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Bestwig. Klar ist, dass sich zum Schuljahr 2014/15 etwas ändern wird in der Bestwiger Schullandschaft: Weil die Anmeldezahlen sinken, können Haupt- und Realschule in ihrer jetzigen Form nicht weitergeführt werden. An welcher Schulform die Jungen und Mädchen in der Gemeinde Bestwig künftig auf Beruf und Leben vorbereitet werden, soll sich in der Sitzung des Gemeinderates am 24. April entscheiden – das haben jetzt die Mitglieder des Schulausschusses einstimmig beschlossen.

Hintergrund: Für das kommende Schuljahr liegen an der Bestwiger Realschule nur 40, an der Hauptschule 25 Anmeldungen vor. Zu wenig, um die Schulen dauerhaft fortzuführen, machte Ines Verhaaren, zuständige Referentin der Arnsberger Bezirksregierung, deutlich. Dafür müsste es im Grundsatz an der Hauptschule 48, an der Realschule sogar 52 Anmeldungen geben: „Diese Zahl ist schon wiederholt nicht erreicht worden.“ Eine Ursache lieferte sie gleich mit: „Der demografische Wandel hat in Bestwig stark zugeschlagen.“ Für die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde bedeute das aber, dass gehandelt werden müsse: „Es wird Zeit, dass sich schulentwicklungsplanerisch etwas tut in Bestwig.“

Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Am Bestwiger Franz-Hoffmeister-Schulzentrum könnte der Teilstandort einer Sekundarschule entstehen. Die Sekundarschule steht im Zeichen längeren gemeinsamen Lernens. Durch Ganztagsangebote wird Schule nicht nur ein Lern-, sondern Lebensraum, in dem neben Wissensvermittlung besonders auch soziale Kompetenzen in den Vordergrund rücken. Da eine Sekundarschule mindestens dreizügig sein muss und dafür mehr als 75 Anmeldungen nötig sind, kommt eine eigene Sekundarschule für die Gemeinde Bestwig nicht in Frage. Für einen Teilstandort reicht aber eine Zweizügigkeit – und das sei realistisch, erläuterte Burkhard Koller, Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg. Ein Teilstandort bedeute zudem, dass die Gemeinde Bestwig die Schulträgerschaft behalten könne: „Die Möglichkeit eines Zweckverbands zum Beispiel schafft Mitspracherechte.“

Die andere Option: Die Gemeinde Bestwig könnte eine so genannte Primus-Schule einrichten. Das Schulministerium führt zurzeit einen entsprechenden Schulversuch durch, bei dem Kinder der Klassen 1 bis 10 gemeinsam lernen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet – allerdings: Die Gemeinde Bestwig müsste dann voraussichtlich zwei der derzeit drei Grundschulen im Gemeindegebiet auslaufen lassen. Zudem sei es wichtig, betonte Burkhard Koller, dass ein solcher Versuch intensiv von den Lehrerkollegien mitgetragen werde – er habe nicht den Eindruck, dass dies in Bestwig vorbehaltlos der Fall sei.

In der Tat sprachen sich in der Diskussion zahlreiche Ausschussmitglieder für die Sekundarschule aus. „Sie birgt mehr Verlässlichkeit“, so Martin Bracht (CDU). Das unterstrich auch Toni Franken, Leiter des Bestwiger Hauptschule: „Am Ende stehen zwei Grundschulen leer und der Schulversuch scheitert – die Sekundarschule bietet die größere Möglichkeit, hier vor Ort zu bleiben.“ Beide Fraktionen kritisierten den hohen Druck, der zurzeit von der Bezirksregierung auf die Gemeinde Bestwig ausgeübt werde – Birgit Bagaric (SPD): „Wir stehen förmlich mit dem Rücken zur Wand.“

Eine Entscheidung soll nun der Bestwiger Gemeinderat am 24. April fällen. Bis dahin soll die Gemeindeverwaltung erste Gespräche mit Nachbarkommunen über die Möglichkeit einer gemeinsamen Sekundarschule führen, so der einhellige Auftrag der Politiker. Parallel wollen die Fraktionen die beiden Möglichkeiten beraten – ausdrücklich werde dabei auch die Primusschule nicht ausgeschlossen.

Zudem machte Ausschussvorsitzender Manfred Ramspott deutlich, dass für die Eltern der jetzigen Haupt- und Realschüler kein Anlass besteht, sich Sorgen um die schulische Zukunft ihrer Kinder zu machen. Unabhängig von der künftigen Schulstruktur werden die beiden Einrichtungen nicht geschlossen, sondern sie laufen aus. Will heißen: Alle Schülerinnen und Schüler, die zurzeit Haupt- und Realschule in Bestwig besuchen oder dort angemeldet sind, können dort auch ihren Abschluss machen – ebenso wie alle Schülerinnen und Schüler an den Grundschulen, falls in Bestwig eine Primusschule eingerichtet werden sollte.

Die Ratssitzung am Mittwoch, 24. April, beginnt um 17 Uhr im Großen Bürgersaal des Bürger- und Rathauses. Sie ist öffentlich; alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind zur Teilnahme eingeladen.

Quelle: Gemeinde Bestwig