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Bestwig. Was können wir als Verbraucher für mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in der einen Welt tun? Diese Frage stellten sich die Teilnehmer des fünften Missionarischen Forums im Bergkloster Bestwig. Die Schwestern der heiligen Maria Magdalena Pos-tel, die Bergkloster Stiftung SMMP und das Diözesankomitee des Erzbistums Paderborn hatten gemeinsam dazu eingeladen.

Die Referentin des Projekts „Faire Gemeinde“ im Erzbistum Paderborn, Hildegard Schäfer, führte ihnen in ihrem Eingangsreferat vor Augen, wieviel die Deutschen im Laufe eines Jahres wegwerfen: „Im Durchschnitt sind das pro Kopf rund 500 Kilo-gramm, also 1,4 Kilo am Tag. Darunter auch elf Kilo Kleidung, weil sie vielleicht nicht mehr der Mode entspricht. Dabei werden für den Anbau und die Verarbeitung von 1000 Gramm Baumwolle 25.000 Liter Wasser verbraucht.“ Ähnliche Bilanzen machte sie für Lebensmittel auf: „10 bis 20 Prozent des gebackenen Brotes werden in Deutschland täglich weggeworfen.“ Aber Bäcker, die ihre Ware in Supermärkten anbieten, müssten laut Vertrag oft bis 18.30 Uhr volle Regale vorweisen.

In der Rolle der Otto-Normal-Verbraucherin zeigt Hildegard Schäfer, was wir Deutsche alles wegwerfen, obwohl es noch funktionsfähig ist. Foto: © SMMP/Bock

In der Rolle der Otto-Normal-Verbraucherin zeigt Hildegard Schäfer, was wir Deutsche alles wegwerfen, obwohl es noch funktionsfähig ist. Foto: © SMMP/Bock

Anja und Marius Pötting versuchen einen anderen Weg. Sie betreiben den Vausshof in Scharmede, einen Bio-Betrieb, den sie als Genossenschaft organisieren. „Wir schlachten nur, was bei uns geboren werde, und wir verfüttern nur, was hier gewachsen ist“, betonte Marius Pötting. Ein Modell, das vom Aufwand und von der Effizienz gar nicht viel schlechter abschneiden müsse als das der Massentierhaltung – „wenn man vor allem die Transportwege und die entstehenden Probleme bei der Massentierhaltung einbezieht.“ Ähnlich sei es beim Anbau der Pflanzen.

Und auch Peter Loose, Leiter der Reparatur- und Renovierungs-AG am Walburgisgymnasium und an der Walburgisrealschule in Menden, rät zu mehr Achtsamkeit. „Neulich bekamen wir einen DVD-Plaver, der weggeworfen werden sollte, weil er das Fach nicht mehr öffnete. Dabei musste nur ein Schalter etwas unterfüttert werden, damit er wieder Kontakt bekommt.“ Kosten: Keine. Der Religions- und Geschichtslehrer schraubt mit seinen Schülern die Geräte auf und durchsucht sie zunächst von allen Seiten. Das mache die Jugendlichen neugierig: „Sie wollen wissen, warum das nicht funktioniert – und wie es überhaupt funktioniert. Eine Kompetenz, die in der Wegwerfgesellschaft kaum noch gefragt ist.“

Schwester Ruth Stengel (Mitte links) will von Anja und Marius Pötting wissen, wie sie die Arbeit auf dem Bio-Bauernhof bewältigen. Foto: © SMMP/Bock

Schwester Ruth Stengel (Mitte links) will von Anja und Marius Pötting wissen, wie sie die Arbeit auf dem Bio-Bauernhof bewältigen. Foto: © SMMP/Bock

Noch vor einigen Jahrzehnten habe man 40 Prozent des Einkommens für Lebensmittel aufgewendet. „Heute sind es 13 Prozent“, rechnete Hildegard Schäfer vor. Auch Kleidung sei im Vergleich viel preiswerter. Das sei nur möglich, weil wir auf Kosten armer Länder wirtschafteten. „Der Einsturz der Nähfabrik in Bangladesch vor zwei Jahren hat uns das eindrucksvoll vor Augen geführt.“ Doch der Lerneffekt bliebe aus. Papst Franziskus warne in seiner neuen Enzyklika Laudato si ausdrücklich: „Die Nahrung, die wir wegwerfen, wird vom Tisch der Armen geraubt.

Um erlebbar zu machen, woher unsere Nahrungsmittel kommen und ihnen mehr Wertschätzung entgegenzubringen, lädt Anja Pötting vor allem Kinder und Jugendliche auf den Vausshof ein. „Eure Hühner legen ja gekochte Eier“, habe ein Kind gestaunt, als das Ei, das die Henne hinterlassen hatte, noch warm war. Und eine Gruppe von Koreanern habe zum ersten Mal eine Birne vom Baum gepflückt und kaum glauben können, dass man die sofort essen kann.

Diese Beispiele zeigten, was man verändern und wie man sich für Nachhaltigkeit engagieren kann. „Die Kirchen können da mit gutem Beispiel vorangehen“, betonte Hildegard Schäfer – „denn sie sind der zweitgrößte Konsument, kaufen jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert von 40 bis 80 Milliarden Euro.“ Auch das Bergkloster geht jetzt einen großen Schritt in diese Richtung und hat sich deshalb für die Zertifizierung zur „fairen Gemeinde“ beworben.

Im Gespräch (v.l.): Anja und Marius Pötting, Moderator Winftried Meilwes, Peter Loose und Hildegard Schäfer. Foto: © SMMP/Bock

Im Gespräch (v.l.): Anja und Marius Pötting, Moderator Winftried Meilwes, Peter Loose und Hildegard Schäfer. Foto: © SMMP/Bock

Quelle: SMMP