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Kreis Soest (kso.2013.08.01.398.-rn). Vier Jahre seit 2009 hat der Kreis Soest erfolgreich Fachkonzepte umgesetzt, um künftig strukturell jährlich 5,8 Mio. Euro einzusparen. Dabei ging es darum, Verwaltungsprozesse zu optimieren, es wurden aber auch rund 40 Stellen abgebaut. „Jetzt müssen wir uns einem Paradigmenwechsel stellen“, betonte Landrätin Eva Irrgang bei ihrer Sommerpressekonferenz. „Die Effizienzsteigerung bleibt Daueraufgabe, aber die große Herausforderung der kommenden Jahre stellt das Personalmarketing dar.“

Landrätin Eva Irrgang kennzeichnete während ihrer Sommerpressekonferenz die Personalentwicklung als die große Herausforderung der kommenden Jahre. Foto: Thomas Weinstock/Pressestelle Kreis Soest

Landrätin Eva Irrgang kennzeichnete während ihrer Sommerpressekonferenz die Personalentwicklung als die große Herausforderung der kommenden Jahre. Foto: Thomas Weinstock/Pressestelle Kreis Soest

Sie wies vor Medienvertreterinnen und -vertretern im Hotel Schnitterhof in Bad Sassendorf darauf hin, dass in den nächsten 20 Jahren (bis zum 31. Dezember 2032) 632 und damit deutlich mehr als die Hälfte der 1.141 Beschäftigten (Stand 31. Dezember 2012) aus dem aktiven Dienst ausscheiden. „Wir müssen alles in Sachen Personalentwicklung tun, um einem nachhaltigen Fach- und Führungskräftemangel aufgrund des altersbedingten Personalausscheidens, aber auch aufgrund schrumpfender Schulentlassjahrgänge entgegenzuwirken“, stellte die Landrätin heraus. „Denn auf der anderen Seite wird durch die demographische Entwicklung das notwendige Personal auf dem Arbeitsmarkt immer schwerer zu finden sein.“

Es gehe aber auch darum, sich verstärkt der Gesundheit der aktuellen Belegschaft zu widmen. Die Landrätin verwies auf ein Projekt, im Rettungsdienst ein Alternsmanagement zu etablieren, das fördernde Aspekte der Arbeitsorganisation, des Personalmanagements und der Unternehmenskultur sowie die Gesundheitsförderung allgemein im Blick hat. Auch für den Baubetriebshof, dessen Mitarbeiter Wind, Wetter und Lärm sowie im Verkehr besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt sind, sei ein Handlungskonzept in Arbeit. Insgesamt sei das beim Gesundheitsamt angesiedelte betriebliche Gesundheitsmanagement dadurch aufgewertet worden, dass eine studierte Fachkraft eingestellt wurden sei.

Zur Personalgewinnung, wie sie im Zukunftskonzept 2020 als strategisches Ziel verankert sei, unternehme der Kreis große Anstrengungen im Ausbildungsbereich. Gezielte Öffentlichkeitsarbeit solle den Bekanntheitsgrad des Kreises als Arbeitgeber erhöhen, erläuterte die Verwaltungschefin. „Die bisherigen Werbemaßnahmen ergänzen wir demnächst um Videos über unsere Ausbildungsberufe und den Kreis Soest als Arbeitgeber, die zurzeit entstehen“, kündigte Frau Irrgang an. Mit diesen und anderen Mitteln werde hingewiesen auf die Möglichkeit von Praktika, die Qualität der Ausbildung, die großen Übernahmechancen, die Aufstiegsmöglichkeiten und die Familienfreundlichkeit. Die Kreisverwaltung sei schließlich als „Familienfreundliches Unternehmen“ zertifiziert und biete flexible Arbeitszeitmodelle und Möglichkeiten der Kinderbetreuung.

„Work-Life-Balance“ und andere „weiche Faktoren” würden auch für die Fachkräftegewinnung immer wichtiger, betonte die Landrätin. „Das wird aber nicht ausreichen, wir brauchen einen rigorosen Kurswechsel“, forderte sie. „Der TVöD ist anzupassen, das Tarifwerk muss künftig auch Vergütungsmodelle für Fachkräfte bieten, die der öffentliche Dienst schon heute nur schwer auf dem Arbeitsmarkt rekrutieren kann. Zum Beispiel Ärzte und IT-Experten.“ Die Personalsuche sei auch auf neue, zukunftsweisende Berufsbilder auszurichten. „Das Anforderungsprofil an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verändert sich durch E-Government, Technisierung und Wandel in den Arbeitsprozessen“, brachte es die Landrätin auf den Punkt.

Entscheidend sei auch die Gewinnung von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund. „Wir arbeiten auf allen Ebenen, um unsere Verwaltung interkulturell zu öffnen. Wir sensibilisieren und qualifizieren unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für andere Kulturen“, betonte Frau Irrgang. Basis dafür sei die mit dem NRW-Integrationsministerium geschlossene Partnervereinbarung „Vielfalt verbindet. Interkulturelle Öffnung als Erfolgsfaktor“.

Es sei zu hoffen, dass die Kreisverwaltung in vier Jahren in Sachen Personalmarketing eine ähnliche Erfolgsbilanz aufzuweisen habe wie das bei den Fachkonzepten der Fall sei. Von den für den veranschlagten Zeitraum 2009 bis 2013 angesetzten Einsparungen durch die Fachkonzepte in Höhe von 5,8 Mio. seien bereits 5,3 Mio. Euro realisiert worden. Das entspreche einem Zielerreichungsgrad von 89,7 Prozent. „Das Projekt Fachkonzepte läuft aber noch bis Ende des Jahres, einige Konsolidierungsmaßnahmen werden zurzeit noch umgesetzt. Wir arbeiten weiterhin an der vollständigen, hundertprozentigen Umsetzung der Fachkonzepte“, so die Landrätin.

Quelle: Kreis Soest