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Marsberg. Seit 01. Mai ist in NRW eines der bundesweit schärfsten Gesetze zum Schutz von Nichtrauchern in Kraft getreten. Selbst in Raucherkneipen, Karnevalssälen und Schützenhallen gilt nun ein Rauchverbot. Einzige Ausnahme bleiben Privatfeiern, wenn sie als geschlossene Gesellschaft angemeldet sind. Grund genug die Geschichte dieses menschlichen, traditionellen „Laster“, dass im Gemeinwesen im Rahmen von Festen, in Kneipen und in der Öffentlichkeit allgegenwärtig war, ein wenig aufzuarbeiten.

Das Foto zeigt den Pfeifenclub „Gemütlichkeit“ von Obermarsberg. Die Aufnahme entstand in den 1920er Jahren. Vorne sitzt in der Mitte Joseph Kloke, der spätere Obermarsberger Stadtdirektor.

Das Foto zeigt den Pfeifenclub „Gemütlichkeit“ von Obermarsberg. Die Aufnahme entstand in den 1920er Jahren. Vorne sitzt in der Mitte Joseph Kloke, der spätere Obermarsberger Stadtdirektor.

Die „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ haben sich auf Spurensuche nach den ersten Marsberger „Rauchzeichen“ in Gaststätten und in der Öffentlichkeit begeben. Passend hierzu wird von dem Marsberger Geschichts- und Heimatverein ein 135-jähriges Vereinsjubiläum vorgestellt.

Der Stempel „Rauchklub Obermarsberg“ mit 2 gekreuzten Pfeifen

Der Stempel „Rauchklub Obermarsberg“ mit 2 gekreuzten Pfeifen

Der Pfeifenclub „Gemütlichkeit“ sorgte über Jahrzehnte für viel Qualm in der Obermarsberger Gesellschaft. Er wurde am 04. Mai 1878, also vor 135 Jahren zu Ehren des deutschen Kaisers Wilhelm I. gegründet. Das Gründungsstatut, das in der Marsberger Druckerei J. Kirfel in Anlehnung der Satzung des Niedermarsberger Vereins gesetzt wurde, belegt dieses und ist von den Herren des Vorstands: J. Kloke, F. Kleffner und H. Fobbe unterzeichnet worden. Gründungsort war die am 24. April 1878, also kurz zuvor, durch den Krämer Ferdinand Kleffner eingerichtete „Bierwirthschaft“ in der Stadt Obermarsberg. Kleffner erhielt seine Schankerlaubnis vom damaligen „Landrath Droste zu Vischering“. Dieser erteilte auch die Zustimmung zur Gründung des Pfeifenclubs. „Gepafft wird Lavendel oder Tabak“, so kann man es im Statut erlesen. Das Rauchen sollte das allgemeine „Wohlseyn“ schärfen und aller „Sorgen frey“ machen. Originalwortlaut: „…in Meinung, daß der Gebrauch des Tabaks gegen alle böse Luft gut sey“. Spätestens ab der Mitte des 19. Jahrhunderts war das „Qualmen“ wieder weitgehend akzeptiert und als Mittel zum Ausdruck von gesellschaftlichem Rang, Gelassenheit und Überlegenheit positiv besetzt. Das Obermarsberger Tabakskollegium bestand aus 12 männlichen Personen, die sich regelmäßig zu Tabakgenuss und Geselligkeit zusammenfanden. Die Mitgliederzahl war festgeschrieben. „Das Rauchen war Pflicht“ bei jedem Treffen, man konnte sich aber mit Geld für wohltätige Zwecke in bestimmten Ausnahmen und bei grippalen Infekten oder anderen Krankheiten davon freikaufen. Die Tonpfeifen wurden „nach altem Rituell“ von Kerzenlicht oder Fidibus entzündet. Der neue Obermarsberger Gastwirt Kleffner erhoffte sich durch die neue Qualmerei im Club eine noch „längere Verweildauer“ der Mitglieder in seiner Kneipe. Denn neben dem „Pfeifen“ wurde in einem Jahresbericht festgehalten, dass „allerhand Bier getrunken“, die Tagespolitik, Religion und alle erdenklichen anderen Themen diskutiert wurden. „Wobei jeder unter Gleichen ungehemmt“ sprechen durfte, frei nach dem Clubmotto: „Adel verpflichtet, unser Genuß verbindet“! Die Probezeit im Verein wurde auf 3 Jahre festgelegt. Die Tabaksteuer, die in 1906 von dem preußischen Finanzminister Johannes von Miguel als „Banderolensteuer“ neu eingeführt wurde, konnte dem Verein nichts anhaben. Ein Vereinsvermerk aus der damaligen Zeit: „Wie wichtig das Rauchen in unserer Gesellschaft sey, zeige die neue Steuer“. Man paffte also gerne für Volk und Vaterland! Der Pfeifenclub Obermarsberg bestand über viele Jahrzehnte und war aus dem öffentlichen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken. In späteren Zeiten firmierte er zum „Rauchklub Obermarsberg“ um. Auch die Vereinslokale wechselten von der Wirtschaft Kleffner zur Wirtschaft Kloke im Jahr 1900, später in die „Eresburg“. Die vorgenannten, zitierten Urkunden des Obermarsberger Pfeifenclub „Gemütlichkeit“ befinden sich nun in der Geschichtssammlung des Vereins „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“. Hartmut Tröger präsentierte die letzten Relikte des Clubs.

iXS Dirt Masters vom 17. bis 20. Mai im Bikepark Winterberg

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Die Originalpfeife des Clubmitglieds Joseph Kloke – Dieser war späterer Stadtdirektor von Obermarsberg.

Die Originalpfeife des Clubmitglieds Joseph Kloke – Dieser war späterer Stadtdirektor von Obermarsberg.

Hierzu zählen die Originalpfeife seines Schwiegervaters Joseph Kloke sowie ein alter Vereinsstempel. Der Obermarsberger Hermann Kloke steuerte zur Geschichtsaufarbeitung ein Foto des damaligen Clubs bei.

Quelle: Club Gemütlichkeit