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Marsberg / Obermarsberg. 100 Jahre ist es her, dass der I. Weltkrieg ausbrach. Für die damalige Eigentümerfamilie des alten Benediktinerstiftes von Obermarsberg, der Adelsfamilie von Fürstenberg, brach mit dem Tod von Clemens Freiherr von Fürstenberg jun. an der Westfront eine neue Zeitenrechnung an. Das Stift wurde verkauft.

Neuer Eigentümer des Obermarsberger Klosters wurde somit in 1916 der Unternehmer Karl F. Hein. Die Familie Hein bzw. die Hein´sche Stiftung besitzt das ehemalige Benediktinerstift bis heute. Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ erhielt passend zum Weltkriegsgedenkjahr das Kriegstagebuch des Clemens Freiherr von Fürstenberg jun. aus Obermarsberg als Schenkung für die Vereinssammlung.

Die Postkarte „Ober Marsberg – Blick nach der Stiftskirche“ ist aus der Zeit um 1910, also aus der Zeit, wo die Adelsfamilie von Fürstenberg noch Besitzer des alten Benediktinerstiftes war. Foto: Marsberger Geschichten

Die Postkarte „Ober Marsberg – Blick nach der Stiftskirche“ ist aus der Zeit um 1910, also aus der Zeit, wo die Adelsfamilie von Fürstenberg noch Besitzer des alten Benediktinerstiftes war. Foto: Marsberger Geschichten

Dieses umfangreiche, mit Kriegserlebnissen des Freiherren gespickte Werk schildert die traurigen Begebenheiten an der französischen Westfront vom Kriegsbeginn im August 1914 bis zum März 1915. Sein Vater Clemens Wenzeslaus Freiherr von Fürstenberg sen. wurde am 03. Juni 1839 auf Schloss Körtlinghausen geboren. Am 07. November 1874 heiratete er die zehn Jahre jüngere Marie-Theres von Ketteler (24. Juli 1849 bis 23. Mai 1931). Sie erwarben das alte Benediktinerstift von Obermarsberg als Familiendomizil.

Clemens Freiherr von Fürstenberg sen. war Mitglied des Briloner Kreistags. Mit ursprünglichen Beziehungen nach Kallenhardt wurde er 1872 Ehrenmitglied des dortigen Kriegervereins. Zusammen mit seiner Frau machte er eine gemeinnützige Stiftung zur Unterstützung von Kriegsveteranen und Bedürftigen der Gemeinde. Gegründet wurde auch von den Eheleuten die „Adeligen Familienstiftung zum Heiligen Georg“. Außerdem entwickelte Clemens Freiherr von Fürstenberg sen. ein lebhaftes Interesse an der Jagd und der Naturkunde.

Dieser Blick auf den Stiftsbezirk Obermarsberg ist aus dem Jahr 1909. Vor der Stiftskirche befindet sich das alte Benediktinerkloster, links davon die ehemalige Zehntscheune und links daneben eine Scheune der Adelsfamilie von Fürstenberg. Foto: Marsberger Geschichten

Dieser Blick auf den Stiftsbezirk Obermarsberg ist aus dem Jahr 1909. Vor der Stiftskirche befindet sich das alte Benediktinerkloster, links davon die ehemalige Zehntscheune und links daneben eine Scheune der Adelsfamilie von Fürstenberg. Foto: Marsberger Geschichten

In Obermarsberger Stiftspark züchtete er verschiedene Jagdhunderassen, besonders bekannt wurden seine Züchtungen von deutschen Otterhunden. Hier sind Lehr- und Schautafeln erhalten geblieben. Eine befindet sich im Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte“ aus 1589. Clemens sen. verstarb am 29. Dezember 1904. Seine Frau Marie-Theres war künstlerisch begabt. Es sind Kunst-Entwürfe für die Innenausstattung von Kirchenräumen erhalten geblieben. Hier sind Arbeiten zu verschiedenen Engeln für einen Altar der Nikolaikirche Obermarsberg (waren bis 1970 dort) oder einen Kirchenkreuzweg in Randers (heute in Kopenhagen) vermerkt.

