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Bestwig / Ramsbeck. Am Samstag [18. April 2015] tagten die Kulturwarte des gesamten Sauerländischen Gebirgsvereins sowie die Fachstelle Geschichte im Westfälischen Heimatbund im Sauerländer Besucherbergwerk sowie dem Katholischen Pfarrzentrum in Ramsbeck. Der Hauptfachreferent Kultur Peter Kracht konnte 62 Kulturwarte und Heimatpfleger zu seiner bisher bestbesuchten Veranstaltung begrüßen.

Das Programm startete mit Reinhard Köhne, der unter dem Titel Montanwirtschaft im Sauerland einen Überblick aus seiner umfangreichen Forschungsarbeit gab. Vom römischen Bleibergbau bei Brilon bis zu den Eisenhämmern an den sauerländischen Flüssen zog er ein breites Panorama. Die vielen anschaulichen Bilder waren auch eine Anleitung zum Erkennen der Relikte beim Wandern. Anschließend führte Museumsleiter Sven-Hinrich Siemers anhand von Kulturdenkmalbildern durch die über 1.000-jährige Bergbaugeschichte Ramsbecks sowie die über 40-jährige Geschichte des Bergbaumuseums mit Besucherbergwerk.

Referenten Alfred Braun, Reinhard Köhne, Sven-Hinrich Siemers, Peter Kracht. Foto: © Förderverein Sauerländer Besucherbergwerk (Paul Gierse)

Referenten Alfred Braun, Reinhard Köhne, Sven-Hinrich Siemers, Peter Kracht. Foto: © Förderverein Sauerländer Besucherbergwerk (Paul Gierse)

War der Appetit somit schon angeregt, konnte Alfred Braun, Vorsitzender des Fördervereins Sauerländer Besucherbergwerk, auf das Erwandern der reichen Bergbaugeschichte Ramsbecks kommen. Er stellte den vom Förderverein geschaffenen Bergbauwanderweg als eine einmalige Kombination aus Landschaft und gut erhaltenen Denkmälern der Bergbaukultur vor. Seine ausführliche Schilderung der Planungen, Finanzierung und nicht zuletzt Pflege des Wanderweges bot den Teilnehmern einen tiefen Einblick in die Entstehung des Geschichtspfades. Es bleibt abzuwarten, ob er damit weitere Projekte in anderen Teilen des Sauerlandes anregen konnte.

Nach einer Stärkung in der Museumsgaststätte ‚Zur Lore‘ ging es dann zum praktischen Teil der Veranstaltung. Wie Anno 1955 ratterte die Elektro-Grubenbahn 1,5 km in das Bergesinnere. 300 Meter unterhalb des Aussichtsturmes auf dem Stüppel ging die Wanderung durch das alte Bergwerk und seine Erz-Fördereinrichtungen. Zurück in der Kaue, der Umkleide der Bergleute, führte Museumsleiter Siemers durch die neugestaltete Dauerausstellung des Bergbaumuseums. Die Objekte in den Vitrinen ergänzten dabei seine Ausführungen vom Vormittag.

Den Abschluss bildete das obligatorische Kaffeetrinken in der Maschinenhalle des Museums. Da das wunderschöne Wetter auch zu so fortgeschrittener Stunde zum Wandern einlud, führte Alfred Braun die Gäste aus allen Teilen des Sauerlandes noch ein kleines Stück über den Bergbauwanderweg zur alten Bleihütte mit dem nachgebauten Pochwerk.

Ramsbeck – ein Ort mit über 1.000-jähriger Bergbautradition

  • ohne direkten Nachweis Beginn vermutlich noch in der Karolingerzeit (9.Jh.)
  • Am Bastenberg in einem Stollen seit mindestens Ende 10. Jh. Bergbau
  • Der Venetianerstollen datiert in das 11. bis 13. Jh.
  • 1313 Erstnennung des Ortes Ramsbeck
  • Im 15. Jh. ein Freigraf zu Fredeburg namens „de Ramsbecke“
  • Im 16. Jh. vielfache Nennung von Bergbau in und um Ramsbeck
  • 1668 waren die „berckwercke „ruinirt und schwach worden
  • 1740-82 Ausbau der Bergwerke unter Christian Freiherr von Fürstenberg zu Herdringen
  • 1754 zeigt der Kurkölner Ausbeutetaler Bastenberg und Dörnberg
  • 1792-1812 Ausbau der Bergwerke unter Joseph Kropff zu Olsberg
  • Um 1812 erfolgt die Gründung der „Ramsbecker Gewerkschaft“.
  • 1831 unter Kaspar Joseph Cossack beginnende Industriealisierung
  • 1852 Verkauf an den Rheinisch-Westfälischen Bergwerksverein mit mehrheitlich belgischen Investoren
  • 1853 Fusion mit der AG für Bergbau & Zinkfabrikation Stolberg
  • In der Folge riesige Investitionen als „projet général“: 25 Aufbereitungsanlagen, 4 neue Bleihütten, 500 Arbeiterhäuser.
  • 1855 Bankrott des Unternehmens, der Verantwortliche taucht unter
  • Rettung unter Generaldirektor Wilhelm von der Heydt
  • In der Folge Schaffung einer nachhaltigen Infrastruktur über wie unter Tage
  • 1896/97 Bau der Schmalspur-Werksbahn nach Bestwig
  • 1915-18 Kriegsgefangenen-Sonderkommando Ramsbecker Bergbau
  • 1938-40 Anwerbung neuer Arbeitskräfte in der Region, der Saar und Italien
  • 1942-45 Zwangsarbeiter als „Ostarbeiter“ aus Polen & der Ukraine sowie italienische Kriegsgefangene
  • Mai 1946 Wiederaufnahme der Erzförderung
  • 1950 Einführung moderner Technik in der Erzaufbereitung
  • 1953 Bau des neuen Kauen- & Verwaltungsgebäudes durch Werner Issel
  • 1955 erste italienische Gastarbeiter
  • Ab 1956 Umgestaltung des Valmetales durch Gartenarchitekt Prof. Allinger
  • 1962 erste türkische Gastarbeiter
  • 1969 Übernahme durch die Metallgesellschaft AG Frankfurt/Main
  • Seit 1970 ist die Sachtleben Bergbau GmbH der Bergbaubetreiber
  • 1971 Einführung der Gleislos-Technik unter Tage mit Radladern
  • 1974 Schließung des Bergwerks & Eröffnung des Museums

Quelle: Bergbaumuseum Ramsbeck GmbH