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Hochsauerlandkreis / Olsberg. Im Notfall können schon wenige Sekunden über die Überlebenschancen eines Menschen entscheiden. Eine zügige medizinische Versorgung in Notsituationen ist daher unabdingbar. Obwohl viele Menschen bereits einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben, bestehen oftmals Unsicherheiten oder die Angst, in Notsituationen „falsch“ zu handeln.

In einem Antrag an den Kreistag im Hochsauerland fordert die Junge Union, das System „Mobile Retter“ nach erfolgreichen Testphasen in den Kreisen Unna und Gütersloh nun auch im Hochsauerlandkreis einzuführen. Bei der App „Mobile Retter“ handelt es sich um ein Smartphone-basiertes Rettungssystem. Qualifizierte Ersthelfer, so z.B. Feuerwehrmänner, Rettungssanitäter, Krankenschwestern, Polizisten oder Ärzte, können diese App auf ihrem Smartphone installieren und sich als „Mobiler Retter“ registrieren.

Die App soll den regulären Rettungsdienst keineswegs ersetzen, sondern ihn ergänzen und Leben retten. Das System bietet die Chance, schneller vor Ort zu sein und somit schneller mit der Wiederbelebungsmaßnahme zu beginnen“, beschreibt Thomas Becker, Kreisvorsitzender der Junge Union Hochsauerland.

Mobile Retter schneller als Rettungsdienst

In Deutschland werden etwa 75.000 Einsätze jährlich mit der Diagnose Herz-Kreislauf-Stillstand gemeldet. Schon eine Zeit von fünf Minuten, die zwischen Aussetzen der Sauerstoffversorgung des Gehirns und der Wiederbelebungsmaßnahme vergeht, kann schwerwiegende Hirnschäden hervorrufen. Bestimmte, qualifizierte Handgriffe können hier lebensrettend sein. Doch wie kann Lebensrettung per Smartphone funktionieren? Kommt es zu einem Notruf mit der Diagnose Herz-Kreislauf-Stillstand, kann die zuständige Leitstelle die Mobile-Retter-App aktivieren.

Der Kreisvorsitzende der Jungen Union Hochsauerland Thomas Becker und das CDU-Kreistagsmitglied Bernd Schulte. Foto: © Junge Union Hochsauerland

Der Kreisvorsitzende der Jungen Union Hochsauerland Thomas Becker und das CDU-Kreistagsmitglied Bernd Schulte. Foto: © Junge Union Hochsauerland

Zeitgleich wird ein Krankenwagen zum Einsatzort geschickt. Nach der Aktivierung ortet die App die mobilen Retter in der Umgebung des Einsatzortes. Anhand eines schrillen Alarm-Tons wird der mobile Retter in nächster Umgebung auf den Notfall hingewiesen und gibt daraufhin eine Rückmeldung, ob er erste Hilfe leisten kann. Wird das vom jeweiligen mobilen Retter bestätigt, bekommt er die relevanten Einsatzdaten per App übermittelt und begibt sich zum Einsatzort. Dort kann der mobile Retter mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen und übergibt bei deren Eintreffen den Einsatz an das Rettungsdienstpersonal.

Das Netz an Rettungswachen ist gut ausgebaut, dennoch liegen die Vorteile einer Installation im Hochsauerlandkreis auf der Hand. Bernd Schulte, Mitglied des Kreistages für die CDU und Bezirksvorsitzender der JU Südwestfalen, betont: „Gerade bei uns im ländlichen Raum können die Fahrtzeiten des Rettungsdienstes manchmal etwas länger dauern. So vergehen Minuten, die über das Überlegen des Patienten entscheiden können. Wenn durch die Mobile-Retter-App auch nur ein Leben gerettet wird, hat sich die Einführung gelohnt.

Testphase im Kreis Gütersloh erfolgreich

Im Kreis Gütersloh ist die App seit Ende 2013 in Betrieb und ist seitdem Teil eines erfolgreichen Versorgungskonzepts. Auch die Wissenschaft hat sich der Thematik angenommen und stellt fest, dass das Konzept funktioniert: „In 57% der 522 durch die Rettungsleitstelle für die Stichworte „Bewusstlose Personen“ oder „Herz-Kreislauf-Stillstand ausgelösten Einsätze erfolgte eine Einsatzübernahme durch einen Mobilen Retter, bei 231 Einsätzen traf ein Mobiler Retter vor bzw. gleichzeitig mit dem Rettungsdienst ein“. Der Kreis Unna hat die App 2016 eingeführt.

Quelle: Junge Union Hochsauerland
Foto: © Junge Union Hochsauerland