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Arnsberg / Balve. Wer das heute so beschauliche Balve sieht, mag gar nicht daran denken, dass es einmal Schauplatz von unglaublichen 300 Fällen von Justizmord gewesen sein könnte. Doch genau das ist im 17. Jahrhundert dort geschehen.

Die Autorin und Journalistin Anja Grevener, deren familiäre Wurzeln in Garbeck liegen, hat zum Thema der Hexenverfolgungen einen historischen Roman samt Spurensuche veröffentlicht, der als Taschenbuch und als E-Book erschienen ist: „Sündenbock“. Am Donnerstag [30. Oktober 2014] liest die Autorin aus ihrem Roman und das in der Bücherei Neheim (Neheimer Markt 2, Marktpassage, 59755 Arnsberg. Los geht es um 19 Uhr, Einlass ist ab 18:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Enthalten ist auf den rund 350 Seiten nicht nur die Geschichte um das Balver Fräulein Marie und ihren Widerstand gegen den verantwortlichen Hexenkommissar, sondern auch eine erstmalige Veröffentlichung der Akten aus dem Archiv der Familie von Wrede aus dem Schloss Melschede.

Autorin und Journalistin Anja Grevener. Foto: Stadt Arnsberg

Autorin und Journalistin Anja Grevener. Foto: Stadt Arnsberg

Fallende Sterne, Missernten, Krankheiten und marodierende Söldner – was die Jahre des Dreißig-jährigen Krieges, gepaart mit der „kleinen Eiszeit“ und ihren Wetterkapriolen angerichtet haben, waren eine menschliche und wirtschaftliche Katastrophe für Balve und sein Umland. Kein Wunder, dass nach einem Verantwortlichen für all das Leid, nach einem „Sündenbock“, gesucht wurde, den man an den Pranger stellen konnte.

Fündig wurden die Balver in den „Zauberischen“, vermeintlichen Hexen und ihrem Schadenszauber, die sie zu Hunderten auf dem Galgenberg hinrichten und verbrennen ließen. In Balve wütete als Berater des Gerichts der Hexenkommissar Caspar Reinhartz aus Werl, er allein brachte während seiner Beratertätigkeit 800 Menschen auf das Blutgerüst, knapp 300 davon aus dem Amt Balve. An die Balver Opfer erinnert heute eine Stele auf dem Galgenberg.

Im Vergleich zu Nachbargemeinden und anderen Orten in Deutschland ist diese Zahl an Opfern ungewöhnlich hoch. Zum Vergleich: In Menden etwa waren es knapp 80 Verurteilungen von Hexen in einem vergleichbaren Zeitraum, in der gesamten Grafschaft Mark nur einige wenige Einzelfälle.

Und noch ein Detail macht die Geschichte der Balver Hexenverfolgungen so außergewöhnlich: Die Balver wehrten sich gegen den verbissenen Hexensucher Reinhartz und trachteten ihm sogar nach dem Leben. Genug Stoff also für eine außergewöhnliche und spannende Geschichte mit Sauerländer Hintergrund, aber mit darüber hinaus reichender Bedeutung für die Geschichte des Hexenwahns in Deutschland.

Quelle: Stadt Arnsberg