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Marsberg / Meerhof.„Eine Angelegenheit, die viel Arbeit, Unannehmlichkeiten, aber auch viel Freude bereite…!“, so schrieb es Pfarrer Weber vor über 100 Jahren im Jahr 1914. Die alte, barocke Annenkapelle von Meerhof – gebaut im Jahr 1792, nach dem Brand von 1838 wiederhergestellt – konnte damals „die Gläubigen unmöglich fassen.“

Die Größe der Kapelle betrug gerade einmal 9,50 x 12 m. Sie war in einem unwürdigen Zustand. Schon der Kaplan Klein hatte Zeichnungen für eine neue Kirche entworfen. Aber es gab noch zu viele ungeklärte Fragen nach Raum, Platz, Ort der Kirche, Baustil oder einfach nur über die Gesamtkosten dieses Projekts.

Das Bildnis zeigt die alte Annenkapelle von Meerhof. Da eine neue Kirche entstehen sollte, wurde die Kapelle im Mai 1914 von Pionieren aus Minden gesprengt. Foto: © Marsberger Geschichten

Das Bildnis zeigt die alte Annenkapelle von Meerhof. Da eine neue Kirche entstehen sollte, wurde die Kapelle im Mai 1914 von Pionieren aus Minden gesprengt. Foto: © Marsberger Geschichten

Mehrere Kollekten sicherten in 1913 und 1914 die Kostenfrage. 30.000 Mark wurden auf der Spar- und Darlehnskasse hinterlegt. Da der Provinzialkonservator der alten Kapelle keinen Denkmalwert zusprach, erhielt ein Neubau einen Vorzug. Dieser sollte laut Kirchenvorstand auf dem alten Platz der bisherigen Kapelle erfolgen.

Der endgültige Bauvorschlag des Architekten Mündelein, Paderborn, erfolgte am 12. März 1914. Er beinhaltete den Plan eine dreischiffige, romanische Kirche mit einer Größe von 300 qm für 600 Personen zu bauen, Kostenpunkt: 59.500 Mark. Nach erfolgter Genehmigung der staatlichen und kirchlichen Aufsichtsbehörden konnte der Abriss der alten Annenkapelle erfolgen.

Eine Postkarte zur Laurentiuskirche von Meerhof. Die Aufnahmen wurden am 14.10.1915 während der Konsekrierung der Kirche aufgenommen. Foto: © Marsberger Geschichten

Eine Postkarte zur Laurentiuskirche von Meerhof. Die Aufnahmen wurden am 14.10.1915 während der Konsekrierung der Kirche aufgenommen. Foto: © Marsberger Geschichten

Mit Familie Thiele auf dem Nachbargehöft wurde ein Vertrag abgeschlossen, die 14 x 12 m große Scheune zur Notkirche einzurichten. In der Sitzung des Kirchenvorstands vom 04. Mai 1914 übertrug man dem Bauunternehmer H. Tegethoff aus Niedermarsberg die Bauarbeiten für die neue Kirche. Der Abriss der alten Kirche zeigte sich schwieriger als zu Erst vermutet.

Die Kapelle war so fest gebaut, dass die Pioniere aus Minden zur Sprengung angefordert werden mussten. Die Sprengungen erfolgten in der Zeit vom 14. bis 19. Mai 1914. Es gab kleinere Beschädigungen an den umliegenden Häusern, besonders aber am Forsthaus. Den Grundstein zur neuen Kirche legte man am Sonntag, dem 12. Juli 1914.

Blick in die Marsberger Bildhauerwerkstatt Larenz Anfang Januar 1915. Es entsteht der neuromanische Hochaltar der Meerhofer Kirche. Karl Prange malt links das Altarbild „Abendmahl“. Daneben steht Bernard Larenz, der gerade die Skizze des Altars studiert, vor dem „Gnadenstuhl“ des Altars. Josef Larenz schnitzt gerade mit dem Messer kleinere Elemente des Altars. Hinter ihm im Durchgang ist das gegossene Antependium des Altars zu sehen. Dahinter befindet sich transportbereit der fertiggestellte Hochaltar für die Leitmarer Kirche (Aufstellung dieses Altars am 19.01.1915). Im rechten Teil des Bildes fertigt gerade Franz Larenz ein weiteres Altarbild für Meerhof: die Szene der „wundersamen Brotvermehrung“. Foto: © Marsberger Geschichten

