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Bestwig / Ramsbeck. Als am 31. Januar 1974 die letzte Schicht in der Ramsbecker Grube beendet war, herrschte eine bedrückende Stille. 450 Arbeitsplätze in und um Ramsbeck gingen verloren, man fürchtete um die Existenz des Bergarbeiterdorfes. 40 Jahre später ist längst klar, dass damals die Weichen goldrichtig gestellt wurden: Das Sauerländer Besucherbergwerk wurde am 27. August 1974 eröffnet. Bis zum Jubiläum wurde die stolze Zahl von 3.274.659 Besuchern gezählt. „Ramsbeck lebt – der Bergbau lebt!“ rief Bestwigs Bürgermeister Ralf Péus den Gästen beim Festakt zum 40jährigen Bestehen zu.

In Ramsbeck sah es 1974 alles andere als rosig aus. Der Bergbau der mindestens 500 Jahre die gesamte Region geprägt hatte, wurde eingestellt. Und auch vorher schon war es schwierig, Personal angesichts der schwierigen Arbeitsbedingungen zu finden, erinnerte sich der 88jährige Zeitzeuge Dr. Dietrich Wolff, damals technischer Geschäftsführer der Firma Sachtleben. Im bayerischen Wald habe er beim Tanz mit den Gattinnen der Bergleute das Sauerland in den schönsten Farben geschildert. Offenbar war er kein schlechter Tänzer: Zwei Hauer und ein Steiger ließen sich überzeugen, nach Ramsbeck zu ziehen.

Nach 40 Jahren die Schulden bezahlt: Der damalige Amtsdirektor des Amtes Bestwig, Werner Vorderwülbecke, freute sich sehr über den Ausbeutetaler, den ihm Bürgermeister Ralf Péus überreichte. Foto: Gemeinde Bestwig

Nach 40 Jahren die Schulden bezahlt: Der damalige Amtsdirektor des Amtes Bestwig, Werner Vorderwülbecke, freute sich sehr über den Ausbeutetaler, den ihm Bürgermeister Ralf Péus überreichte. Foto: Gemeinde Bestwig

Ramsbeck habe den Strukturwandel gemeistert, sich von einem Bergarbeiterdorf zu einem staatlichen anerkannten Erholungsort entwickelt, betonte Ralf Péus. Dies sei in erster Linie drei Männern zu verdanken, die „Visionen hatten, die sich gegen viele Zweifler durchgesetzt und mit Hartnäckigkeit teilweise dicke Bretter durchbohrt haben: Karl Senge, damals Bürgermeister der Gemeinde Ramsbeck, Werner Vorderwülbecke, damals Amtsdirektor des Amtes Bestwig, sowie Walter Miederer, damals Bergwerksdirektor in Ramsbeck.

Werner Vorderwülbecke erinnerte sich, wie es war, Interesse für Ramsbeck zu wecken: „Das hieß Klinkenputzen.“ Ob Kreis, Bezirksregierung, Landesregierung, Landschaftsverband, Gewerkschaften, Knappschaft oder Metallgesellschaft – überall sprach er vor. Es habe viele positive Reaktionen gegeben, man habe ihn aber auch „Träumer“ genannt. Beim Festakt rief der heute 80-Jährige den Bürgern der ehemaligen Gemeinde Ramsbeck zu: „Haltet mir Ramsbeck und das Bergbaumuseum hoch!

Dem neuen Leiter des Sauerländer Besucherbergwerks, Dr. Sven-Hinrich Siemers, überreichte Bürgermeister Ralf Péus zur Begrüßung einen Helm. Foto: Gemeinde Bestwig

Dem neuen Leiter des Sauerländer Besucherbergwerks, Dr. Sven-Hinrich Siemers, überreichte Bürgermeister Ralf Péus zur Begrüßung einen Helm. Foto: Gemeinde Bestwig

Eine besondere Überraschung hatte Bürgermeister Péus, zugleich Geschäftsführer des Sauerländer Besucherbergwerks, für Werner Vorderwülbecke parat. Bei der Einrichtung des Museums hatte dieser einem Bergmann, der ihm Exponate von unter Tage mit nach oben gebracht hatte, seinen eigenen Ausbeutetaler gegeben. Beim Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Besucherbergwerks überreichte ihm Péus einen solchen Ausbeutetaler. Damit, so schmunzelte Ralf Péus, habe „die Gemeinde ihre Schulden bezahlt“. Nur auf Zinsen müsse Vorderwülbecke verzichten.

Landrat Dr. Karl Schneider betonte, das Besucherbergwerk sei heute ein Aushängeschild als wetterunabhängiges Freizeitziel. Mit Blick auf die über 3,25 Millionen Besucher bislang erklärte er, größer könne die Bestätigung, dass damals die richtige Entscheidung getroffen worden sei, nicht sein. Mit dem Untertage-Angebot habe man ein Alleinstellungsmerkmal. Ramsbeck habe die Chance genutzt, durch ein modernes Industriemuseum eine Jahrhunderte alte Tradition neu zu definieren. Selbst als kultureller Veranstaltungsort habe sich das Museum inzwischen etabliert – etwa im Rahmen des Sauerlandherbstes.

Gruppenbild zum 40-jährigen Bestehen des Besucherbergwerks (v.li.) Jochen Hasse (Sachtleben), Landrat Dr. Karl Schneider, Bürgermeister Ralf Péus und Alfred Braun (Förderverein). Foto: Gemeinde Bestwig

Gruppenbild zum 40-jährigen Bestehen des Besucherbergwerks (v.li.) Jochen Hasse (Sachtleben), Landrat Dr. Karl Schneider, Bürgermeister Ralf Péus und Alfred Braun (Förderverein). Foto: Gemeinde Bestwig

Jochen Hasse von der Sachtleben Bergbau Verwaltungs-GmbH lobte: „50 000 Besucher pro Jahr über 40 Jahre zu halten – das ist schon eine Leistung.“ Solche Zahlen könnte nicht viele Museen vorweisen. Die Einrichtung in Ramsbeck sei von nationaler Bedeutung, habe einen guten Ruf, genieße Anerkennung in Fachkreisen und sei beliebt bei Familien als Freizeitziel. Man habe den Bergbaucharakter bewahrt, bleibe unverfälscht mit der Grubenfahrt, mit den Originalmaschinen. Er gratulierte: „Bergbau wird hier so spannend vermittelt, dass viele Besucher mehrmals wieder kommen.

Einmalig ist – das strich Alfred Braun als Vorsitzender des Fördervereins des Besucherbergwerks heraus – die hervorragende Verbindung von Natur und Bergbau durch den vom Bergbauwanderweg, der ein drittes Standbein neben Grube und Museum darstellt. Er versprach, der Verein werde auch künftig mit Begeisterung für weitere Einsätze bereit stehen.

Begrüßt wurde ihm Rahmen des Festaktes der neue Leiter des Besucherbergwerks: Dr. Sven-Hinrich Siemers tritt am Montag [01. September 2014] seinen Dienst an. Er ist 45 Jahre alt, Mittelalter- und Neuzeit-Archäologe sowie Museumswissenschaftler. Bürgermeister Ralf Péus überreichte ihm einen Schutzhelm für den neuen Arbeitsplatz.

Quelle: Gemeinde Bestwig