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Kreis Soest. Sagen der Mauerbau 1961, seine Vorgeschichte und seine Kon- sequenzen der heutigen Generation noch etwas? Antworten auf diese Frage boten während der Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit am Montag [3. Oktober 2011] im Kreishaus, die gemeinsam vom Kreis Soest und vom Inter-nationalen Garnisons-Club Soest (IGCS) veranstaltet wurde, Schülerinnen und Schüler der Stufe 13 des Wirtschaftsgymnasiums des Hubertus-Schwartz-Berufskollegs Soest.

Sie hatten das Thema zusammen mit ihrem Lehrer Ulrich Nettelhoff im Geschichts-unterricht aufgearbeitet. Den 150 Gästen führten sie die historischen Ereignisse vor runden 50 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen. Das Ulbricht-Zitat „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ prangte ebenso auf einem Um- zugskarton wie das mittlerweile geflügelte Wort „Wir sind ein Volk“, das für die friedliche Revolution und den Fall der Mauer steht. Aus insgesamt acht solcher „Mauersteine“ mit historischen Schlaglichtern bzw. Überschriften bildeten die Schülerinnen und Schüler den Grenzwall symbolisch nach, bevor sie ihn wieder zum Einsturz brachten. Dann wurde ein neuer Stein mit der Überschrift „Blickwinkel heute“ gesetzt.

Ein Programmpunkt von Schülerinnen und Schüler der Stufe 13 des Wirtschaftsgymnasiums des Hubertus-Schwartz-Berufskollegs Soest stand im Mittelpunkt der Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit am Montag, 3. Oktober 2011, im Kreishaus. Aus insgesamt acht „Mauersteinen“ mit historischen Schlaglichtern bzw. Überschriften bildeten sie den Grenzwall symbolisch nach, bevor sie ihn wieder zum Einsturz brachten. Foto: Thomas Weinstock/Kreis Soest

Die Schülerinnen und Schüler stellten Ergebnisse einer spontanen, nicht repräsentativen Umfrage unter Gleichaltrigen vor. Inhalt waren Faktenwissen zum Mauerbau, persönliche Berührungs-punkte mit Ostdeutschland und geschichtliche Bewertung bzw. Betroffenheit. Ihr Fazit: Bei den im vereinten Deutschland geborenen Jugendlichen gibt es zwar teilweise Wissenslücken über die Teilungsgeschichte und die persönliche Betroffenheit ist weniger greifbar als bei den älteren Generationen. Doch ist dies auch Ausdruck einer neuen Normalität, die nach mehr als 20 Jahren Beleg für ein gelungenes Zusammen-wachsen ist.

Ein Zwangsregime hat keine dauerhafte Zukunft, diese Hoffnung lehrt die Geschichte der Mauer“, betonte Landrätin Eva Irrgang in ihrer Begrüßung. Insofern sei der Tag der deutschen Einheit ein Feiertag der Demokratie. „Wir alle haben den Auftrag, die Erinnerung wach zu halten, denn der Schrecken, der von der Mauer ausging, ist für viele heute nicht mehr vorstellbar. Das Bewusstsein für die Revolution, für den Um- bruch, den eine ganze Nation, ja, die ganze Welt in seinen Grundfesten verändert hat, darf nicht verloren gehen“, forderte Frau Irrgang. „Ich bin froh, dass wir eine neue Form der Veranstaltung gefunden haben, und junge Menschen, die im Geschichtsunterricht dieses Thema durchgenommen haben, einen Programmpunkt gestalten.“ Der IGCS- Vorsitzende, Oberstleutnant d. R. Dirk Pälmer, erinnerte an die 136 Mauertoten: „Ein Name steht für sie alle, Peter Fechter, erschossen im August 1962 bei Versuch die Mauer zu überwinden.

Landrätin Eva Irrgang (3. v. l.) und der Vorsitzende des Internationalen Garnisons-Club Soest (IGCS), Oberstleutnant d. R. Dirk Pälmer (hinten r.), bedankten sich bei den Schülerinnen und Schülern und ihrem Geschichtslehrer Ulrich Nettelhoff (hinten 2. v. r.) für den gelungenen Beitrag zur Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit am Montag, 3. Oktober 2011, im Kreishaus. Foto: Thomas Weinstock/Kreis Soest

Mit der Feierstunde wurde auch die Plakatausstellung „Die Mauer. Eine Grenze durch Deutschland“ eröffnet, die bis zum 30. Oktober 2011 im Kreishaus zu sehen ist. Es handelt sich um eine Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Zeitungen „Bild“ und „Die Welt“. 20 großformatige Plakate erzählen die Geschichte sowohl der innerdeutschen Grenze als auch der Berliner Mauer. Die Aus- stellung zeigt eindrückliche Fotos und Dokumente aus den Archiven der beiden Zeit- ungen, die teilweise erstmals nach Jahrzehnten wieder gezeigt werden. Die Autoren beschreiben das SED-Grenzregime und seine Opfer, die Haltung der Westmächte zum Mauerbau, Fluchten und Fluchthilfe, den Alltag entlang der innerdeutschen Grenze und in der geteilten Stadt wie auch die glückliche Überwindung der Teilung mit der Fried-lichen Revolution des Jahres 1989. Den Abschluss bildet die juristische Aufarbeitung der Grenze durch Deutschland mit den Mauerschützenprozessen.

Die musikalische Umrahmung der Feierstunde übernahmen der Soester Männerchor Concordia 1879 und der Kverneland Accord Chor unter der Leitung von Stefan Madrzak.

Quelle: Pressestelle Kreis Soest