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Bestwig. Eine Sitzgruppe am Wasser, ein Baum spendet Schatten – bei Sommerhitze finden Einheimische und Gäste an der renaturierten Ruhr in Velmede ab sofort einen „Logenplatz“. Das Team des Bestwiger Bauhofs hat hier einen Ort geschaffen, an dem man sich gerne aufhält – und so können die Verantwortlichen eine positive Zwischenbilanz des Renaturierungsprojektes ziehen.

„Logenplatz“ an der naturnah umgestalteten Ruhr: Umweltingenieur Friedhelm Koch (li.) und Bürgermeister Ralf Péus „testen“ die neue Sitzgruppe. Bildnachweis: Gemeinde Bestwig

„Logenplatz“ an der naturnah umgestalteten Ruhr: Umweltingenieur Friedhelm Koch (li.) und Bürgermeister Ralf Péus „testen“ die neue Sitzgruppe.
Bildnachweis: Gemeinde Bestwig

Im Frühjahr hatte die Gemeinde Bestwig im Bereich „Hinter Hegershof“ einen rund 200 Meter langen Abschnitt der Ruhr naturnah umgestaltet. Hier hat der Fluss so genannte „Nebengerinne“ und kleine Inseln erhalten, im Flussbett selbst befinden sich Störsteine und Totholz. „Eigentlich hat es hier ja gar keinen echten Flusslauf gegeben, sondern einen Staubereich“, weiß Friedhelm Koch, Umwelt-Ingenieur der Gemeinde Bestwig.

Davon ist jetzt nicht mehr viel zu spüren. „Hinter Hegershof“ findet die Tier- und Pflanzenwelt jetzt unterschiedlichste Lebensbereiche vor. Die Störsteine sorgen für Wasserverwirbelungen und gute Lebensbedingungen für Fische und Wasserlebenwesen im Flussbett; das Totholz bietet Schutz und Versteckmöglichkeiten gegen „Jäger“ wie etwa den Kormoran. Friedhelm Koch: „Ohne solches Totholz hätten es die Fische hier schwer.“ Im Herbst sollen zudem noch 45 Bäume gepflanzt werden – „sie tragen dazu bei, dass nicht zu viel Unterwuchs entsteht“, so der Umweltingenieur. Der Angelverein Velmede, der bereits 2800 Forellen in die Ruhr eingesetzt hat, hat zudem angekündigt, weitere Störsteine im Flussbett einzubringen. Friedhelm Koch: „Eine tolle Aktion, die wir gern unterstützen.“

Doch nicht nur für Tier- und Pflanzenwelt hat sich etwas getan. Als Ersatz für das Fußballfeld in den „Ruhrwiesen“ hat die Gemeinde Bestwig einen Bolzplatz angelegt, der Stück für Stück grün wird. Der neue Verlauf des Ruhrtalradwegs stoße zudem auf eine hohe Akzeptanz, weiß Bürgermeister Ralf Péus. Ziel der Gemeinde Bestwig sei es, den Radweg statt über die Straße „Unterm Schieferberg“ künftig direkt am Obergraben bis zur Kanalstraße zu führen, so das Gemeindeoberhaupt: „Das wäre eine sehr attraktive Strecke – und ganz ohne Steigungen.“ Und nicht zu vergessen sei, dass die Renaturierung auch ein Beitrag zum Hochwasserschutz sei: „In solchen Fällen gibt es hier nun deutlich mehr Überflutungsbereiche.“

Bereits die Ruhr-Renaturierung im „Sündenwäldchen“ habe viele positive Reaktionen aus der Bürgerschaft gebracht – Ralf Péus ist optimistisch, dass es „Hinter Hegershof“ ähnlich sein wird. Mit der Renaturierung erfüllt die Gemeinde Bestwig übrigens einen gesetzlichen Auftrag: Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet die Städte und Gemeinden dazu, die Flüsse in einen guten ökologischen Zustand zu entwickeln.

Die Gesamtkosten für die Renaturierung des Flussabschnitts zwischen Kardinal-Hengsbach- und „Holzbrücke“ betragen – mit der Gestaltung des Flussumfeldes – rund 256.000 Euro. 205.120 Euro stammen aus Landesmitteln; der Eigenanteil der Gemeinde Bestwig wird in Form von so genannten „Ökopunkten“ gutgeschrieben. Sie werden dringend benötigt, um andere Baumaßnahmen umsetzen zu können. Ralf Péus: „Insofern ist diese Renaturierung für die Gemeinde Bestwig kostenneutral – wie auch die anderen bereits fertig gestellten Projekte.“

Im Herbst soll dann mit dem Bereich „Hennenohl“ östlich der Holzbrücke ein noch größerer Abschnitt renaturiert werden – Ralf Péus: „Die Bürgerinnen und Bürger in Velmede und Bestwig haben dann ein wunderschönes Stück Flusslandschaft mitten im Ort – im Sauerland ist so etwas außergewöhnlich.“

Quelle: Gemeinde Bestwig