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Bestwig / Olsberg. In ihrem Buch „Wüstenblume“ rückte die Autorin Waris Dirie vor wenigen Jahren das Thema der weiblichen Genitalverstümmelung in die Öffentlichkeit – und erschütterte damit Millionen von Leserinnen. Auch, wenn das Buch mittlerweile aus den Beststellerlisten verschwunden ist – die verharmlosend auch „Beschneidung“ genannte Genitalverstümmelung ist für zahllose Mädchen, vorwiegend in Afrika, grausame Realität. Die beiden Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde Bestwig und der Stadt Olsberg, Monika Kreutzmann und Andrea Busch, wollen nun in einer Gemeinschaftsveranstaltung über dieses Thema informieren.

Deshalb laden sie zu einem Info-Abend ein. Er findet am Donnerstag [21. Januar 2016] um 19 Uhr im Bürger- und Rathaus in Bestwig statt. Zu Gast ist die Meschederin Anne Rieden von der Hilfsorganisation Archemed, die sich gemeinsam mit Leticia M‘Peti-Speicher und Antje Thomas gegen die weibliche Genitalverstümmelung engagiert. Der gemeinnützige Verein „Archemed – Ärzte für Kinder in Not e.V.“ leistet medizinisch-humanitäre Hilfe für kranke Kinder in Eritrea. Neben rein medizinischen Projekten unterstützt Archemed in einer Vielzahl kleiner sozialer Projekte Kinder und deren Familien in verschiedenen Lebenslagen.

Seit dem Jahr 2015 führt Archemed in Eritrea ein durch die EU gefördertes Projekt gegen Genitalverstümmelung durch; Projektleiterin ist Anne Rieden aus Meschede, die gleichzeitig 2. Vorsitzende des Vereins ist. Trotz gesetzlichen Verbots und drastischer Strafandrohung ist Genitalverstümmelung in Eritrea nach wie vor weit verbreitet – häufig findet sie bei Mädchen zwischen vier und acht Jahren statt, vermehrt aber auch bei Säuglingen. Diese schwerwiegenden, äußerst gewalttätigen Eingriffe in den Körper eines Kindes hinterlassen schwerste physische und psychische Schäden.

Informieren in Bestwig über EU-Projekt gegen Genitalverstümmelung (vl.i.): Leticia M’Peti-Speicher, Anne Rieden aus Meschede und Antje Thomas. Foto: © Archemed

Informieren in Bestwig über EU-Projekt gegen Genitalverstümmelung (vl.i.): Leticia M’Peti-Speicher, Anne Rieden aus Meschede und Antje Thomas. Foto: © Archemed

Ziel von Archemed ist es, in einem ganzheitlichen Ansatz den Frauen in Eritrea ein Bewusstsein für die gesundheitlichen Risiken und Folgen zu vermitteln. Durch Aufklärungsarbeit soll so Vorkommen und Verbreitung von Genitalverstümmelung reduziert werden – ebenso wie die gesundheitlichen und langfristigen Folgen für die Frauen und deren Familien.

Anne Rieden engagiert sich seit vielen Jahren für Archemed und ist verantwortlich für die sozialen Projekte des Vereins. Durch regelmäßige Besuche in Eritrea hat sie eine intensive Kenntnis von Menschen, ihrer Kultur und ihren Denkweisen. Leticia M’Peti-Speicher ist gebürtige Kongolesin und Expertin für die soziokulturellen Hintergründe der weiblichen Genitalverstümmelung. Zudem vertritt sie Archemed im Projekt „Runder Tisch NRW gegen die Beschneidung von Mädchen“. Antje Thomas besucht gemeinsam mit Anne Rieden regelmäßig die Projektdörfer, um sich vor Ort über Projektfortschritt und Mittelverwendung zu informieren.

Die Gleichstellungsbeauftragten Monika Kreutzmann und Andrea Busch laden alle interessierten Frauen – inbesondere aus der Gemeinde Bestwig und der Stadt Olsberg – zu dem gemeinsamen Info-Abend ins Bestwiger Bürger- und Rathaus ein. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich; der Eintritt ist frei.

Quelle: Gemeinde Bestwig