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Bestwig. Dass auf Knopfdruck das Licht angeht, ein Haushaltsgerät seine Funktion aufnimmt oder in der kalten Jahreszeit eine Heizung die Wohnung wärmt – Elektrizität macht es möglich. Was heute quasi eine Selbstverständlichkeit ist, war vor gut 100 Jahren eine Errungenschaft, die anfangs nicht überall auf Gegenliebe stieß. Mit der Geschichte der Elektrizitätsversorgung in Bestwig beschäftigt sich eine Ausstellung des Bestwiger Heimatbundes, die aktuell im Bürger- und Rathaus zu sehen ist.

Rund 180 Fotos, Zeitungsausschnitte und andere Dokumente zeigen auf Großtafeln, welche Anstrengungen nötig waren, bis in den heimischen Häusern „et Lecht iut em Knisper kümmet“ – also das „Licht aus dem Knipser“ kam, wie es in den Erinnerungen eines alten Nuttlarers heißt. Der Velmeder Ortsheimatpfleger Walter Gödde ließ bei der Eröffnung der Ausstellung diese Entwicklung Revue passieren. 1897 befassten sich die Mitglieder des damaligen Velmeder Gemeinderates erstmals mit dem Vorhaben, das erste öffentliche Elektrizitätswerk im Landkreis Meschede zu errichten.

Im Jahr 1900 erhielt eine Firma aus dem Rheinland die Konzession, dieses E-Werk zu bauen und zu betreiben. Allerdings: Bei einer Haushaltsbefragung zeigten sich nur 51 von damals 332 Haushalten bereit, einen Stromanschluss zu beantragen. Die Rettung für das Vorhaben erfolgte durch das damalige Bestwiger Kalkwerk: Weil hier ein Stromliefervertrag abgeschlossen werden konnte, nahm das Projekt die Hürde der Wirtschaftlichkeit. Am 01. September 1902 nahm die öffentliche Stromversorgung in Bestwig – und damit im Landkreis Meschede – ihren Anfang; übrigens gespeist aus Wasserkraft.

Anke Martini (li.), Vorsitzende des Bestwiger Heimatbundes, und Ortsheimatpfleger Walter Gödde (re.), eröffneten im Bürger- und Rathaus die Ausstellung „Die Geschichte der Elektrizitätsversorgung in Bestwig“. Foto: © Gemeinde Bestwig

Anke Martini (li.), Vorsitzende des Bestwiger Heimatbundes, und Ortsheimatpfleger Walter Gödde (re.), eröffneten im Bürger- und Rathaus die Ausstellung „Die Geschichte der Elektrizitätsversorgung in Bestwig“. Foto: © Gemeinde Bestwig

Schritt für Schritt wurde die Stromversorgung ausgebaut, bis im Jahr 1928 die damaligen Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) Stromnetz und -versorgung im Landkreis Meschede übernahmen. Kohle, später Erdgas und Kernkraft wurden die wichtigsten Energieträger. Im Oktober 2000 fusionierte die VEW schließlich mit RWE. Heute, so resümierte Walter Gödde, seien Verbraucher frei in der Wahl ihres Stromlieferanten; und mit dem Kommunalunternehmen HochsauerlandEnergie GmbH (HE) gebe es auch wieder einen regionalen Anbieter unter den zahlreichen Versorgungsunternehmen.

Die sehenswerte Ausstellung bildet gleichzeitig den Abschluss der Veranstaltungsreihe zum Dorfjubiläum „825 Jahre Bestwig“. Ortsvorsteherin Adelheid Bamfaste erinnerte dabei besonders an die Brotzeit auf der Autobahn sowie an das Fest der Nationen im Bestwiger Christkönig-Kindergarten. Und auch die Eröffnung des Naturrasen-Sportplatzes des TuS Velmede-Bestwig sei in das Jubiläumsjahr gefallen. Bürgermeister Ralf Péus erinnerte in seinem Grußwort ebenso an die Ausstellung „Lebensader Eisenbahn“, die im September im Bürger- und Rathaus zu sehen war. Sowohl Eisenbahn wie auch Energieversorgung hätten für einen Entwicklungsschub in Bestwig gesorgt. Das öffentliche Elektrizitätsnetz habe seinen Ursprung dabei unmittelbar in Bestwig genommen: „Insofern ist es etwas, was beispielhaft für diesen Ort steht.

Anke Martini, Vorsitzende des Heimatbundes der Gemeinde Bestwig, dankte allen Aktiven, die sich ehrenamtlich für die Ausstellung eingesetzt haben – an ihrer Spitze Paul und Gabriele Gierse. Die Bilderschau zeige, dass Geschichte nicht etwas sei, was ausschließlich in der Vergangenheit liege: „Geschichte macht etwas mit uns, wir sind durch diese Geschichte geprägt“. Bis einschließlich Freitag [16. Dezember 2016] ist die Ausstellung zu den üblichen Öffnungszeiten im Bürger- und Rathaus zu sehen; der Eintritt ist frei.

Quelle: Gemeinde Bestwig