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Hochsauerlandkreis. Am Montag [07. Januar 2013] kam es in Brilon zu zwei sogenannten Schockanrufen. Gegen 10:40 Uhr meldete sich ein unbekannter Mann telefonisch bei einer 42-jährigen Frau und versuchte sich in dem komplett in russischer Sprache geführten Telefonat als in einer Notlage befindlicher Verwandter auszugeben. Da die Angerufene jedoch um diese Masche wusste, brach sie das Gespräch ab. Es kam zu keiner Geldübergabe.

Etwa gegen 11:30 Uhr kam es zu dem zweiten Fall: Hier wurde ein 74-jähriger Briloner angerufen. Der männliche Anrufer gab sich als Rechtsanwalt aus und erzählte dem Opfer, dessen Enkel habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem zwei Kinder verletzt worden seien. Um eine sofortige Festnahme des Enkels abzuwenden, müsse sofort ein vierstelliger Betrag hinterlegt werden, der von einem Kurier abgeholt werde. Noch während des Telefongesprächs, etwa gegen 11:45 Uhr, erschien auch ein junger Mann an der Wohnanschrift des Opfers, dem dann auch Bargeld übergeben wurde. Das Telefonat wurde ebenfalls komplett in russischer Sprache geführt, die angezeigte Telefonnummer des Anrufers wies eine litauische Ländervorwahl auf. Die Notlage des Enkels war frei erfunden.

Eine Zeugin konnte im Rahmen der polizeilichen Fahndungsmaßnahmen einen Mann beschreiben, bei dem es sich potentiell um den Mann handelt, der das Geld bei dem Opfer abgeholt hat.

Der mutmaßliche Geldbote kann wie folgt beschrieben werden:

  • männlich
  • etwa 20 – 25 Jahre alt
  • ungefähr 170 Zentimeter groß
  • schlanke Statur
  • dunkle, kurze Haare
  • mitteleuropäischer Typ
  • schmales Gesicht
  • dunkel bekleidet mit einem Anorak
  • trug einen hellen Rucksack bei sich
  • machte einen gehetzten Eindruck
  • war der englischen Sprache mächtig

Die Polizei fragt: Wer hat den Mann gesehen? Wo hat sich der Mann vor und nach der Tat aufgehalten?

Sachdienliche Hinweise bitte an die Polizei Brilon unter der Telefonnummer 02961-90200. 

Seit längerer Zeit häufen sich in NRW und auch im Hochsauerlandkreis „Schock-Anrufe“ skrupelloser Betrüger bei überwiegend russischsprachigen, vor allem älteren Mitbürgern, um sie um ihre Ersparnisse zu bringen. Allein in NRW sind in diesem Jahr schon mehr als 100 Opfer um insgesamt rund 400.000 Euro betrogen worden.

So gehen die Betrüger vor:

Die Betrüger geben sich am Telefon meist in russischer Sprache etwa als Polizist, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt aus und schildern eine vermeintliche Notlage. Sie behaupten zum Beispiel, ein naher Verwandter des Angerufenen hätte einen Unfall verursacht und ein Kind schwer verletzt. Um zu verhindern, dass der Angehörige angezeigt und inhaftiert wird, müsse sofort eine vier- bis fünfstellige Summe gezahlt werden. Um noch glaubhafter zu wirken, spielt ein weiterer Täter am Telefon den in Tränen aufgelösten angeblich unfallbeteiligten Angehörigen und bittet eindringlich flehend um die Zahlung des verlangten Betrages.

Das völlig überrumpelte, unter Schock stehende Opfer sichert schließlich die Zahlung zu und händigt das Geld einem ihm unbekannten Abholer aus. Erst wenn die Geschädigten den ersten Schock überwunden und den vermeintlich betroffenen Angehörigen erreicht haben, stellen sie fest, dass sie Opfer einer ganz üblen Betrugsmasche geworden sind.

Die Anrufer gingen in vielen Fällen geschickt und vielfältig vor. Teilweise erfolgten „Ausspähungsanrufe“, die einzig dem Ziel dienten, die Familien-, Freundschafts- oder Bekanntenverhältnisse auszukundschaften und Namen zu erfahren. Der Anrufer ist einzig und allein auf das Geld aus. Die wie auch immer dargestellte Notsituation ist frei erfunden und entbehrt jeder Grundlage.

Die Polizeiliche Beratungsstelle der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis rät:

  • Gehen Sie konsequent nicht auf solche Forderungen ein!
  • Prägen Sie sich jedoch Stimme und sprachliche Besonderheiten des Anrufers ein!
  • Notieren Sie sich die im Display angezeigte Telefonnummer!
  • Übergeben Sie niemals Geld an Personen, die Sie nicht kennen!
  • Legen Sie einfach auf und rufen Sie die Ihnen bekannte Telefonnummer des Verwandten an!
  • Wenn Sie zu einem Rückruf aufgefordert werden: rufen Sie nicht zurück
  • Notieren Sie die Ihnen genannte Rufnummer, sie beginnt meistens mit der Vorwahl für Litauen 00370…
  • Verständigen Sie sofort über Notruf 110 die Polizei!
  • Wenden Sie sich sofort an die Polizei, wenn Sie Opfer wurden und erstatten Sie eine Anzeige!
  • Warnen Sie auch andere Mitbürger vor diesen Betrügern!

Quelle: Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis