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Marsberg/Canstein. Der Lehrer Peter Lübke trat am 04. Dezember 1819 seine Stelle in Canstein an. Er tätigt viele Aufzeichnungen zum Ort und schreibt auch über das hiesige Schloss, dem damaligen Sitz der Herren von Spiegel zum Desenberg-Canstein. Aus dieser Adelsfamilie traten zwei überregional-bedeutende Persönlichkeiten hervor.

Der Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ hat in den letzten Tagen viele interessante Urkunden und Zeitdokumente der von Spiegels erhalten und kürt diese nun zu Marsbergs Fundstück des Monats September 2013. Lehrer Lübke schreibt, dass Canstein damals „ein Dorf von wenigen Lehmhütten und fünf Bauernhäusern“ war. Ferner: „Das Schloß liegt auf einem Berg, an dessen Fuß eine große ausgedehnte Meierei lag, die 36 Pferde und 72 Kühe hielt“.

Das Bildnis des Gemäldes von F. E. Klein aus 1831 zeigt Schloss Canstein aus südöstlicher Richtung. Das obere Schloss besitzt auf dieser Ansicht noch das „alte Aussehen“ vor den grundlegenden Veränderungen der Mitte des 19. Jahrhunderts. Foto: Marsberger Geschichten

Das Bildnis des Gemäldes von F. E. Klein aus 1831 zeigt Schloss Canstein aus südöstlicher Richtung. Das obere Schloss besitzt auf dieser Ansicht noch das „alte Aussehen“ vor den grundlegenden Veränderungen der Mitte des 19. Jahrhunderts. Foto: Marsberger Geschichten

Einer der berühmtesten „Cansteiner“ war Franz Wilhelm von Spiegel zum Desenberg-Canstein. Er wurde am 08. Januar 1753 auf Schloss Canstein geboren. Als Minister des kurkölnischen Staates und Landdrost des Herzogtums Westfalen, wozu er sich 1779 bewarb, reformierte er im Sinne des Josephinismus das Herzogtum. Dieses führende Amt bekleidete vor ihm auch schon sein Vater Theodor Hermann von Spiegel. Während der Amtszeit Franz Wilhelms setzte er sich für eine gerechtere Steuerverteilung, staatliche Wirtschaftsförderungsmaßnahmen und der Einrichtung von Elementarschulen ein. Außerdem widmete er sich einer umfassenden Reform von Justiz und „Polizei“. Hierzu gehörte auch der Bau eines Zuchthauses in Arnsberg, dem späteren Sitz der preußischen Regierung und heutigem Verwaltungsgericht.

„Marsbergs Fundstück des Monats“: Messbildchen aus der Sammlung vom Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte“. Diese Bildchen zeigen den Erzbischof Ferdinand August von Spiegel zum Desenberg-Canstein und stammen aus den 1830er Jahren bzw. aus 1885 (50. Todesjahr – farbig nach einem Gemälde). Foto: Marsberger Geschichten

„Marsbergs Fundstück des Monats“: Messbildchen aus der Sammlung vom Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte“. Diese Bildchen zeigen den Erzbischof Ferdinand August von Spiegel zum Desenberg-Canstein und stammen aus den 1830er Jahren bzw. aus 1885 (50. Todesjahr – farbig nach einem Gemälde). Foto: Marsberger Geschichten

Nach dem Amtsantritt von Kurfürst Max Franz wechselte Franz Wilhelm von Spiegel dann nach Bonn in die Regierung des „Gesamtstaates“. Als leitender kurfürstlicher Minister und „Finanzminister“ fand er einen deutschlandweiten Persönlichkeitsstatus. Zollreformen, Reformen im Forstwesen und in der Verwaltung waren nur einige wenige Verdienste von Spiegels. Die Bonner Akademie baute er zu einer Universität in 1786 aus. Am 06. August 1815 verstarb er. Sein Halbbruder Ferdinand August von Spiegel zum Desenberg-Canstein (geb. am 25. Dezember 1764 auf Schloss Canstein) gelangte zu ähnlicher Berühmtheit. Er war von 1824 bis 1835 Erzbischof von Köln: der erste Erzbischof nach der Übernahme durch die Preußen, der kein weltlicher Fürst mehr war.

„Marsbergs Fundstück des Monats“: Ein Ausschnitt einer Urkunde mit der eigenhändigen Unterschrift von Erzbischof Ferdinand August von Spiegel zum Desenberg-Canstein aus der Sammlung von „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte“. Foto: Marsberger Geschichten

„Marsbergs Fundstück des Monats“: Ein Ausschnitt einer Urkunde mit der eigenhändigen Unterschrift von Erzbischof Ferdinand August von Spiegel zum Desenberg-Canstein aus der Sammlung von „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte“. Foto: Marsberger Geschichten

Gegen Ende seines Lebens beschloss er seinem Heimatort Canstein eine Kirche zu stiften. Dieser im Raume des Erzbistums Paderborn einmalige klassizistische Bau wurde von rund 50 Männern des Dorfes aus örtlichen Baustoffen erstellt. Hierfür erwarb Erzbischof Ferdinand August von Spiegel für 80 Taler und 20 Silbergroschen den Schultengarten, gelegen zwischen dem Kleppenfluß und der Wohnung des Christian Drilling, im Januar 1833. Ferdinand August von Spiegel verstarb am 02. Augiust 1835 in Köln und konnte somit die Fertigstellung seiner Cansteiner Kirche nicht miterleben. Noch heute erinnert ein Bildnis in der Kirche an ihn. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichten.de.

Quelle: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e.V.