Kreis Soest: „Adlerauge“ sieht für Blinde

Kreis Soest. Der Zuwendungsbescheid ist da, jetzt kann’s losgehen: Der Kreis will zusammen mit der Soester Wirtschaftsförderung (GfW) im Rahmen des zweijährigen Projekts „Guide4Blind – Neue Wege für und mit dem Tourismus auch für blinde und sehbehinderte Menschen“ die Region in eine einzigartige barrierearme touristische Destination für blinde und sehbehinderte Menschen verwandeln.

„Guide4Blind“ wird mit 1,6 Mio. Euro über den Wettbewerb Erlebnis.NRW durch Land bzw. EU und den „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ gefördert.

Was für viele Menschen selbstverständlich ist, stellt für blinde und sehbehinderte, aber auch für Menschen mit anderen Einschränkungen oft eine große Hürde dar. Wo finde ich was in der Stadt? Wie komme ich dahin? Ist der Weg gefährlich für mich? Antworten sollen hochgenaue Navigations- und Kartendienste, aber auch kommunizierende Systeme geben, die als Pilot für Deutschland entwickelt werden.

Projektleiter Jörn Peters, Projektmitarbeiter Edip Kartal, Firmenchef Dr.-Ing. Johannes Ludwig und der Soester Wirtschaftsförderer Ferdinand Griewel (v. l.) vor dem „Adlerauge“. Das Fahrzeug erfasst mit hochauflösenden Kamerasystemen die notwendigen Daten für das Projekt „Guide4Blind“. Foto: Großevollmer/Kreis Soest

Das Berliner Unternehmen eagle eye technologies unter Leitung von Dr.-Ing. Johannes Ludwig macht diese Dienste möglich. Ihr von der Soester Firma Ludwig und Schwefer entwickeltes „Adlerauge“, will sagen auf einem Fahrzeug installierte hochauflösenden Kamerasysteme in Kombination mit einem eigens entwickelten hochpräzisen Navigationssystem, erfasst alles auf und neben der Straße, von der Ampel bis zum Zebrastreifen. „Anders als bei Google Street View muss allerdings niemand befürchten, dass Fotos mit persönlichem Inhalt an die Öffentlichkeit gelangen. Der Zweck dieser hochgenauen photogrammetrischen Vermessung besteht nur darin, den genannten Personengruppen das Leben zu erleichtern“, betont Diplom-Ingenieur Jörn Peters, Projektleiter im Kreishaus.

Hindernisse, Fußgängerüberwege, aber auch die Beschaffenheit der Straße (Kopfsteinpflaster, Schotter, Steigungen) können dezimetergenau in Karten dargestellt werden. Die eagle eye technologies GmbH gilt als eines der technologisch führenden Erfassungssysteme in Europa. Sie ging erfolgreich aus einem europaweiten Wettbewerbsverfahren hervor, an dem sich 30 hochspezialisierte Straßenerfassungsunternehmen beteiligt hatten.

Die gewonnenen Daten dienen als Grundlage für eine komfortable Navigation. Der Blinde oder Sehbehinderte soll mit kleinen, mobilen Navigationsgeräten, die ebenfalls im Projekt entwickelt werden, ohne Einschränkungen durch die Stadt laufen und problemlos den Hauseingang des Arztes seiner Wahl, der bevorzugten Gaststätte oder auch die Bushaltestelle finden. Gleichzeitig kann er historische Informationen abrufen und seinen individuellen Stadtrundgang zusammenstellen.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Kreisstadt Soest, in der das Förderzentrum für blinde und sehbehinderte Menschen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zu Hause ist. Geplante Tandemrouten berühren auch die Städte und Gemeinden Bad Sassendorf, Möhnesee, Welver, Lippetal, Erwitte, Anröchte und Warstein. Denn barrierearme Angebote mit Vorbildfunktion bietet die Freizeitregion Kreis Soest schon jetzt. So die gemeinsame Initiative „Ride4Blind“ von Bürgerstiftung Hellweg, ADFC-Kreisverband und Kreis Soest, in der Bürgerinnen und Bürger als sehende Piloten blinde Menschen auf dem Tandem mitnehmen. Ebenso werden in Soest erlebnisorientierte Altstadtführungen für blinde Menschen angeboten.

Vereine, Behindertenverbände und -beauftragte sowie Kommunen leisten wichtige und wertvolle Beiträge. Das LWL-Berufsbildungswerk Soest mit seinen vielfältigen Kompetenzen unterstützte schon die Initiative „NAV4BLIND – Navigation für blinde und sehbehinderte Menschen“ des Kreises Soest, deren Ableger „Guide4Blind“ ist.

Quelle: Pressestelle Kreis Soest

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Veröffentlicht von: Redaktion am 11. Mrz 2010 und wurde einsortiert unter:
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