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Marsberg / Padberg. Eine absolute Rarität ist jetzt im Museumsbesitz. Aus der Marsberger Ortschaft Padberg erhielt der Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e.V.“ für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ eine rund 350 Jahre alte Figur.

Es handelt sich um eine barocke Wachsarbeit. Sie stellt das Jesuskind dar, was mit einer Pailletten und Bändern ausgestatteten Umwickelung versehen ist. Aufbewahrt wird die westfälische Klosterarbeit: „das gewickelte Jesuskind“ in einem passenden Glaskasten. Lt. Fachleuten und Historikern handelt sich für unsere Breitengrade um eine vom Alter her gesehene Einmaligkeit für Westfalen.

In südlichen Gefilden Deutschlands ist „das gewickelte Jesuskind“ als sogenanntes „Fatschenkind“ bekannt. Das Lukasevangelium beschreibt das Jesuskind in Windeln gewickelt (Lk 2,7 EU). Die seit dem 3. Jahrhundert übliche Darstellung als sogenanntes „Fatschenkind“ hingegen gibt eine Kindertragemethode wieder. Dabei werden der gesamte Leib des Kindes und die Arme mit Bändern umwickelt. Das „Fatschen“ der Kleinkinder war bis in das 19. Jahrhundert üblich. Entsprechend wurde das Jesuskind dargestellt.

Das rund 350 Jahre alte, gewickelte Jesuskind aus Padberg. Foto: © Marsberger Geschichten

Das rund 350 Jahre alte, gewickelte Jesuskind aus Padberg. Foto: © Marsberger Geschichten

Im Mittelalter war es üblich, Novizinnen puppenartige Jesusfiguren zu schenken. Kostbar gekleidet und in Glaskästchen aufbewahrt, sollten sie der persönlichen Frömmigkeit in der Klosterzelle dienen. So entstand auch der Beiname „Trösterlein“. Auch bei dem seit dem Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert belegten Brauch des „Kinderwiegens“ gehörte ein „Fatschenkind“ dazu: In der Kirche war eine Krippe aufgestellt, in der ein gewickeltes Kindlein lag. Kinder tanzten vor ihm und sangen Weihnachtslieder. Das Jesuskind wurde dabei in der Krippe gewiegt oder wurde von Arm zu Arm gereicht. Besonders beliebt hierbei war das aus dem 14. Jahrhundert stammende Lied „Joseph, lieber Joseph mein“.

Die Gemeinde demonstrierte damit anschaulich die Aufnahme Christi unter den Menschen. Ob dieser heute vergessene Brauch auf die „Trösterlein“ der Frauenklöster zurückgeht oder umgekehrt, ist nicht geklärt. Auch als Backform für Gebildbrote ist das „Fatschenkind“ in Gebrauch. Am Heilig Abend wurde in den Häusern im „Herrgottswinkel“ ein solches Kind aufgestellt. Es handelte sich um ein in Seide, Spitzen und Rüschen eingewickeltes Wachsfigürchen in einem kleinen gerahmten Holzkasten mit einer Glasscheibe an der Schauseite. Den Körper bildete meist eine flache Stoff- oder Papierwalze. Die Innenwände des Kästchens sind mit buntem Papier, manchmal mit bestickter Seide, Steinen und Perlen ausgekleidet. Diese Kästchen wurden in Klöstern, aber auch von Privatpersonen – in der Regel Frauen – gefertigt.

Weitere Informationen unter www.marsberger-geschichte.de.

Quelle: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e.V.