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Bestwig / Ramsbeck. Die Familie klettert ein wenig aufgeregt in den Waggon. Frank Hermes schließt mit einem Ruck das Gitter an der Seite. Wenig später gibt es einen weiteren Ruck – und dann geht es mit viel Geruckel aus dem Bahnhof die leichte Steigung hinauf in den Berg. Die Grubenbahn im Sauerländer Besucherbergwerk ist der Besuchermagnet schlechthin. Kaum ein Museumsbesucher lässt sich die Führung unter Tage entgehen.

Etwa 50.000 Leute fahren damit jedes Jahr ins Bergwerk ein“, erklärt Frank Hermes, der Museumsführer, Schlosser, Hausmeister und „Mädchen für fast alles“ ist, wie er selbst sagt. Und die Reaktionen sind eindeutig: „Alle sind begeistert.“ Der stählerne Zug mit Holzbänken rattert mit Batterieantrieb und gemütlichen 10 bis 12 km/h etwa 1.500 Meter weit in den Eickhoffstollen hinein.

Einmal im Monat wird jeder Waggon und jede Lok gewartet. Frank Hermes und seine Kollegen sorgen für Sicherheit und Fahrtüchtigkeit des Zuges. Foto: © Sauerländer Besucherbergwerk

Einmal im Monat wird jeder Waggon und jede Lok gewartet. Frank Hermes und seine Kollegen sorgen für Sicherheit und Fahrtüchtigkeit des Zuges. Foto: © Sauerländer Besucherbergwerk

Wer glaubt, ins Bergwerk ginge es steil abwärts, der irrt gewaltig: Insgesamt sieben Meter führt die Strecke – und zwar aufwärts – in den 730 Meter hohen Dörnberg hinein. Acht Minuten dauert die Einfahrt bergauf, sieben Minuten die Fahrt nach der 45minütigen Führung unter Tage wieder zurück zum Grubenbahnhof im Museumsgebäude.

Der Eickhoffstollen wurde 1926 fertiggestellt zur Beförderung von Baumaterial in den Dörnberg hinein. Die Grubenbahn wurde ab Mitte der dreißiger Jahre zu diesem Zweck gebaut. Hölzer für den Schacht wurden auf dem Holzplatz hinter dem jetzigen Museumsgebäude zugeschnitten. Als 1953 das heutige Museumsgebäude, das unter anderem eine neue Kaue beherbergte, fertig gestellt wurde, ging wenig später auch die Grubenbahn zum ersten Mal auf die Reise in den Eickhoffstollen. Anfangs gab es zwölf Personenwagen, die ähnlich wie die heutigen Waggons für Besucher aussahen, und zehn offene Transportwagen.

Foto: © Sauerländer Besucherbergwerk

Foto: © Sauerländer Besucherbergwerk

Vorher sind die Bergleute über Stollen 4 – das ist in Höhe des heutigen Tennisheims – zu Fuß in den Berg gegangen“, erläutert der 45-Jährige, der seit sechs Jahren im Sauerländer Besucherbergwerk arbeitet. Dort befand sich neben den Waschkauen für die Bergleute auch das Maschinenhaus für die Drucklufterzeugung. Das abgebaute Material wurde über kleinere Schächte hochgezogen und zur Aufbereitung über Tage befördert.

250 Kilometer Gleis sind unter Tage verlegt. „Wir können aber nur 1.700 Meter davon befahren. Ein großer Teil ist auf den tieferen Sohlen verlegt und steht heute unter Wasser“, betont Frank Hermes. Für die Experten: Die Spurweite des S30-Gleises beträgt 575 Millimeter. Der gehärtete Spurkopf, über den die Räder rollen, ist 65 Millimeter breit.

Heute ist neben einer Transportlok, die immer abfahrbereit im Bahnhof über Tage steht, ständig ein Zug zur Personenbeförderung mit acht Waggons im Einsatz. In jedem Waggon finden bis zu zwölf Personen Platz. Je eine Lok vorn und hinten sorgt für den Antrieb bei Ein- und Ausfahrt. Zur Sicherheit der Besucher, die nur mit Helm und blauem Kittel einsteigen dürfen, sind die Waggons nachträglich mit Gittern versehen worden.

Foto: © Sauerländer Besucherbergwerk

Foto: © Sauerländer Besucherbergwerk

Beim Einsteigen werden Fotos von den Besuchern geschossen, dann werden die Gitter geschlossen. Für Klaustrophiker ist die Tour unter Tage eher ungeeignet. Wem es dann zu eng wird, der sollte sofort Bescheid sagen. „Das kommt aber höchstens zehn bis 15 Mal im Jahr vor“, erzählt Frank Hermes.

Einmal pro Monat wird jeder Waggon unter die Lupe genommen. Zur Wartung wird der Wagen mit einem Kran hochgezogen. Räder, Radlager und Federn werden kontrolliert, der Zustand des Wagens und der Anhängerkupplung wird überprüft. Auch die drei Loks werden in diesem Rhythmus gewartet: „Wir müssen die Motoren abschmieren, Bremsen kontrollieren, die Batterien warten“, so der 45-Jährige. In der Winterpause des Museums geht es dann ans Eingemachte: Gleise werden ausgetauscht, das Gleisbett wird mit Schotter gestopft, damit das Gleis richtig liegt.

Foto: © Sauerländer Besucherbergwerk

Foto: © Sauerländer Besucherbergwerk

Das Erlebnis Grubenfahrt bleibt vor allem den Kindern nachhaltig im Gedächtnis. „Fragt man, was ihnen am besten gefallen hat, dann ist es fast immer die Fahrt mit der Grubenbahn und das Bohren mit der großen Maschine unter Tage“, lacht Frank Hermes. Und damit das auch so bleibt, wird Sicherheit immer groß geschrieben im Sauerländer Besucherbergwerk.

Quelle: Gemeinde Bestwig