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Kreis Soest. Während einer Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit machte Landrätin Eva Irrgang darauf aufmerksam, dass Korea immer noch durch Mauern und Stacheldraht in Nord und Süd geteilt ist und sprach von einer Trennung, die schmerzhaft und lebendig sei. Die Feierstunde fand am 3. Oktober 2012 im Foyer des Kreishauses statt. Eine Plakatausstellung zeigt anhand von Zeichnungen und Fotos die unmenschlichen Zustände im nordkoreanischen Gulag.

Die Feierstunde wurde gemeinsam vom Kreis Soest und dem Internationalen Garnisons-Club Soest (IGCS) organisiert. Als Festrednerin begrüßte Eva Irrgang die aus Korea stammende Soun-Kyoung Beck, Vizepräsidentin der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft e. V. und Vorsitzende des Regionalverbandes NRW. Deren Rede über ihr Heimatland rief bei den rund 150 Gästen Erinnerungen an die deutsche Geschichte wach.

Oberstleutnant der Reserve Dirk Pälmer, Vorsitzender des IGCS (l.), Landrätin Eva Irrgang (r.) und Festrednerin Soun-Kyoung Beck (Mitte) während der Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit im Soester Kreishaus. Foto: Thomas Weinstock/Kreis Soest

Über die Freude der Wiedervereinigung in Deutschland dürfen wir die Situation eines geteilten Landes nicht vergessen, wo Armut und Wohlstand, Unterdrückung und Freiheit sich gegenüber stehen“, betonte Frau Irrgang in ihrem Grußwort . „40 Jahre erlitten Deutschland und Korea ein ähnliches Schicksal: die Teilung des Vaterlandes durch fremde Mächte. Die Bundesrepublik Deutschland hat die Einheit wieder gefunden. Die Gemeinsamkeit, bei sicher unterschiedlicher historischer Ausgangs- lage, legt Deutschland besondere solidarische Verpflichtung gegenüber Korea auf.“ Die Landrätin gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass es eines Tages auch eine friedliche Wiedervereinigung im geteilten Korea geben werde, denn die Teilung Koreas könne keine Zukunft haben.

Dirk Pälmer, Oberstleutnant der Reserve und Vorsitzender des Internationalen Garnisons-Club Soest, appellierte in seinem Grußwort, über das große Glück mit der eigenen jüngeren Geschichte nicht den Blick für das Schicksal anderer Staaten zu verlieren, die ähnliche Entwicklungen genommen hätten und bis heute den letzten entscheidenden Schritt nicht hätten gehen können oder dürfen. In der Teilung Nord- und Südkoreas, ebenfalls als Folge des zweiten Weltkrieges, sieht Pälmer Parallelen zur deutschen Geschichte. Das demokratische Südkorea habe sich zu einem prosperierenden Staat mit stark wachsender Wirtschaft entwickelt. Und Nordkorea, wo Diktatur sowie Menschenverachtung und Misswirtschaft zum Tagesgeschehen gehören, sei genau so wenig ein demokratischer Staat wie die ehemalige DDR. „Das Beispiel Korea muss uns tägliche Mahnung sein, die eigene Wiedervereinigung als außergewöhnlichen Glücksfall der Geschichte zu sehen und bei allen Schwierigkeiten, die dieser Prozess mit sich brachte und in Teilen immer noch bringt, täglich an der Vollendung der deutschen Einheit auch in den Herzen aller Deutschen zu arbeiten, jeder in seinem persönlichen Umfeld und alle zusammen im großen Ganzen“, betonte Pälmer.

Landrätin Eva Irrgang (2. v. l.) eröffnete gemeinsam mit Soun-Kyoung Beck (2. v. r.), Vizepräsidentin der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft e. V. und Vorsitzende des Regionalverbandes NRW, sowie Oberstleutnant der Reserve Dirk Pälmer (l.), Vorsitzender des Internationalen Garnisons-Club Soest, Fregattenkapitän der Reserve Jochen Siering (3. v. l.) und Kreisdirektor Dirk Lönnecke (r.) die Plakatausstellung „Free The North Korean Gulag“, die noch bis zum 19. Oktober 2012 im Galeriebereich des Kreishaus-Foyers zu sehen ist. Foto: Thomas Weinstock/Kreis Soest

Die im Rheinland lebende Koreanerin Soun-Kyoung Beck hatte als Titel ihrer Festrede „Die deutsche Einheit aus dem Blickwinkel Koreas“ gewählt. Sie zeigte in ihrer Rede auf, warum die Deutsche Einheit so wichtig für Korea ist. Korea habe gesehen, dass die Einheit Deutschlands friedlich und durch Bürgerinitiativen entstanden sei. Auch Südkorea wünsche sich nichts mehr als eine friedliche Wiedervereinigung und glaube fest daran.

Für eine Wiedervereinigung seien auch gute Freunde notwendig und Deutschland zähle zu den ersten und besten Freunden Südkoreas. Eine Wiedervereinigung sei auch teuer, aber einen zu hohen Preis für die Freiheit gebe es nicht.

Soun-Kyoung Beck sprach auch über die Situation in Nordkorea, das seit seiner Gründung im Jahre 1948 in der dritten Generation durch die Diktatoren-Familie Kim regiert wird. Sie beleuchtete die Diktatur mit ihren sechs politischen Häftlingslagern und den schwierigen und gefährlichen Informationsfluss zwischen den beiden geteilten Ländern, zwischen denen es seit 1948 keinen Postverkehr mehr gibt. Sie verwies auch auf die unterschiedlichen Interessen der Nachbarländer China und Japan, die einerseits an den wertvollen Bodenschätzen in Nordkorea (China) und anderseits nicht an einem weiteren wirtschaftlichen Wachstum Südkoreas (Japan) interessiert seien. Aus all diesen Gründen sei unbedingt ein friedlicher Dialog auf der koreanischen Halbinsel zwischen Nord und Süd notwendig, um die Teilung zu überwinden.

Im Anschluss eröffneten Landrätin Eva Irrgang und Soun-Kyoung Beck die Plakat-ausstellung „Free The North Korean Gulag“, die anhand von Zeichnungen und Fotos die unmenschlichen Zustände im nordkoreanischen Gulag, einem System schrecklicher Straflager mit 200.000 politischen Gefangenen thematisiert. Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Oktober 2012 im Galeriebereich des Kreishaus-Foyers zu sehen.

Durch die Feierstunde moderierte Fregattenkapitän der Reserve Jochen Siering. Den musikalischen Rahmen gestalteten der Soester Männerchor Concordia 1879 und der Kverneland Accord Chor unter der Leitung von Stefan Madrzak.

Quelle: Pressestelle Kreis Soest