Blick in die Marsberger Bildhauerwerkstatt Larenz Anfang Januar 1915. Es entsteht der neuromanische Hochaltar der Meerhofer Kirche. Karl Prange malt links das Altarbild „Abendmahl“. Daneben steht Bernard Larenz, der gerade die Skizze des Altars studiert, vor dem „Gnadenstuhl“ des Altars. Josef Larenz schnitzt gerade mit dem Messer kleinere Elemente des Altars. Hinter ihm im Durchgang ist das gegossene Antependium des Altars zu sehen. Dahinter befindet sich transportbereit der fertiggestellte Hochaltar für die Leitmarer Kirche (Aufstellung dieses Altars am 19.01.1915). Im rechten Teil des Bildes fertigt gerade Franz Larenz ein weiteres Altarbild für Meerhof: die Szene der „wundersamen Brotvermehrung“. Foto: © Marsberger Geschichten

Die Bauarbeiten der neuen Meerhofer St.-Laurentius-Kirche schritten schnell voran. Parallel wurde mit der bekannten Bildhauerwerkstatt Larenz ein Vertrag über die Erstellung eines neuromanischen Hochaltars geschlossen. Die Pläne, Urkunden, Kostenaufstellungen und Entwurfsbeschreibungen hierzu besitzt der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“.

Im Larenz-Nachlass ist vermerkt, dass der Bau der Laurentiuskirche Anfang März 1915 weitestgehend abgeschlossen war. Die Bildhauer Larenz stellten somit vor 100 Jahren am 09. März 1915 den Hochaltar auf. Die Kosten bezifferten sich auf 4.300 Mark, die mit einer Anzahlung am 22. März 1915 in Höhe von 1.000 Mark und einer vollständigen Schlusszahlung am 13. Oktober 1915 beglichen wurden.

Der neuromanische Hochaltar Meerhofs aus der Larenz-Werkstatt nach seiner Aufstellung am 09.03.1915. Foto: © Marsberger Geschichten

Der neuromanische Hochaltar Meerhofs aus der Larenz-Werkstatt nach seiner Aufstellung am 09.03.1915. Foto: © Marsberger Geschichten

Der filigran gearbeitete Altar beinhaltete verschiedene Elemente. Die Mensa entstand aus „saronischem Stein“. Die Säulen davor waren aus Marmor. Das Relief der Mensa (Antependium), das die Grablege Jesu Christi zeigt, gossen die Bildhauer Larenz aus Bronze. Die Stufen zum Altar fertigte man aus Eichenholz. Der Altaraufsatz bestand aus „schöner prima Spessarteiche“. Im Altar bauten die Gebrüder Larenz einen „diebessicheren Tabernakel“ ein, der „feuervergoldete Türen mit weißer ausgeschlagener Seide“ besaß. Links und rechts neben dem Tabernakel waren geschnitzte Bildnisse von Abel, Abraham, Melchisedech und Isaak, darüber befindlich zwei geschnitzte Altarbilder aus Lindenholz.

Die eine Szene zeigt das Abendmahl, die andere die „wundersame Brotvermehrung“. Links und rechts im Altar standen eine polychromierte Lindenholz-Figur von Melchisedech, dem König der Gerechtigkeit, und von König David. Über dem mit knienden Engeln ausgestatteten Expositorium befand sich ein Gnadenstuhl mit der Hl. Dreifaltigkeit.

Die Erläuterungen zum Hochaltarentwurf für die neuromanische St.-Laurentius-Kirche in Meerhof, 1915. (Seite 1). Foto: © Marsberger Geschichten

Die Erläuterungen zum Hochaltarentwurf für die neuromanische St.-Laurentius-Kirche in Meerhof, 1915. (Seite 1). Foto: © Marsberger Geschichten

Im Nachgang des zweiten Vatikanischen Konzils in den 1960er Jahren wurde dieser stolze Altar nach damaligem Zeitbild aus der Kirche verbannt. Die Elemente des Altars sind aber bis heute erhalten geblieben. Die damalige Konsekration der Laurentiuskirche fand nach kleineren Verzögerungen durch den I. Weltkrieg abschließend am 14.10.1915 unter Mitwirkung des Bischofs und des Landrats von Büren statt. Die drei Metallglocken der Kirche wurden aber erst am 07. Januar 1921 hergestellt und am 22. Februar 1921 von Pfarrer Weber eingeweiht.

Die Erläuterungen zum Hochaltarentwurf für die neuromanische St.-Laurentius-Kirche in Meerhof, 1915. (Seite 2). Foto: © Marsberger Geschichten

Die Erläuterungen zum Hochaltarentwurf für die neuromanische St.-Laurentius-Kirche in Meerhof, 1915. (Seite 2). Foto: © Marsberger Geschichten

Quelle: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e.V.