1753 begannen sie mit dem Bau der Klosterkirche. Die Kirche wurde an derselben Stelle erbaut, an der später die Wohnung des Anstaltspfarrers und eines Arztes entstand. Der Keller unter der ersten Wohnung war der Totenkeller für die Patres. Die Baumaterialien wurden größtenteils von den Ruinen der alten Dionysiuskirche am „trockenen Ufer der Glinde“ genommen. Die Patres selbst nahmen emsig den Schiebkarren zur Hand, um die Steine herbeizuholen. Die Bürger der Stadt halfen ihnen dabei.

Nach zweijähriger Bauzeit war die Kirche vollendet. Sie war geräumig, hoch und hell, einschiffig und mit schönem Sternengewölbe aus Tuffstein versehen. Sie hatte, wie alle Kapuzinerkirchen, statt des Turmes nur einen sogenannten Dachreiter mit einer Glocke. Am 23. Oktober 1755 wurde die neue Kirche durch den Weihbischof von Paderborn, Franz Joseph Graf von Gondola, feierlich konsekriert. In dieser Kirche hielten die Patres, deren Zahl sich nach und nach auf 12 bis 15 vermehrt hatte, den Gottesdienst und spendeten die hl. Sakramente. Die alte Pfarrkirche in Niedermarsberg, die im Jahr 1043 erbaut und schon lange für die Gemeinde zu klein geworden war, wurde durch die Klosterkirche natürlich ganz bedeutend entlastet, zumal „die Pfarrkinder die neue Kirche gern besuchten“, so die Quellen.

Das Foto wurde um das Jahr 1872 aufgenommen. Man schaut auf Niedermarsberg. Im Vordergrund sind die Gebäude der Westfälischen Klinik in doppelter „H-Form“ zu sehen. Hinter dem linken „H“ wird gerade die Anstaltskirche auf der ehemaligen Bleichwiese erbaut. Sie wurde aus dem Steinmaterial des Chores der alten Klosterkirche erstellt. Foto: Marsberger Geschichten

Das Foto wurde um das Jahr 1872 aufgenommen. Man schaut auf Niedermarsberg. Im Vordergrund sind die Gebäude der Westfälischen Klinik in doppelter „H-Form“ zu sehen. Hinter dem linken „H“ wird gerade die Anstaltskirche auf der ehemaligen Bleichwiese erbaut. Sie wurde aus dem Steinmaterial des Chores der alten Klosterkirche erstellt. Foto: Marsberger Geschichten

Nach der Säkularisation wurde das Kapuzinerkloster durch Dekret der Großherzoglich-Hessischen Regierung vom 27. Dezember 1812 definitiv aufgehoben und in eine „Irrenanstalt“ umgewandelt. Die schöne Kirche wurde im Jahr 1818 bis auf den Chor abgebrochen, angeblich weil die Fundamente bei der großen Wasserflut am 27. Juni 1796 unterspült und die Gewölbe schadhaft geworden seien. In Wirklichkeit befürchtete man aber, dass die Unterhaltungskosten der geräumigen Kirche zu groß seien würden.

Verschiedene Relikte aus Klosterzeiten und einige Teile des Klosterkircheninventars wurden auf umliegende Ortschaften und Kirchengemeinden verteilt. Der barocke Altar steht z. B. bis heute in der Pfarrkirche in Essentho. Der Kirchenchor allein blieb stehen und wurde zur Hauskapelle eingerichtet. Als solcher diente er bis zum 27. September 1869. An diesem Tag begann der Abriss des Chores. Es sollte eine neue Anstaltskirche entstehen. Der Abbruch des alten Chores erforderte einen Kostenaufwand von 153 Talern. Aus den verkauften Materialien ergab sich ein Erlös von 142 Talern.

Am 22. Mai 1870 legte Dechant Theodor Caspari den Grundstein für die neue Kirche. Der Plan zu der Kirche stammte vom hiesigen Baumeister Gustav Terstesse. Die Bauarbeiten wurden vom Maurermeister Anton Gerlach ausgeführt. Die einschiffige Kirche ist im neugotischen Stil erbaut worden. Nach zweijähriger Bauzeit konnte der Kirchenbau vollendet werden. Am 27. Mai 1872 fand die feierliche Konsekrierung zu Ehren des Hl. Johannes von Gott durch den Weihbischof Joseph Freusberg aus Paderborn statt.

Quelle: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.