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Kreis Soest (kso.2013.05.23.253.hb/-rn). Ob dubiose Mahnschreiben kursierten, dreiste Firmen via Telefon Abos für Pillen oder Gewinnspielteilnahmen unterschoben oder Trojaner im Internet unbemerkt ihre Fänge auslegten – die Verbraucherzentrale im Kreis Soest war 2012 für 7.553 Ratsuchende gefragte Ansprechpartnerin bei Verbraucherproblemen. Diese Bilanz zogen Leiterin Hilde Becker und Ralf Hellermann, Dezernent für Ordnung, Gesundheits- und Verbraucherschutz der Kreisverwaltung, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag, 23. Mai 2013.

Stellten gemeinsam den Jahresbericht 2012 der Verbraucherzentrale im Kreis Soest vor: (v. l.) Petra Golly, Verbraucherberaterin in Lippstadt, Hilde Becker, Leiterin der Verbraucherzentrale im Kreis Soest, Holger Okken, Verbraucherberater in Soest, sowie Ralf Hellerman, Dezernent für Ordnung, Gesundheits- und Verbraucherschutz des Kreises Soest. Foto: Wilhelm Müschenborn/Pressestelle Kreis Soest

Stellten gemeinsam den Jahresbericht 2012 der Verbraucherzentrale im Kreis Soest vor: (v. l.) Petra Golly, Verbraucherberaterin in Lippstadt, Hilde Becker, Leiterin der Verbraucherzentrale im Kreis Soest, Holger Okken, Verbraucherberater in Soest, sowie Ralf Hellerman, Dezernent für Ordnung, Gesundheits- und Verbraucherschutz des Kreises Soest. Foto: Wilhelm Müschenborn/Pressestelle Kreis Soest

Zur Nachfrage hat die Eröffnung einer eigenen Beratungsstelle am Nottebohmweg in Soest beigetragen, mit der dank Unterstützung des Kreises die Übergangslösung mit wöchentlichen Beratungsstunden im Rathaus durch eine Verbraucherzentrale mit Rundumangebot ersetzt wurde. Seit Eröffnung im November haben schon mehr als 1.400 Bürgerinnen und Bürger die Beratungsstelle aufgesucht. Das sind 300 Ratsuchende im Monat. „Unsere Spezialberatungen zu den Bereichen Mietrecht, Versicherungen, Energieberatung, Beratung zu Altersvorsorge, Geldanlage und Immobilienfinanzierung werden von den Bürgerinnen und Bürgern aus dem gesamten Kreisgebiet gut angenommen“, berichtete die Leiterin. „Die Entwicklung zeigt, dass unsere Initiative, zwei vollwertige Verbraucherzentralen im Kreis Soest einzurichten, goldrichtig war“, freute sich Kreis-Dezernent Ralf Hellermann.

Als Dauerbrenner der Verbraucherbeschwerden zeigte sich im vergangenen Jahr an beiden Standorten in Soest und Lippstadt einmal mehr die Telekommunikationsbranche. „Obwohl die Novelle des Telekommunikationsgesetzes kostenträchtigen Warteschleifen das Aus beschert und die Preisansage bei Call-by-Call-Gesprächen verpflichtend gemacht hat, gab es Stolperfallen zuhauf“, berichtete Hilde Becker. „So erhielten Ratsuchende zum Beispiel nach unverbindlichen Beratungsgesprächen in Telefonläden plötzlich Auftragsbestätigungen über neue Telefon-Komplettpakete – zusätzliche Kosten inklusive. Und dies, obwohl jede Einwilligungserklärung oder Unterschrift fehlte.“ Auch vermeintliche Flatrates fürs Telefonieren oder die Datenkommunikation, die sich im Kleingedruckten dann als begrenzte Pakete mit Leistungsbeschränkungen entpuppten, hätten für Verbraucherverdruss gesorgt.

Prägten Anfragen zu ungewollten Internetabos in den vergangenen Jahren die Beratungsstatistik, verzeichnen die heimischen Verbraucherzentralen seit der Buttonlösung im August 2012 einen deutlichen Rückgang. Seit diesem Zeitpunkt müssen Unternehmen den Verbraucher nämlich unmittelbar vor Absenden der Bestellung deutlich über das Produkt, den Gesamtpreis, Versand- und Zusatzkosten sowie die Vertragslaufzeit informieren. Außerdem muss ein Bestellbutton mit einer Beschriftung wie „zahlungspflichtig bestellen“ eindeutig auf die Kostenpflicht hinweisen, da sonst kein wirksamer Vertrag zustande kommt. „Das bedeutet aber keineswegs Entwarnung“, betonte Hilde Becker. „Die alten Maschen werden nun bei Bestellungen über Smartphones versucht. Bei diesen müssen sich Verbraucher häufig nicht einmal registrieren, um in eine Kostenfalle zu tappen.“ Bereits ein unbeabsichtigter Klick auf einen Werbebanner könne dazu führen, dass kostenpflichtige Leistungen oder Abos heruntergeladen und per „Wap-Billing“ über die Handyrechnung eingezogen werden. Verbraucher merkten das häufig erst dann, wenn der gewohnte Rechnungsbetrag deutlich und ohne offensichtlichen Grund überschritten wird. Auch bei Smartphone-Fallen gelte die Buttonlösung. Sollte der Vertrag über ein Werbebanner zustande gekommen sein, seien die Forderungen der Firmen somit unberechtigt.

Auch betrügerische Zahlungsaufforderungen und Gaunereien per E-Mail sorgten für Verbraucherärger. In einer gefälschten E-Mail versprach angeblich das „Bundeszentralamt für Steuern“ eine Steuererstattung von 223,56 Euro. Dabei handelte es sich aber keineswegs um offizielle Post von der Steuerbehörde, sondern um eine Phishing-Mail. Auf der Suche nach Bankdaten von unbedarften Steuerbürgern wollten die Gauner persönliche Angaben sowie Kreditkartennummer samt Gültigkeitsdatum und Sicherheitscode abgreifen. Und damit Bankkonten leer räumen.

Die beiden Beratungsstellen im Kreis Soest waren 2012 Drehscheibe für Verbraucherfragen rund um die Energiewende. „Ob der Stromverbrauch akzeptabel oder die alte Heizung ein Energiefresser ist – neben Möglichkeiten zur Reduzierung des Verbrauchs standen vielfach Probleme beim Anbieterwechsel oder mit der Rechnungsstellung durch den Versorger im Mittelpunkt“, beschreibt Hilde Becker zunehmende Nachfrage in der Energierechtsberatung, die landesweit ausgebaut werden soll. Nach den Pleiten von Teldafax und Flexstrom wurden außerdem viele Fragen rund um die Weiterversorgungsmodalitäten oder zum Verlust von Vorauskasse Zahlungen gestellt. Weiterer Brennpunkt waren die massiven Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel. Ob und wie Preiserhöhungen widersprochen oder wie ein günstigerer Anbieter gefunden werden kann, stand dabei im Beratungsfahrplan.

Erstmals haben Wissenschaftler übrigens jetzt den finanziellen Nutzen von Verbraucherberatung berechnet. Darauf wies Hilde Becker auch hin. Ein Euro investiertes Steuergeld wird danach in der Rechtsberatung zu einem Ertrag für Ratsuchende zwischen 14 und 17 Euro umgemünzt und den Kosten pro Beratungsfall steht durchschnittlich ein sieben- bis neunfacher Nutzen für den Verbraucher gegenüber.

Quelle: Kreis Soest