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Marsberg / Obermarsberg / Lüdenscheid. Vielen Verkehrsteilnehmern, die von Obermarsberg aus die „Lange Ricke“ befahren und anschließend die Nepomuk-Brücke passieren, sind sie bestimmt schon ins Auge gefallen. Unter dem mächtigen Kastanienbaum auf der Wiese bei der Diemel stehen sie regelmäßig. PKWs mit Dortmunder- oder Märkischen-Kreis-Kennzeichen.

Hierzu stehen Angler vereinzelt am Uferrand. Aber keine Sorge. Hier geht alles mit rechten Dingen zu! Und das schon seit nunmehr 90 Jahren. Die Diemelfischerei war und ist sehr beliebt. Seit dem 09. Mai 1924 kommen sie mittlerweile in jeder freien Minute nach Obermarsberg. Wer? Die Fischereigesellschaft Eresburg aus Lüdenscheid und Umgebung. Das waren ursprünglich Fabrikanten, die damals in unserer schönen Gegend die Ruhe genießen und natürlich ihrer Passion dem Fischen nachgehen wollten.

„Fischers Auszug“ - Das Foto von einigen Mitgliedern der Fischereigesellschaft Eresburg mit deren Frauen aus ca. 1927 zeigt an 2. Stelle v. l. Peter Seßinghaus und daneben Philipp Mühlenbein sowie ganz rechts Karl Schmale in der Nähe der Vinzenziusmühle. Foto: Marsberger Geschichten

„Fischers Auszug“ – Das Foto von einigen Mitgliedern der Fischereigesellschaft Eresburg mit deren Frauen aus ca. 1927 zeigt an 2. Stelle v. l. Peter Seßinghaus und daneben Philipp Mühlenbein sowie ganz rechts Karl Schmale in der Nähe der Vinzenziusmühle. Foto: Marsberger Geschichten

Urkunden, Schriften, Fotos und weitere Informationen belegen all dieses. Sie wurden nun von Karl-Friedrich Kämper, dem aktuellen Ansprechpartner des SAV Eresburg 1924 e. V., und der Obermarsbergerin Hilde Mühlenbein dem Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ zur weiteren Aufarbeitung übergeben. Bereits im Herbst 1923 nahm Carl vom Hofe – ein bedeutender Lüdenscheider Fabrikant – Verbindung mit dem Niedermarsberger „Hotel-zur-Post-Besitzer“ Becker auf. Becker hatte die Fischerei-Gerechtsame an der Diemel von Obermarsberg gepachtet und suchte hierfür noch Beteiligte.

„Fischers Heimkehr“, ca. 1927 – In Obermarsberg am Diemelufer wird die „Fangstrecke im Pott“ präsentiert. Foto: Marsberger Geschichten

„Fischers Heimkehr“, ca. 1927 – In Obermarsberg am Diemelufer wird die „Fangstrecke im Pott“ präsentiert. Foto: Marsberger Geschichten

Carl vom Hofe gewann seinerseits weitere Unternehmer aus Lüdenscheid und Umgebung als Mitstreiter hinzu, die diese Verpflichtung gegenüber Obermarsberg übernehmen wollten. Die Firma Carl vom Hofe fertigte in Lüdenscheid für Bergwerke Grubenlampen – sogenannte Froschlampen. Aber auch Eisenkonstruktionen aller Art, wie z. B. Brücken, Tore, Pfannen, Blechgefäße, schmiedeeiserne Regale oder Utensilien für Öfen wurden in den Hallen des Werkes produziert. Die Fischers-Freunde um den rührigen Carl vom Hofe begannen somit die Diemelfischerei in Obermarsberg im Mai 1924.
Am 05. Februar 1925 wurde während der Mitgliederversammlung im Restaurant Wilhelmshof in Lüdenscheid beschlossen, dass die Fischer-Vereinigung den geschichtsträchtigen Namen „Fischereigesellschaft Eresburg“ erhalten sollte. Dieser Name wurde erst in den 1970er Jahren leicht geändert. Man trug die Gesellschaft offiziell in das Vereinsregister beim Amtsgericht Lüdenscheid ein. Die Bezeichnung lautete fortan Sportanglerverein Eresburg – kurz: SAV Eresburg 1924 e. V..

