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Arnsberg / Vossweinkel (von Anna Sölling). Gute Zeiten, schlechte Zeiten für den Platzhirsch im Wildwald Vosswinkel: Noch hält er sein Brunftrudel zusammen. Aber wird der mächtige, inzwischen 12-jährige Platzhirsch des letzten Jahres gegen die starken Konkurrenten bestehen können? Ein „Was bisher geschah“ aus dem Wildwald Vosswinkel.

Hirschbrunft im Wildwald. Das hat für mich etwas vom Tatort am Sonntag, der Tagesschau um 20.00 Uhr oder der Fußball-WM aller vier Jahre: Sie kommt immer wieder – und gehört einfach zu meinem Jahreslauf.

Freitag [29. September 2017] 19.00 Uhr.

Am unteren Teil der großen Wildwiese fällt mir ein stolzer Hirsch auf. Er ist der einzige starke Hirsch und wirkt auf mich irgendwie selbstbewusst. Typisch, denke ich mir. Ein echter Macker, der die heißen Hirsch-Ladys um sich schart und von Zeit zu Zeit lässig in die Gegend röhrt. Tatsächlich ist er an Coolness kaum zu überbieten, schreitet in Zeitlupe durch sein Rudel und schüttelt immer wieder die wallende Brunftmähne. Die Tiere des Rudels fühlen sich vielleicht geschmeichelt, aber noch nicht wirklich zu ihm hingezogen. Irgendwas scheint noch zu fehlen.

Der Platzhirsch hat seine Ladys voll im Griff. Foto: © Karl-Heinz Volkmar

Der Platzhirsch hat seine Ladys voll im Griff. Foto: © Karl-Heinz Volkmar

Montag [09. Oktober 2017] 18.30 Uhr.

Dem mächtigen Platzhirsch ist der Brunftstress jetzt anzusehen. Rechts an seinem Geweih ist ein Stück abgebrochen – ihm fehlt ihm wahrsten Sinne ein „Zacken in der Krone“. Hat er ihn im Kampf verloren? Vermutlich. Ich stelle mir vor, wie die Hirsche um die Vorherrschaft im Rudel kämpfen. Vor allen Dingen morgens und abends tun sie das, manchmal nur spielerisch, manchmal erbittert. Immer wieder schlagen sie dann mit ihren Geweihen aufeinander und messen die Kräfte.

Plötzlich bahnt sich der erste Showdown der Hirschbrunft an: Ein einjähriger Hirsch, von den Fachleuten „Spießer“ genannt, nähert sich dem Brunftrudel. Der Platzhirsch ist außer sich – und setzt zum Angriff an! Der Spießer ergreift die Flucht und wird kurz verfolgt. Triumphgebrüll erfüllt die große Hirschwiese.

Doch schon pirscht sich ein anderer junger Hirsch heran, dieser ist etwas älter und mit knubbeligem Geweih. Er weiß, dass er in einem direkten Duell unterliegen würde – aber vielleicht lässt sich eine der Damen, von den Jägern „Kahlwild“ genannt, zu einem Seitensprung überreden?

Frisch gestylt - der Wet-Look der Platzhirsche. Foto: © Karl-Heinz Volkmar

Frisch gestylt – der Wet-Look der Platzhirsche. Foto: © Karl-Heinz Volkmar

Doch der Platzhirsch hat ihn entdeckt und jagt auch den Knubbeligen davon, ehe dieser eine Möglichkeit zur Fortpflanzung findet. Happy End für den Platzhirsch? Dafür ist es noch zu früh. Jetzt steht er japsend und verschwitzt bei seinem Rudel, besprenkelt sich mit seinem Männer-Duft und reißt mit dem Geweih die Grasnarbe auf. Was für ein Kaliber! Ein offensichtlich erfahrener Hirschbrunftbesucher neben mir murmelt: „Der hat mindestens 200 kg.“

Ein Alttier sucht die Nähe zum Hirsch, sie zeigt sich kurz an ihm interessiert. Aber nach ein bisschen Schnuppern wendet sie sich wieder von ihm ab. Noch ist sie nicht soweit. Täglich muss sich der Platzhirsch mit neuen Konkurrenten auseinandersetzen, kein Tag ist wie der andere. Jetzt lauern am „Hallberg“ alte, erfahrene Hirsche auf ihre Chance. Sie warten nur darauf, dass sich der Platzhirsch so richtig verausgabt. Man könnte sagen: Fortsetzung folgt!

Die Brunft der Rothirsche ist noch bis 22. Oktober 2017 im Wildwald Vosswinkel zu genießen. Freitags und an Wochenenden werden von 17.30 Uhr bis 19.00 Uhr Führungen zu den Brunftplätzen angeboten. Zusätzlich kann an Wochenenden im Waldgasthaus gefrühstückt werden. Das Buffett ist von 08.00 Uhr bis 11.00 Uhr geöffnet. Anmeldungen dafür stets drei Tage vorher.

Quelle: Anna Sölling / Waldakademie Vosswinkel e.V. im Wildwald Vosswinkel
Fotos: © Karl-Heinz Volkmar