Print Friendly, PDF & Email

Kreis Soest. „Ich habe mich immer wieder beworben. Doch mein Selbstwertgefühl wurde durch die vielen Absagen stetig weniger“, schildert Sergej Kraus, Bürgerarbeiter im Seniorenwohnheim „St. Annen-Rosengarten“ in Lippstadt.

Dann habe ich an dem Projekt Bürgerarbeit des Jobcenters teilgenommen und mich um eine Bürgerarbeitsstelle hier im Caritas-Wohnheim beworben. Eigentlich habe ich mir die Arbeit nicht zugetraut, aber ich hatte ja nichts zu verlieren. Inzwischen bin ich froh, diesen Schritt gemacht zu haben, denn die Arbeit zeigt mir, dass ich gebraucht werde.

Gemeinsam ziehen sie eine erste positive Bilanz der Bürgerarbeit: Martin Steinmeier (Jobcenter AHA, v.l.), Walburga Korte (Caritasverband Soest), Stefan Hüttenschmidt (Projektleiter Jobcenter AHA), Renate Rübbelke-Kösters (Bürgerarbeiterin Kinderschutzbund Rüthen), Gisela Erdmann (Kinderschutzbund Rüthen) und Sergej Kraus (Bürgerarbeiter im Caritas-Seniorenwohnheim). Foto: jobcenter aha

Ähnliche Erfahrungen haben auch die anderen über 70 Bürgerarbeiter im Kreis Soest gemacht, die seit März 2011 ihre Arbeit aufgenommen haben. Sie unterstützen soziale Einrichtungen, Kommunen, Vereine, Verbände und Stiftungen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. „Wichtig ist, dass die Bürgerarbeiter nur Aufgaben übernehmen, die zusätzlich und gemeinnützig sind und keine regulären Jobs verdrängen. Herr Kraus organisiert zum Beispiel Angebote wie Spazierengehen, Gedächtnistraining oder Vorlesen für die Seniorinnen und Senioren, für die das Stammpersonal nur wenig oder keine Zeit hat“, betont Martin Steinmeier, Geschäftsführer des Jobcenters Arbeit Hellweg Aktiv (AHA). „Das Ziel der Bürgerarbeit ist, langfristig die arbeitsuchenden Frauen und Männer wieder an den regulären Arbeitsmarkt heranzuführen und ihnen durch die entstehenden sozialen Kontakte, die Berufserfahrungen und ein neues Netzwerk den Weg dorthin zu erleichtern.

Auch der Kinderschutzbund in Rüthen hat vor neun Wochen eine Bürgerarbeiterin als Unterstützung für die eigene Arbeit eingestellt. Seitdem entlastet Renate Rübbelke-Kösters das Team vor Ort. „Ich bin früh Mutter geworden und habe dann lange nicht gearbeitet. Die Bürgerarbeit gibt mir die Gelegenheit, etwas Gutes zu tun und gleichzeitig Berufserfahrung zu sammeln“, erzählt die 44-Jährige. „Diese neue Stelle ist wie eine Berufung für mich.“ Auch die Leiterin des Kinderschutzbundes in Rüthen, Gisela Erdmann, ist begeistert von dem neuen Projekt. „Für uns ist das Gute an der Bürgerarbeitsstelle, dass sie langfristig angelegt ist. Die Bürgerarbeiterin hat so die Chance, ein Vertrauensverhältnis zu den Kindern aufzubauen“, erläutert sie. „Außerdem haben wir bei Frau Rübbelke-Kösters sofort gemerkt, dass ihr die Arbeit mit den Kindern Freude macht. Sie ist ein echter Glückstreffer für uns.

Der Bürgerarbeiter Sergej Kraus unterhält sich mit der Seniorin Irmgard Goebel. Foto: jobcenter aha

Das Projekt Bürgerarbeit richtet sich an langzeitarbeitslosen Menschen, die Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) erhalten. Durch eine intensive Beratung und Betreuung sollen diese wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. „In einer sechsmonatigen Aktivierungsphase beschäftigen sich die Teilnehmerinnen und Teil-nehmer intensiv mit der aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt und qualifizieren sich gezielt für offene Stellenangebote. Erst wer nach diesen sechs Monaten keine Arbeits-stelle gefunden hat, kann sich auf einen Bürgerarbeitsplatz bewerben“, erläutert Steinmeier. „Im Kreis Soest können bis zu 100 Stellen eingerichtet werden.“ Das Modellprojekt Bürgerarbeit wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Europäischen Sozialfonds gefördert. Insgesamt gibt es bundesweit 34.000 Bürgerarbeitsstellen.

Quelle: Pressestelle Kreis Soest