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Arnsberg. Zum 13. Mal liegt der Kalender „Denkmal des Monats“ der Arbeits-gemeinschaft Historische Stadtkerne in Nordrhein-Westfalen in einer limitierten Auflage vor. Die Stadt Arnsberg präsentiert sich im September 2013 mit der zweigeschossigen neoklassizistischen Villa Wesco an der Bahnhofstraße in 59759 Arnsberg, Hüsten.

Die Villa wurde um 1920 als Wohnhaus auf einem weitläufigen Gartengrundstück, das bis zur Ruhr reichte, inmitten eines heterogenen Umfeldes errichtet. Ab den 1930er Jahren bewohnten die Familien Cronenberg und Westermann das Gebäude. Der Unternehmer Westermann, der seit 1867 Feinbleche herstellte, besaß seit 1908 in unmittelbarer Nachbarschaft zur Villa ein Fabrikgebäude. Hier wurden anfangs Kaffeeflaschen und Stalllaternen hergestellt.

Aufgrund der Nähe zur Fabrikation wurde die Villa ab 1941 zu einem Wohnheim für werksangehörige Mädchen und Frauen umgebaut. In den 1950er Jahren zog das Arbeitsamt in das Erdgeschoss ein und wirkte hier bis circa 1959. Ab den frühen 1960er Jahren diente die Villa als Wohn-, Verkaufs und Verwaltungsgebäude der Firma Westermann & Co, die unter der Firmenmarke „WESCO“ Designhaushaltswaren produziert. Die Villa wurde am 16. Februar 1988 in die Denkmalliste der Stadt Arnsberg eingetragen. Seit 2011 dienen die Räume einem Outletstore der Firmenmarke WESCO und einer Kochschule.

Bauliche Veränderungen setzen ein

Mit den zahlreichen Änderungen zur Nutzung der Villa erfolgten auch bauliche Veränderungen. Die jüngsten Veränderungen ermöglichten jedoch einen Rückbau der nicht immer denkmalgerechten Einbauten der letzten Jahrzehnte. Hierdurch ist die ursprüngliche Grundrissdisposition (klare Nord- Südausrichtung) wieder gut ablesbar. Im historischen Gefüge ist eine Symbiose aus moderner Architekturauffassung und Villenbau der 1920er Jahre entstanden.

Die Villa Wesco in Arnsberg. Foto: Stadt Arnsberg

Die bautechnischen und formalen Prinzipien des Bauens der 1920er Jahre (klassische Moderne) sind am Gebäude nach wie vor ablesbar. Die Elemente der griechischen und römischen Antike, des Barock und des Klassizismus spiegeln sich im monumentalen Erscheinungsbild, im Portikus des Eingangsbereiches, innerhalb der rechtwinkligen Grundrissdisposition und in der tektonischen Struktur wider. Aber auch die damalige Konkurrenz zum Expressionismus und zur Erneuerungsbewegung des Bauhauses und der damit verbundenen Neuen Sachlichkeit, die es seit den 1920er Jahren gab, wird an der Villa deutlich. Diese sind nicht nur innerhalb der Fassadengestaltung, sondern auch in den klaren, einfachen Details der Innenräume ablesbar.

Die Südfassade (Straßenfassade) ist durch einen runden Vorbau mit aufliegendem Balkon zusätzlich akzentuiert. Hier präsentiert sich die Villa deutlich mit einer Schaufassade. Die bauzeitlich gebogenen Fenster sind hier heute noch vorhanden. An der Ostfassade befindet sich der Haupteingang, der über eine Freitreppe mit Portikus erreichbar ist. Hier sind, genau wie an der Westfassade, nur wenige Fensteröffnungen vorhanden. Somit ist die Fassadengestaltung hier eher unscheinbar. Die Nordfassade ist ebenfalls als Schaufassade gestaltet. In der Mitte der Erdgeschosszone ist der Zugang zum Gartenbereich angeordnet. Dieser ist über eine opulente Treppenanlage erreichbar. Hier lässt sich heute noch deutlich das besondere Ambiente des Wohnens in einer Villa der 1920er Jahre erkennen.

Starke Wirkung an der Bahnhofstraße

Durch eine breite umlaufende Gurtgesimszone werden die Geschosse innerhalb der Fassaden für den Betrachter deutlich ablesbar. Ein großes, mit Metall gedecktes Mansardwalmdach wird förmlich von einem umlaufenden Traufgesims, welches als steigendes Karnies ausgebildet ist, getragen. Die untere Dachfläche ist zu allen Seiten mit großflächigen Fensteröffnungen versehen. Insgesamt ist die Villa heute noch ein Zeugnis des Bauens seiner Zeit.

Das Gebäude ist nicht nur aufgrund seiner neuen Nutzung, sondern auch wegen seiner nach wie vor vorhandenen repräsentativen Gestaltung zu einem positiven Initial für die städtebauliche und bauliche Entwicklung des nahen heterogenen Umfeldes geworden. Es prägt mit seiner Position an der Bahnhofstraße weiterhin den Auftakt zum Ortseingang Hüsten. Verstärkt wird diese dominante Wirkung insbesondere durch das große Mansardwalmdach.

Eine überregionale Strahlkraft ist nicht nur durch die neue Funktion der Villa gegeben, sondern auch durch das umgestaltete bauliche Gefüge, mit neuer Freiraumgestaltung, Umnutzung einer Fabriketage für die Verwaltung, gläserner Manufaktur etc. Auch die Nähe des RuhrtalRadwegs trägt zu einer positiven Entwicklung des städtebaulichen Umfeldes und somit auch zu einer Stärkung des Stadtteils Hüsten bei.

Der Kalender kann ab sofort zum Preis von 11 Euro bei der Stadt Arnsberg – Untere Denkmalbehörde (Rathausplatz 1, Raum 14), im Stadtarchiv (ehemaliges Kloster Wedinghausen), im Bücher-Eck Engelbertz in Hüsten, in der Buchhandlung Houtermanns in Alt-Arnsberg und in der Mayersche Buchhandlung in Neheim, erworben werden.

Quelle: Stadt Arnsberg