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Kreis Soest (kso.2013.06.19.311.wj). Unter dem Titel „Schalom! Judentum heute“ hat die Don-Bosco-Schule, Förderschule des Kreises Soest mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung in Lippstadt, einen Ordner für das Lernen zum Thema „Judentum“ jetzt druckfrisch vorgelegt. Sonderschullehrerin Claudia Ressing und Sonderschulrektor Wolfgang Janus haben die in ihrem Unterricht verwendeten Materialien dazu genutzt, ein sprachlich einfaches Informationsbuch für den Unterricht an Grund- und Förderschulen zu erstellen.

Sonderschullehrerin Claudia Ressing (l.) und Sonderschulrektor Wolfgang Janus stellten den Ordner „Schalom! Judentum heute“ mit Materialien für den Unterricht an Grund- und Förderschulen Landrätin Eva Irrgang vor. Foto: Thomas Weinstock/Pressestelle Kreis Soest

Sonderschullehrerin Claudia Ressing (l.) und Sonderschulrektor Wolfgang Janus stellten den Ordner „Schalom! Judentum heute“ mit Materialien für den Unterricht an Grund- und Förderschulen Landrätin Eva Irrgang vor. Foto: Thomas Weinstock/Pressestelle Kreis Soest

Ausgangspunkt bildete eine Ausschreibung des Leo-Baeck-Programms der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (evz). Die Stiftung war im Zusammenhang mit der Entschädigungsleistung für Zwangsarbeiter gegründet worden. Mit verschiedenen Programmen fördert sie die Erinnerungsarbeit von Schulen, Bildungseinrichtungen und Initiativen. Es wurden Projekte gesucht, die es ermöglichen, das Leben der jüdischen Gemeinden in Deutschland heute verschiedenen Personengruppen näher zu bringen. Der Projektvorschlag der beiden Lippstädter Sonderschullehrer, ein Informationsbuch in Leichter Sprache zu erstellen und damit die Projektarbeit mit geistig behinderten Schülerinnen und Schülern zu diesem Thema zu dokumentieren und zu unterstützen, erhielt den Zuschlag für eine Förderung.

Die Schülerinnen und Schüler einer Oberstufenklasse der Don-Bosco-Schule setzten sich im Unterricht mit der Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Lippstadt auseinander, besuchten die Synagogen in Paderborn und Dortmund und erarbeiteten sich Kenntnisse über den jüdischen Glauben. „Der Unterricht konnte dabei nur in begrenzter Form auf bereits vorliegendes Unterrichtsmaterial zum Thema zurückgreifen“, erläutert Schulleiter Wolfgang Janus. „Dies stellte oft sprachlich eine deutliche Herausforderung dar, so dass Umarbeitungen, klarere Strukturierungen und handlungsorientierte Aufgabenstellungen entwickelt werden mussten. Die Unterrichtsmaterialien haben daher bereits einen Praxistest durchlaufen und wurden anschließend noch einmal überarbeitet und optimiert.“

In Zusammenarbeit mit dem gebürtigen Lippstädter Thomas Loy, Diplom-Grafiker und Berufsschullehrer am Adolph-Kolping-Berufskolleg in Münster, und seinen Schülerinnen und Schülern zweier Ausbildungsklassen für angehende Mediengestalter wurde das Layout entwickelt, die grafische Umsetzung von Aufgabenstellungen erstellt und die Druckvorlage gefertigt. Für die angehenden Mediengestalter eine sehr praxisnahe Aufgabe, die auch eine vertiefende inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Judentum bedeutete. Mit der Vorlage des fertig gedruckten Unterrichtsmaterials, das als Ordner gegen eine Schutzgebühr von 15 Euro an der Don- Bosco-Schule erworben werden kann, wird eine fast zweijährige Zusammenarbeit abgeschlossen.

Die sprachliche Aufarbeitung orientiert sich an den Regeln für Leichte Sprache. Mit Leichter Sprache wird das Bemühen bezeichnet, sich möglichst verständlich auszudrücken. Um dies zu erreichen, berücksichtigt Leichte Sprache Regeln und Grundsätze, wie zum Beispiel die Verwendung von kurzen Sätzen mit nur einer Aussage. Fremd- und Fachwörter werden erklärt. Lange Worte durch Bindestriche gegliedert. Texte werden übersichtlich gestaltet. Wolfgang Janus: „Sachverhalte in Leichter Sprache auszudrücken und darzustellen, stellt eine deutliche Herausforderung dar und hat nichts mit Kindersprache zu tun. Sie hat einen hohen Stellenwert für all diejenigen, die sich sprachlich nicht so komplex ausdrücken können und nur über eine gering ausgebildete Lesekompetenz verfügen. Leichte Sprache will Teilhabe ermöglichen und ist ebenso bedeutend, wie der Abbau von Barrieren für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen.“

Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, die sich farblich unterscheiden. Breiten Raum nimmt die Information über den jüdischen Glauben ein. Auf einzelnen Seiten werden zentrale Begriffe und Symbole des Judentums erklärt und mit Zeichnungen verdeutlicht. Mit Hilfe von kleinen Aufgaben kann das Textverständnis geprüft und gesichert werden. Der Wert und die Kostbarkeit einer Thorarolle werden zum Beispiel verdeutlicht, wenn Schüler aufgefordert werden, einen Text fehlerfrei abzuschreiben. Fotografien von Unterrichtsgängen und Informationen über die jüdischen Gemeinden in Dortmund und Paderborn machen deutlich, dass die erworbenen Informationen im Leben der Juden in Deutschland eine wichtige Bedeutung haben. Weitere Informationen und Anregungen für die Unterrichtsarbeit vermitteln Kapitel zu jüdischen Festen, zu jüdischer Kultur und zum Gedenken an den Holocaust.

Die Auseinandersetzung mit dem jüdischen Glauben ist ein Teil der Erinnerungsarbeit an der Don-Bosco-Schule. !n den vergangenen Jahren wurde bereits zum Thema Euthanasie, Menschenrechte und eben auch Judentum gearbeitet. In diesem Zusammenhang sind Schülerinnen und Schüler in Wettbewerben für ihre Arbeit ausgezeichnet worden. Im Jahr 2012 wurden sie als UNICEF-Junior-Botschafter in der Frankfurter Paulskirche ausgezeichnet. In 2013 erhielt eine andere Schülergruppe für ihren künstlerischen Entwurf zu dem Wettbewerb „andersartig gedenken“ eine Auszeichnung in Berlin.

Quelle: Kreis Soest