Das Wehr bei „Fischers Ruh“ an der Diemel in Obermarsberg. Der Fabrikant Carl vom Hofe beim Angeln in der Zeit um 1925. Foto: Marsberger Geschichten

Das Wehr bei „Fischers Ruh“ an der Diemel in Obermarsberg. Der Fabrikant Carl vom Hofe beim Angeln in der Zeit um 1925. Foto: Marsberger Geschichten

Gefischt werden durfte in den Gründungsjahren der 1920er fast ausschließlich nur mit der Fliegenrute. Wegen des damals reichlichen Aufkommens an Forellen und Äschen wurde einmal im Jahr zu festgesetzten Zeiten mit Netzen gefischt, um auch „die Mitglieder mit Fischen zu versorgen, die nur zahlendes Mitglied waren“. Im Jahr 1930 erfolgte eine 1. Pachtverlängerung mit der Stadt Obermarsberg auf 18 Jahre. Hier war Carl vom Hofe direkter Anpächter. Die Pachtstrecke reichte von Niedermarsberg bis zum Hoppecke-Einlauf und der Momecke.

Auch sind laut den Vereinsunterlagen Geldstrafen bei Fehlverhalten der Mitglieder belegt. Wer mit dem „Blinker“ fischte oder der Jahresversammlung fernblieb, hatte teils drakonische Strafen zu befürchten. Anlaufstelle für die Fischer war, neben der Familie Mühlenbein in der Vinzenziusmühle von Obermarsberg und dem Hotel zur Post in Niedermarsberg, auch das Waldhaus sowie der Reichshof mit der Familie Lüdtke.

Das Foto aus ca. 1935 zeigt Philipp Mühlenbein (links) und Ernst Seßinghaus aus Breckerfeld bei Vorbereitungen zum Netzfischen in der Diemel. Hinten ist rechts am Bergeshang der Kuhweg von Obermarsberg zu sehen. Foto: Marsberger Geschichten

Das Foto aus ca. 1935 zeigt Philipp Mühlenbein (links) und Ernst Seßinghaus aus Breckerfeld bei Vorbereitungen zum Netzfischen in der Diemel. Hinten ist rechts am Bergeshang der Kuhweg von Obermarsberg zu sehen. Foto: Marsberger Geschichten

In den Kriegsjahren von 1939-1945 „konnte nicht so viel geangelt werden“. Die Beschaffung von „Besatz“ erwies sich als schwierig. Aber Dank der Beziehungen von Carl vom Hofe ist es auch in dieser Zeit gelungen eine Menge von Satzforellen zu bekommen. Um das Kriegsende räuberten Kriegsgefangene, Besatzungstruppen und Deutsche die Diemel restlos aus. Anschließend wurde von der Militärregierung das wilde Fischen verboten.

In den Folgejahren besetzte man die Diemel wieder mit Fischen. Ab 1949 konnte dann endlich wieder geangelt werden. In den Anfängen der 1950er Jahre mussten an die Amerikaner und Engländer Erlaubnisscheine fürs Fischen ausgegeben werden. Auch sie hatten ihren Spaß daran. Militärs von Frankfurt bis Lüdenscheid angelten ausgiebig bis 1955. 1979 wurden in NRW Genossenschaften gegründet. Die Pachtstrecke wurde bei einer Neuaufteilung wesentlich kürzer.

Brief von Carl vom Hofe aus dem Jahr 1926 an das Mitglied der „Fischereigesellschaft Eresburg“: Fabrikant Karl Schmale aus Breckerfeld. Foto: Marsberger Geschichten

Brief von Carl vom Hofe aus dem Jahr 1926 an das Mitglied der „Fischereigesellschaft Eresburg“: Fabrikant Karl Schmale aus Breckerfeld. Foto: Marsberger Geschichten

Bereits Anfang der 1960er Jahre wurde ein Teil der oberen Strecke an den neugegründeten ASV Obermarsberg abgegeben. Zum Obermarsberger Verein besteht bis heute ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis, das bei zahlreichen Treffen in der Obermarsberger Anglerhütte unter der Organisationsregie von Herbert Wiesner und des jüngst verstorbenen Dieter Bolduan regelmäßig gepflegt wurde. Weitere Informationen demnächst unter www.marsberger-geschichten.de.

Gruppenbild einiger Mitglieder des heutigen Sportangelvereins Eresburg 1924 e. V.. Links ist deren Ansprechpartner Karl-Friedrich Kämper zu sehen. Foto: Marsberger Geschichten

Gruppenbild einiger Mitglieder des heutigen Sportangelvereins Eresburg 1924 e. V.. Links ist deren Ansprechpartner Karl-Friedrich Kämper zu sehen. Foto: Marsberger Geschichten

Quelle: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e.V.