Aus der Fürstenberg´schen Ehe gingen sieben Kinder hervor. Clemens Wilderich Petrus Paulus Hubertus Maria Freiherr von Fürstenberg jun. (18. Mai 1879 bis 31. März 1915) war der zweitgeborene Sohn der Familie. Alle Kinder wurden in Marsberg geboren. Clemens jun. war Königl. Preußischer Leutnant der Reserve und im I. Weltkrieg Mitglied der 2. Westf. FAR 22, Münster, 1. Batterie.

Dieser Holzstich diente als Lehr- und Schautafel in damaliger Zeit. Im Stiftspark von Obermarsberg züchtete der damalige Besitzer Clemens Freiherr von Fürstenberg verschiedene (Jagd)Hunde-Rassen. Bekannt wurde er durch seine umfangreiche und ausgezeichnete Züchtung von deutschen Otterhunden. Foto: Marsberger Geschichten

Dieser Holzstich diente als Lehr- und Schautafel in damaliger Zeit. Im Stiftspark von Obermarsberg züchtete der damalige Besitzer Clemens Freiherr von Fürstenberg verschiedene (Jagd)Hunde-Rassen. Bekannt wurde er durch seine umfangreiche und ausgezeichnete Züchtung von deutschen Otterhunden. Foto: Marsberger Geschichten

Aus seinem Kriegstagebuch werden an dieser Stelle nur die letzten Stunden nach einem Gasangriff und vor seiner Gefangennahme wiedergegeben:

Gegen 12 Uhr griffen die Franzosen vom Mittellager her meinen westlichen Flügel an. Ich zog den größeren Teil meiner geringen Kräfte in die Stellung westlich des Hessengraben und als die Franzosen über den Höhenrand kamen, eröffneten wir ein ruhiges Feuer, das heftig erwidert wurde. Eine halbe Stunde mochte dieser ungleiche Kampf gewährt haben, dann zogen sich die Franzosen zurück. Manchen haben sie liegen lassen müssen. Auf der Brustwehr kniend schoß ich selbst mit. Mit dem Leben hatte ich abgeschlossen, dann sollte es aber wenigstens schnell gehen. Die Stellung war auch gegen diesen zweiten Angriff gehalten worden. Es entstand eine Gefechtspause, die ich benutzte, um erneut Fühlung mit dem linken Bat. aufzunehmen, was nunmehr gelang.“

Die gewaltige Kanonade war verstummt. Dafür feuerten die Franzosen Gasgranaten. Dieses leichte Zischen, die schwachen Detonationen, der betäubende Geruch machte einen halb wahnsinnig. Stunde um Stunde hörte man nur dieses entsetzliche leise Pfeifen. Ich brauchte die Gasmaske.

Und wären wir auch unter großen Verlusten durch die Schlucht nördlich des Mittellagers gekommen, hätten wir die Stellung überrannt, an der Gaswand wäre der Durchbruch zum Stehen gekommen.

Auszug einer Seite aus dem Kriegstagebuch von Clemens Freiherr von Fürstenberg jun. aus Obermarsberg. Er fiel am 31. März 1915 in Illie im I. Weltkrieg im nördlichen Frankreich. Foto: Marsberger Geschichten

Auszug einer Seite aus dem Kriegstagebuch von Clemens Freiherr von Fürstenberg jun. aus Obermarsberg. Er fiel am 31. März 1915 in Illie im I. Weltkrieg im nördlichen Frankreich. Foto: Marsberger Geschichten

Gegen 4 Uhr schickten wir einen Parlamentär und ergaben uns, da jeder weitere Widerstand sinnlos gewesen wäre. 2 Stunden später allerdings wurde das Mittellager von der Artillerie zusammengeschossen. So war dieser Kampf zu Ende gekämpft, der für mich am 25. März so hoffnungsvoll begonnen hatte.“ Clemens Freiherr von Fürstenberg verstarb einige Tage später am 31. März 1915 in Illie im nördlichen Frankreich.

Quelle: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e.V.